Auch amerikanische Großstädter sehnen sich nach Berlin. Gerade bei ausländischen Bands hat das sogenannte „Berlin-Album“ schon mythische Züge, dank David Bowie, Depeche Mode und anderen. Das neue Album der schwer auszusprechenden !!! (chk chk chk, für die Rätselnden) ist eine echt gute Clubscheibe, wird aber sicherlich keine neuen Legenden begründen.

2003 war es, da stürmte die wilde Single „Me And Giuliani Down By The School Yard (A True Story)“ einer seltsam benannten Band die Tanzflächen. Überlang, irre tanzbar, zackig und tatsächlich mit einem Saxofon, das nicht nervte. Das dazugehörige Album „Louden Up Now“ enthielt weiteres Futter ähnlichen Kalibers. Der 2007er Nachfolger „Myth Takes“ war als Album noch besser, insgesamt eingängiger, aber immer noch verrückt – und hatte mit „Heart Of Hearts“ mindestens einen weiteren überwältigenden Hit.

Um es vorweg zu nehmen: Auf „Strange Weather, Isn’t It?“ ist kein Hit solchen Kalibers enthalten, aber halt, nicht wegzappen, das Album ist trotzdem gut. Die früher achtköpfige Band hatte in den letzten Jahren einige Schicksalschläge zu verkraften. Mitglieder verließen die Band – man ist nur noch zu viert (im Studio) bzw. zu sechst (live). Noch dramatischer war jedoch der Tod des ehemaligen Drummers Jerry Fuchs, der bei einem schrecklichen Unfall in einem Fahrstuhlschacht starb.

Die Mannen um Sänger und Bandleader Nic Offer haben nun also Abstand und neue Kreativität in der deutschen Hauptstadt gesucht. Letztendlich entstand zwar nur ein Teil der Songs in Berlin, jedoch hat dieser spezielle Vibe der Stadt auf das Album abgefärbt. Sagt jedenfalls die Band.

Das Album ist einerseits nahezu durchgehend gut tanzbar, wie immer getrieben von starken und vielseitigen Percussions, flotten Elektrosounds, Gitarren und Bläsern (ja, auch das Saxofon ist wieder dabei). Andererseits wirkt es aber – vielleicht durch den reduzierteren Sound – streckenweise düster (kein Wunder) und gelegentlich trotz des Tempos irgendwie, hm, gebremst.

Es geht sehr gut los, mit der Single „AM/FM“, die rhythmisch ins Album hineingroovt und den Takt vorgibt. Auch „The Most Certain Sure“ und „Wannagain Wannagain“ überzeugen, das trockene „Jamie, My Intentions Are Bass“ ist sogar noch etwas cooler, danach plätschert es aber gelegentlich etwas dahin, nur das mit Sprechgesang überraschende „Hollow“ ragt zwischendurch hervor.

Vielleicht sollte das aber den Hörer auch nur einlullen, um ihm mit dem finalen „The Hammer“ ordentlich einen zu verpassen. Denn der Schlusstrack ist definitiv das Highlight des Albums. Eine sich steigernde, donnernde Technobasslawine, die perfekt in die Berliner Clublandschaft passen wird, aber auch andernorts für feuchte Schweißflecken sorgen dürfte.

Letztlich also kein überragendes Werk, da vor allem die eigene Messlatte sehr hoch lag. Trotzdem immer noch ein gutes Album für durchtanzte Nächte.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. 1.9.2010 - 6:26 Uhr

    Tja, so ist das halt manchmal. Ich fand eben, dass „Steady as…“ ’nur‘ ein ganz guter Song ist. Zu jedem Titel muss man sich in einer Rezension ja nicht äußern. Der Hörer soll doch auch noch Entdeckungen machen. ;-)

  2. lseye68
    2
    31.8.2010 - 22:57 Uhr

    Über geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, aber es gibt schon album-rezensionen, bei denen man sich fragt, ob man das gleiche album gehört hat wie das besprochene. das grandiose „steady as the sidewalk cracks“ bleibt unerkannt und unerwähnt !!! ….. ??? drei fragezeichen … vermutlich nicht nur in meinem gesicht.

  3. 24.8.2010 - 9:05 Uhr

    Ist bstimmt auch nicht beabsichtigt,um in die Charts einzutreten;-)
    Aber eine tanzbare Clubmucke bleibt es…