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Der Vorgänger war vielleicht das Album des letzten Jahres. Halb Norwegen und der Rezensent sehen das jedenfalls so. Mit dem neuen Album werden die zuletzt eingeschlagenen elektronischen Pfade nun noch selbstbewusster beschritten. Und wenn es nach uns (und halb Norwegen) geht, klappt das jetzt auch mit dem weltweiten Durchbruch.

Mai 2012. Berlin, Grüner Salon der Volksbühne. In Susanne Sundførs Heimat ist „The Silicone Veil“ schon draußen und auf dem Weg an die Chartsspitze, bei uns muss man noch bis Oktober warten, aber darf die neuen Stücke schon einmal live bewundern. Die Location mit ihrem kristallklaren Sound ist perfekt gewählt. Eine Art Schleier ist kunstvoll über die Bühne gespannt – ist das etwa der silicone veil? Die Sängerin wird von einer kraftvollen Band an Instrumenten und elektronischen Gerätschaften unterstützt, kann aber im Zweifelsfall auch allein mit ihrer vielseitigen Stimme die Songs tragen. Der erste Eindruck der neuen Stücke: Mehr Elektronik, etwas weniger Experimente. Und auf Anhieb mindestens zwei Hitkandidaten. Zauberhaft, hoffentlich kommt sie bald wieder vorbei (im Herbst, im Herbst…).

„I wish to god that the earth would turn cold, and my heart would forget it’s made of glass“ – Einer dieser Songs ist die erste Single „White Foxes“. Zu einem stoischen Beat wird eine düstere Geschichte erzählt, nein, angedeutet, und im Refrain geht die Sonne auf über dem winterlichen Wald (hier gibt es übrigens den sehr schönen Maps Remix als Free Download).

Susanne Sundfør – White Foxes (Official video) from Susanne Sundfør on Vimeo.

Man merkt beim Anhören des Albums schnell, dass Susanne Sundfør ihrem damals bei uns im Interview geäußerten Plan gefolgt ist, beim nächsten Album nach dem betörenden „The Brothel“ noch mehr Elektronik einzusetzen. Durch die kräftigere Produktion wirken die neuen Stücke etwas weniger dunkel als zuvor. Doch das täuscht natürlich, es geht weiterhin viel um den Tod und mystische, teils vergangene Welten. Dazu aber auch verstärkt um Technologie und Moderne, im abermals von markanten Synthieklängen – und wie auf vielen Stücken gelungen platzierten Streichern – untermalten „Among Us“ ist gar ein Herzen sammelnder Serienmörder unterwegs.

Ja, die Synthesizer – selten hörte man sie so fantasievoll variiert wie hier. Ob im stimmungsvoll einleitenden Opener „Diamonds“, im getragenen Herzschlag-Epos „Rome“ oder im kantigen „Stop (Don’t Push The Button)“.

„I’m a larva wrapped in silk, I am dying in burning flesh, let me out, let me ache…“ – Das andere Stück, das sich live sofort einprägte, war „The Silicone Veil“. Der Titelsong startet mit Harfenklängen und deutet eine Ballade an, doch nach knapp zwei Minuten werden die Knöpfe angedreht und plötzlich groovt das Ganze richtig, bis in der letzten Minute die Elektronik alleine im Gewitter steht (live übrigens fast noch beeindruckender).

Machen wir das Fazit kurz: „The Silicone Veil“ ist anders als „The Brothel“, aber doch ein Bruder (oder eine Schwester) im Geiste. Und erneut eines der Alben des Jahres.

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P.S. Susanne Sundfør live: 04.11. Köln, 11.11. Ravensburg, 12.11. München

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. DM87
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    23.10.2012 - 21:30 Uhr

    Klingt gut!

  2. 18.10.2012 - 21:21 Uhr

    Dem kann ich nur widerstandslos beipflichten. Wer schafft es schon, in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zwei so grandiose Alben zu veröffentlichen?