In Zeiten, in denen selbst die unsägliche RTL-Chartshow mit dem unsäglichen Oliver G. und seinen unsäglichen Couchgästen dem Synthie-Pop eine ganze Sendung widmet, sollten die Chancen für ein gelungenes (zweites) Comeback einer der ganz großen Bands des Genres doch nicht schlecht stehen. Oder?

Live haben es Phil Oakey, seine Damen (Joanne Catherall und Susan Ann Sulley) und ihre Mitstreiter jedenfalls noch sehr gut drauf (wir berichteten), auf Konserve liegen letzte Erfolge doch schon ein Weilchen zurück. Was nicht unbedingt Schuld der Band ist, denn der letzte Versuch mit „Secrets“ vor knapp 10 Jahren kam wohl einfach zum falschen Zeitpunkt. Musikalisch ist jenes Album eines der unterschätztesten Werke des letzten Jahrzehnts.

Ob man das später auch einmal von „Credo“ behaupten wird? Schwer zu sagen, aber vermutlich: Nein. Denn dieses Album hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Obwohl es eigentlich alle typischen Human-League-Zutaten hat. Den fast durchgehend geraden, nahezu stumpfen Beat. Die Retro-Synthies. Den Wechselgesang zwischen Oakeys markanter Stimme und denen der beiden Ladys. Die simpel erscheinenden, sloganhaften, zumeist recht pessimistischen Texte (die aber das Wesentliche auf den Punkt bringen und immer eine Prise britischer Ironie verstecken). Kein Schnickschnack, keine misslungene Modernisierung (wenn man von dem einen oder anderen unnötigen Stimmverzerrer-Effekt absieht).

Aber: Es rauscht irgendwie am Ohr vorbei. Während „Secrets“ Ausflüge in instrumentale Interludes unternahm und auch stilistisch den einen oder anderen kleinen Schritt beiseite trat, geht es hier stur geradeaus. So dass man sich zu einigen weiteren Hördurchläufen bequemen muss, damit jenseits der bekannten und flott-eingängigen Single „Night People“ mehr hängen bleibt.

Was dann auch irgendwann klappt. Mit dem tollen, clubtauglichen Übergang von „Sky“ zu „Into The Night“ beispielsweise. Überhaupt: Die Clubtauglichkeit ist ein ziemliches Plus hier. Man gibt mitunter mächtig Gas (z.B. in „Electric Shock“). Bei „Egomaniac“ stellt man dank des starken Refrains irgendwann auch den Ohrwurm fest. Das düstere „Privilege“ ragt mit seinem maschinellen Hass ebenfalls noch heraus.

Insgesamt ist „Credo“ also auf keinen Fall peinlich (da gab es im Genre zuletzt ganz andere Reinfälle), in Teilen sogar richtig gut geworden. Aber die Erwartungen waren – in Anbetracht früherer Leistungen und der Menge an nacheifernden Bands – höher, und dass auch die Klasse des zehn Jahre alten Vorgängers nicht erreicht wird, ist doch eine kleine Enttäuschung.

(Addison)

P.S. Live sind sie natürlich uneingeschränkt zu empfehlen: 18.04. Köln, 20.04. Hamburg, 23.04. Berlin, 24.04. Leipzig, 25.04. Stuttgart

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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