slut_alienation

Ist das letzte Album von Deutschlands begabtester Indie-Rock-und-Pop-Band echt fünf Jahre her? Uns kam es fast vor, als würden wir Slut schon ewig vermissen. Doch Entfremdung tritt mit „Alienation“ keineswegs auf. Nein, die alte Liebe ist sofort wieder entflammt.

„Lookbook“ (2001). „Nothing Will Go Wrong“ (2003). „All We Need Is Silence“ (2005). „StillNo1“ (2008). Das sind mal eben vier ziemliche Meisterwerke – und die beiden Alben davor waren auch nicht schlecht, ebenso die sonstigen Arbeiten der Band für Film (Soundtrack zu „Crazy“), Bühne (Neuvertonung von Brechts „Dreigroschenoper“) oder Literatur („Corpus Delicti“ mit der Schriftstellerin Juli Zeh). Doch nun gibt es endlich, endlich ein „richtiges“ neues Album der Herren Neuburger, Neuburger, Rosenacker, Schaller und Arbeithuber.

Und dann wird gleich mal mit einer ungeschriebenen Regel gebrochen. Die da lautet: Viele Produzenten verderben den Albumbrei. Doch die Ingolstädter (mittlerweile größtenteils in München ansässig) hatten so viele verschiedene Ideen, dass der Entschluss in ihnen reifte, für dieses Album mit all ihren bisherigen Produzenten zu arbeiten. Was dann gleich fünf Herren sind: Tobias Levin, Olaf O.PA.L., Tobias Siebert, Mario Thaler und Oliver Zülch. Schon so ziemlich die Creme de la Creme deutscher Studioarbeit.

Obwohl diese ungewöhnliche Arbeitsweise zu Aufnahmen in der ganzen Republik führte, und obwohl die Produzenten für durchaus unterschiedliche Ansätze bekannt sind, muss man bei „Alienation“ feststellen, dass trotzdem alles wie aus einem Guss klingt. Klar, die Songs sind sehr unterschiedlich, ein heterogener Klang war gewollt und wurde erreicht. Aber es passt zusammen, es greift ineinander. Das können nur die Großen.

Was auch nicht das Resultat ist: Es jedem Recht zu machen. Das war nie das Ziel dieser unverbogenen Band, und das ist es sicher auch heute nicht. Nein, hier gibt es nichts für den Nebenbei-Einsatz im Dudelsender, selbst an die geradlinigsten Phasen der Bandgeschichte erinnert kaum ein Song. Der direkteste davon wurde immerhin zur Single erkoren und das aufgrund seiner schnörkellosen Eingängigkeit zu Recht. Hier das ganz frische Video zu „Next Big Thing“:

Ähnlich flott und schnell im Ohr sind vielleicht nur noch „Remote Controlled“ mit seiner markanten Basslinie und das sehr britisch klingende „Never Say Nothing“, nach mehrmaligem Hören ein Ohrwurm erster Kajüte. Was sonst durch „Alienation“ klingt, ist aber erheblich vielschichtiger. Vom einleitenden Klackern in „Anybody Have A Roadmap“ über entspannten Gitarrenpop in „All Show“ und Bläsereinsatz im Titelsong bis hin zu einer echten Sitar („Silk Road Blues“). Dazwischen immer wieder Songs, die irgendwie eben ‚typisch Slut‘ sind, wie „Deadlock“ oder „Idiot Dancers“. Und ein waschechter Elektronikbeitrag ist auch dabei. „Broke My Backbone“ dürfte ein unbestrittenes Highlight des Albums sein. Schon ein wenig wie Radiohead in ihren elektronischsten Momenten.

Ach, was sollen wir noch sagen, was wir nicht bei jedem neuen Slut-Album gesagt hätten (und dabei sind wir auf die gewohnt intelligenten Texte gar nicht eingegangen): Eine irrsinnig gute Band, deren Mitglieder bei anderer Herkuft vermutlich Weltstars wären und deren Musik in ihrem Detailreichtum nur wenig Konkurrenz zu fürchten hat. TIPP!

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P.S. Slut kommen natürlich auf Tour, nach drei Festivaldates 28.09. Reeperbahn Festival – Hamburg, 04.10. Waves Vienna – Wien, 01.11. Ahoi Pop Festival – Linz) geht es im Januar richtig los:
11.01. Dresden – Beatpol
12.01. Berlin – Lido
13.01. Köln – Gebäude 9
14.01. Frankfurt – Zoom
20.01. A-Salzburg – Arge
22.01. A-Innsbruck – Weekender
23.01. A-Graz – Postgarage
27.01. Erlangen – E-Werk
28.01. Stuttgart – Schocken
29.01. CH-Zürich – Rote Fabrik
30.01. CH-Basel – Sommercasino
31.01. München – Freiheiz

www.slut-music.de
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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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