Ein spannendes Duell zweier Remix-Platten steht heute an. Und da Remixe häufig ziemlich lang sind, legen wir auch gleich los, wer weiß, über wie viele Runden der Kampf noch geht. Wer hat am Ende die Nase vorn, wer hat sie blutig, die Australier mit „Conditions – Remixed“ oder der Kanadier mit „Swim – Remixes“?

In Runde Eins werden erst einmal die Grundlagen abgetastet. The Temper Trap aus Melbourne ließen letztes Jahr mit ihrem Debütalbum „Conditions“ aufhorchen, auf dem zahlreiche Einflüsse (von U2 bis Coldplay, von Bloc Party bis Arcade Fire) zu einer eingängigen und vielseitigen Mixtur verquickt wurden. Das Album hat sich überdies zu einem echten Dauerbrenner entwickelt, die Songs tauchen auch immer wieder in guten Filmen oder TV-Serien auf.

Dan Snaith alias Caribou ist schon ein paar Jahre länger dabei (und noch früher unter dem Namen Manitoba) und war für eher experimentelle, psychedelische Sounds bekannt, bis er sich sich in diesem Frühjahr mit „Swim“ nahezu komplett neu erfand. In den anstehenden Jahresbestenlisten wird dieses ziemlich irre Album, das einen wilden Stilritt veranstaltet und dabei eine der spannendsten elektronischen Platten 2010 ist, hoch gehandelt werden, der renommierte Plattenhändler Rough Trade London hat bereits den Titel Album des Jahres verliehen.

Die Grundlagen sind also stark (mit kleinem Punktvorteil für Caribou), was können nun die Neubearbeitungen? Bei The Temper Trap folgt das Remixalbum der Tracklist der Vorlage, jedes der zehn Stücke erhält einen Mix. Unter den Remixern finden sich dabei so einige prominente Namen. Gleich zu Beginn klauen Sister Bliss und Rollo von Faithless „Love Lost“ die Coldplay-Gitarren und machen einen Clubrave aus dem Stück. Nicht alle Variationen sind so gravierend anders als das Original. Einen Hit wie „Sweet Disposition“ möchte man vielleicht auch gar nicht entstellt haben, also fügt Alan Wilkis nur ein paar neue Soundeffekte und Breaks dazu, das reicht aus. Peter, Bjorn & John lassen „Fools“ auch weitgehend in Ruhe, spielen es nur irgendwie „anders“. Andere, wie Fool’s Gold, legen richtig kräftig Hand an, bremsen das euphorische „Down River“ fast völlig herunter und machen einen groovigen Schlurfer daraus. Hervé (aka The Count) macht einen gewaltigen Dubstep-goes-Techno-Brecher aus „Science Of Fear“ und BretonLabs feat. Kate Tempest spendieren dem im Original einzigen Instrumental („Drum Song“) gar eigene Vocals.

Bei Caribou hatte das Album „nur“ neun Songs (allerdings mitunter schon dort recht lange), bei den Remixen gibt es nun – je nach Fassung – elf (dann ist die CD rappelvoll), 14 oder 15 Tracks (in der Downloadversion, bei iTunes gibt’s eben einen mehr), was natürlich heißt, dass ein paar Stücke mehrfach vertreten sind. Auch hier sind einige bekannte Mixer dabei. So versuchen sich die Junior Boys am Überhit „Odessa“. Der ist im Original zwar kaum zu toppen, aber auch der Remix hat etwas und klingt, wie gute Clubmusik klingen sollte. Die Version, die Nite Jewel angefertigt haben, unterscheidet sich davon deutlich und ist eher verträumt. Das versponnene „Jamelia“ wird von Gold Panda in einen langsam blubbernden Retro-Groove gepackt, während DJ Koze die Discoelemente und den Soul der Vocals hervorarbeitet. „Kaili“, auf dem Album eine Art Psycho-Rave, kriegt von den Fuck Buttons das Psycho zugunsten von mehr Rave ausgetrieben, während die Walls das eher chillig auslegen. Den Rahmen der Spielzeit weiten insbesondere die beiden Remixe des Klangschalenhits „Bowl“ aus, beide über zehn Minuten lang. James Holden mischt die Klingelgeräusche noch weiter nach vorn und macht einen ziemlich hypnotisierenden Track daraus, Gavin Russom belässt es bei eher klassischem Clubfutter.

Was sagt uns das nun alles? Nun, bei The Temper Trap sind die Unterschiede zwischen Songs und Mixen vielleicht etwas größer, was für mehr Überraschungsmomente sorgen mag. Da die Caribou-Stücke im Original fast schon mixartig daherkamen, war das aber auch zu erwarten. Empfehlenswert sind in jedem Falle beide Alben (und die Vorlagen dazu sowieso), so dass sich das Kampfgericht heute mit einem Unentschieden vertagt.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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