Die Gebrüder Schwarz sind ja vor allem als DJs und Remixer berühmt geworden. Aber hier legen sie zum dritten Mal ein “richtiges” Album vor. Immer noch irgendwo zwischen Minimal Techno und Deep House verortet, versuchen sie ihre ganz eigene Klangästhetik zu erschaffen.

Ali und Basti sind immerhin auch schon seit 1998 dabei, als DJs kennt und schätzt man sie weltweit, und vor ihren gefragten Remixen ist kaum ein großer Name sicher (Depeche Mode, Madonna, Spektrum, Mousse T. etc.). Alben mit eigenen Stücken gab es jedoch erst zweimal, “ral 9005” (2001) und “Eat Books” (2005). Vor allem Letzteres überraschte mit einer streckenweisen Hinwendung zum richtigen Song und zum Pop. Manche werden es schade finden, dass auf “Chocolate” davon nicht mehr so viel zu finden ist.

Denn hier regiert wieder der Track. Das Album verströmt eine minimalistische, eher zurückhaltende Atmosphäre, die Stücke sind entweder für die Tanzfläche geeignet oder – häufiger noch – für den Chillout-Bereich. Und, das muss leider gesagt werden, ein paar Tracks sind echt anstrengend und hätten bei einem mit über 70 Minuten und 16 Stücken ohnehin zu lang geratenen Album gern weggelassen werden dürfen.

Trotzdem ist das Ganze gut im Fluss und entfaltet mitunter eine angenehm hypnotisierende Wirkung. Gerade die Stücke mit Vokalbegleitung sind da sehr zu empfehlen. Gleich zu Beginn gelingt zum Beispiel mit Newcomer Daniel Wilde auf “Home” ein herausragendes Stück House. “I Can’t Resist” (mit Dave Aju) und “Find Me” (mit Cassy) grooven schön vor sich hin, “Trust” (mit Seth Troxler) lässt Jazzeinflüsse und etwas Terry-Gilliam-Stimmung aufkommen.

Aber auch diverse andere Tracks überzeugen – das minimale “Kraft”, das sehr lässige “Legends” oder die ambiente Phase mit “What You Want” und “Bon Voyage”. Leider lässt die Klasse dann eben im letzten Drittel deutlich nach.

“Chocolate” ist insgesamt ein zartbitteres Erlebnis. Anfangs ein Genuss auf der Zunge und weitgehend ziemlich lecker, aber zu viel ist zu viel und irgendwann staubt es im Mund.

(Addison)

P.S. Live u.a. beim Melt! und Sonnemondsterne!

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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