ohland_wishboneDie nächsten vier schönen Scheiben harren der Besprechung und der durchgehend – wir nehmen es mal vorweg – lobenden Kaufempfehlung. Vom Vorzeige-Kompakten Justus Köhncke über den französischen Synthiepopper The Toxic Avenger und die dänische Electropopperin Oh Land bis hin zu den Hamburger Kiezgrößen (höhö) von Fettes Brot.

koehncke_bandBei Justus Köhncke gibt’s erstmal noch eine Empfehlung zur letzten Veröffentlichung: Ende letzten Jahres brachte der Kölner nämlich mit „Bass ist Musik“ eine überaus großartige Zusammenstellung seiner bisherigen Soloaktivitäten heraus, die seine besten Tracks seit 2001 vereinte, und mit „Was ist Musik?“, „So weit wie noch nie“, „Timecode“, „Feuerland“ etc. ist das eine beeindruckende Sammlung an Klasse zwischen Techno und Pop.

Nun aber zum eigentlichen Thema: Mit „Justus Köhncke & The Wonderful Frequency Band“ gibt es ein neues Album, mithin sein erstes Studioalbum seit fünf Jahren. Gelegentlich unterstützt von Kollegen wie Andi Toma (Mouse On Mars) oder Eric D. Clark (mit dem er früher schon als Whirlpool Productions unterwegs war) liefert er neue Hitverdächtigkeiten im Tanzbereich zwischen House, Disco, Techno und Pop. Angereichert mit herrlich lakonischen Texten.

Also tanzen wir selbstvergessen zu „Tell Me“, amüsieren uns über „Das Selbstgespräch“, schunkeln zum Electro-Country des Titelsongs mit, lassen uns in einen hypnotischen „Loop“ verwickeln und nehmen das Wort „Unaufmerksamkeitsblindheit“ in unseren Wortschatz (und den zugehörigen Track in all seiner Kraftwerkigkeit in unsere Erinnerung) auf. Essenziell! – 8 von 10 Ein-Mann-Orchestern


P.S. Live: 14. u. 18.01. Hamburg, 17.01. München, 24.01. Ulm



toxic_romanceSchon das Vorgänger-Album „Angst“ von Simon Delacroix bzw. The Toxic Avenger war uns mit seinen knalligen Synthies eine Empfehlung wert. Mittlerweile ist der Mann noch deutlich gefragter geworden: Skrillex nimmt ihn mit auf Tour, Ladytron, Peaches oder Chromeo bitten um Remixe. Und mit dem neuen Album „Romance & Cigarettes“ bestätigt er die Vorschusslorbeeren deutlich.

Das Ziel: Moderne Sounds und den elektronischen Pop der 80er miteinander zu verbinden. Ja gut, das machen viele, da hat er reichlich Konkurrenz. Aber mit dem Titelsong (mit José Reis Fontao am Mikrofon) bringt er jeden Zweifler zum Schweigen. Ein astreiner Radiohit, wäre da nicht die opulente Länge von fast acht Minuten (doch dafür gibt ja auch den Radio Edit). Danach rauscht mit „Say My Name“ gleich noch ein kunterbuntes Eighties-Bonbon durchs Bild (wir beziehen uns übrigens auf die Trackabfolge der CD-Version, die digitale Fassung des Albums hat zwei Stücke mehr und schmeißt komischerweise die Reihenfolge durcheinander).

