The Prodigy The Day Is My Enemy Albumcover ©UniversalMusicSchon mein alter Verwaltungsrechtslehrer wusste: „Am Morgen ein Joint, und der Tag ist dein Freund.“ Soll „The Day Is My Enemy“ nun also heißen, dass The Prodigy den Drogen abgeschworen haben? Oder dass sie ihr Bewusstsein nur noch nachts erweitern?

Müßige Fragen vielleicht, aber was tun wir nicht alles um eine Rezension einzuleiten. Ist ja auch interessanter, als gleich mit der Frage ins Haus zu platzen, ob diese Musik heute noch relevant ist (Was sagt denn eigentlich der Relefant dazu? Aber ich schweife schon wieder ab…). Denn darüber ließe sich reichlich und wahrscheinlich ebenso ergebnislos streiten. Ist aber auch egal, Begründung folgt.

Sagen wir es mal so: The Prodigy, die uns in den 90ern mit „Music For The Jilted Generation“ und „The Fat Of The Land“ zwei Meisterwerke geschenkt haben und die danach nur noch mit langen Pausen neues und größtenteils wenig überzeugendes Material lieferten (das mit klitzekleinen Ausnahmen schreckliche „Always Outnumbered, Never Outgunned“ und das bessere, aber auch nicht besonders dolle „Invaders Must Die“), konzentrieren sich auf ihre Stärken und ignorieren all solch für sie unbedeutende Dinge wie Weiterentwicklung, Fortschritt oder Subtilität.

Und, meine Damen und Herren, das tut „The Day Is My Enemy“ richtig gut. Die Band ist (oder sie spielt es zumindest) immer noch ordentlich angepisst von der Welt, der Gesellschaft und den Zuständen an sich. Ohne tiefer gehende Analysen zu liefern, bollern sie uns ein gutes Dutzend auf Angriff gebürstete Tracks um die Ohren und in die Beine, auf dass keine Achsel trocken bleibe.

Klar, das haben sie früher schon gemacht (und auf erwähnten Meisterwerken auch besser, aber danach eben auch schon schlechter), und das hört sich streckenweise wie musikalisches Malen nach Zahlen an, aber: Das fetzt und knallt immer noch ganz hervorragend – und landet in den heimisch-britischen Charts immer noch erfolgreich wie eine Breakbeat-Streubombe zwischen all dem Plastikmüll, der auch dort leider mittlerweile regiert.

Einige der Tracks könnten sogar eine längere Halbwertzeit haben. Das um ein Cole-Porter-Sample gebaute Titelstück etwa, das wunderbar ironische und von den Sleaford Mods (Brüder im Geiste) lakonisch unterstützte „Ibiza“, das wie zu besten Zeiten mitreißende „Destroy“ oder das atmosphärische „Invisible Sun“. Überhaupt insgesamt eine anständige Trefferquote. Rave on!

Die depechemode.de-Wertung:
7 / 10

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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