Ab der Mitte von „Speed“ kommen dann trockenere Sounds ins Spiel, später knarzt es mal french-housig oder die Maschinen lassen richtig Dampf ab („€Y€$“). Auf „In The Meantime – Run/Hide“ wird der alte Hit „Bette Davis Eyes“ zitiert und dann vom Keyboard gefressen, mit „To The Sun“ gibt es auch hinten heraus noch einen Ohrwurm, bevor „This Means War“ effektiv zwischen Schönklang und Lärm changiert und schließlich mit viel Soundpower die „Artificial Lights“ ausgeknipst werden. Magnifique! – 8 von 10 Lautstärkereglern am Anschlag


The Toxic Avenger “Romance & Cigarettes” – feat… von The-Toxic-Avenger



ohland_wishboneUnd wir bleiben weit oben mit dem Niveau. Nanna Øland Fabricius, künstlerisch als Oh Land unterwegs, hat es mit der Zeit vom beschaulichen Dänemark ins busy, busy Brooklyn verschlagen. Auf ihre Musik hatte das aber keineswegs negativen Einfluss, denn dort traf sie auf Produzent Dave Sitek (TV On The Radio u.a.), und der hat ihr Talent, das sich auf den ersten beiden Alben nur streckenweise durchsetzte, auf „Wish Bone“ endlich in die richtigen Bahnen gelenkt.

Die, wie man am Cover erkennen kann, immer noch gelenkige Ex-Tänzerin, hat sich ein bisschen vom mitunter zu cheesy glittertandigen Radiopop verabschiedet und mehr Substanz im Songwriting entwickelt. Was nicht heißt, dass es hier nichts Eingängiges mehr gäbe. „Renaissance Girls“ ist trotzdem eine herrlich schmissige Single, und von der Sorte gibt es noch mehr („Love A Man Dead“, „Pyromaniac“). Aber auf der anderen Seite steht dann auch mal eine zauberhafte Akustikballade wie „Love You Better“.

Und generell gilt hier: Abwechslung ist Trumpf, darum werden zum Vergleich auch so unterschiedliche Namen wir Lykke Li oder Goldfrapp bemüht. So steht dann auch ein furztrockener Beatknacker wie „My Boxer“ neben einem Lana-Del-Rey-Schmachtfetzen wie „Green Card“ oder den schicken Computersounds von „Kill My Darling“. Eine bunte und schmackhafte Mischung. – 7,5 von 10 Bonbontüten





brote_3Zum Schluss noch deutscher Hip Hop. Klappe jetzt, ihr Schubladendenker! Wobei, deutscher Hip Hop trifft es ja bei Doktor Renz, Björn Beton und König Boris oder auch Fettes Brot, schon lange nicht mehr so richtig. Was auch auf dem ersten richtigen Studioalbum seit fünf Jahren deutlich zu erkennen ist.

Denn „3 is ne Party“ ist neben einer guten Party vor allem auch eine satte Produktion. Die Brote sind mit ihren sechs Ohren stets am Ohr der Zeit, insbesondere, was die Entwicklungen in der elektronischen Musik betrifft. Unter den 13 neuen Tracks findet sich darum so manche ordentliche Basswalze. Bei „Wackelige Angelegenheit“ wummern moderne Dancehall-Beats, „Toten Manns Disco“ knattert mit Breakbeats übers schmutzige Pflaster Hamburgs und „KussKussKuss“ wartete schon als Single mit einem „Als wär’s ein D.A.F. Remix“ auf.

„Dynamit & Farben“ spielt in der fetten Deichkind-Liga mit, „Mehr Gefühl“ lässt die Synthies in die Disco und „Echo“ ist der fast sichere nächste Single-Hit. Darüber hinaus punkten die Drei neben der ganzen Party wieder mit treffsicheren Zustandsbeschreibungen, die beim nächsten Mal gerne noch mehr poetische Meisterstückchen wie „Crazy World“ zeitigen dürfen. Fett! – 7,5 von 10 Kläusen


P.S. Live: 28.12.13 Köln, 30.12.13 Hamburg, 22.01.14 Bielefeld, 23.01.14 Dresden, 24.01.14 A-Wien, 26.01.14 CH-Zürich, 27.01.14 München, 28.01.14 Wiesbaden, 30.01.14 Dortmund, 31.01.14 Hannover, 01.02.14 Stuttgart, 02.02.14 Lingen, 04.02.14 Bremen, 05.02.14 Fürth, 06.02.14 Leipzig, 07.02.14 Berlin




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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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