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Album des Monats! Und noch viel mehr. Wenn man als über Musik Schreibender wochenlang – obwohl zahlreiche andere, ebenfalls interessante Platten gehört werden wollen – immer wieder nur diese eine Scheibe hören möchte, ist das wohl ein klares Zeichen.

Wir werden ja hier nicht müde, eine Lanze nach der anderen für diese unfassbar begabte Norwegerin zu brechen, die in ihrer Heimat schon lange erfolgreich und preisgekrönt ist und in der jüngeren Vergangenheit mit so namhaften Künstlern wie Röyksopp, M83, Maps oder Kleerup arbeitete. Mit dem unvergleichlichen, dramatisch-düsteren „The Brothel“ (2011) verzauberte sie uns Nicht-Norweger erstmals, ein Jahr später folgte das nicht weniger überragende „The Silicone Veil“, das die elektronischen (und poppigen) Elemente verstärkte.

Und nun gibt es „Ten Love Songs“, doch wer mit einer romantischen Balladensammlung gerechnet haben sollte, könnte nicht weiter entfernt von der Wahrheit liegen. Stattdessen gibt es noch mehr Elektronik, noch mehr Tanzbarkeit, noch mehr großen Pop, dazwischen Elemente von Klassik und Mittelalter und inhaltlich wohl mehr Tod und Gewalt als schmachtende Liebe.

Frau Sundfør nennt als Einflüsse für dieses Album Skeeter Davis, Bernard Herrmann, Philip Glass, Depeche Mode, Cut Copy und Valerie Doré. Donnerwetter, amerikanischer 60er-Jahre-Pop, Großmeister der Filmmusik, Champions elektronischer Popmusik und Italopop, das wäre ja eine Mischung! Wir werden die Susanne in Kürze im Interview noch einmal persönlich zu diesem Thema befragen, einstweilen lassen sich zumindest Electropop und filmische Momente definitiv bestätigen.

Doch nun hinein in diese sowohl an genialen Übergängen als auch an gezielten Brüchen reichen zehn Stücke. In den eröffnenden nur zweieinhalb Minuten von „Darlings“ bringen die sakralen Orgeln schon die ersten kleinen Gänsehautmomente, doch das anschließende Doppel bläst einen erst richtig um – zunächst „Accelerate“ mit seinen saftigen Synthbässen (aber Achtung, die Orgel mischt weiterhin mit!) und dann, direkt verbunden durch einen der perfektesten Songübergänge der letzten Jahre, der ultra-eingängige Discopop von „Fade Away“.

Direkt danach wechselt Sundfør erneut abrupt den Rhythmus und wir landen mit „Silencer“ mitten in einem von akustischer Schlichtheit zu streichermächtigem Epos anschwellenden Märchenlied, allerdings in einem mit düsterem Twist. Der nächste Track („Kamikaze“) ist dagegen wieder purer Pop, mit dem Besten der 80er und 90er… wenn da nicht das mittelalterliche Finale (Cembalo?!) wäre.

Was dann folgt, ist schon wieder und ganz besonders pure Magie. Mit „Memorial“ setzt sich die Musikerin selbst ein zehnminütiges Denkmal. Soll der abtrünnige (Ex-)Geliebte nun zurückkommen oder nicht? Die Synthies und die Streicher schwelgen, nach fünf Minuten übernimmt das Klavier und geleitet in einen tatsächlich voll klassischen Musikteil, aus dem die Sängerin sich erst kurz vor Schluss herauswindet.

Hui! Doch das war noch längst nicht alles, wie das deliziöse „Delirious“ klarmacht. Fängt an wie ein Dolby-Surround-Soundcheck, springt über in den „Drive“-Soundtrack, dann singt Sundfør „I hope you got a safety net, cause I’m gonna push you over the edge“ und plötzlich bricht ein Synthiegewitter aus. Von wegen „I’m not the one holding the gun“!

Mit „Slowly“ gibt es dann noch richtig fluffigen 80er-Pop, mit „Trust Me“ noch eine düstere Ballade, bevor uns zum Finale Millionen synthesizergetriebener „Insects“ umflattern – und in dem Moment, in dem der Track als Technoschwitzberghaingranate abheben will, dreht die Chefin ihm grinsend den Saft ab. Meisterwerk vollendet, der ehrwürdige Guardian vergab die seltene Menge von fünf Sternen und auch uns bleibt nur dieses hier übrig:

Die depechemode.de-Wertung:
10 / 10

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P.S. Die Tourdaten:
12.03. Köln – Bahnhof Ehrenfeld
16.03. Hamburg – Prinzenbar
17.03. Berlin – Postbahnhof (Achtung: Wegen der hohen Nachfrage von der Berghain Kantine verlegt!)

P.P.S. Und auf den Wunsch unserer Leser kommt hier nochmal das „Ice Macine“-Cover mit Röyksopp:

www.susannesundfor.com
www.facebook.com/susannesundfor

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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4
Kommentare

  1. Mieux
    4
    13.3.2015 - 9:36 Uhr

    Besser gehts nicht

    Gekauft – geliebt
    was Royksopp verspricht hält Susanne mit Leichtigkeit ein und viel mehr!

  2. Blitz
    3
    3.3.2015 - 11:05 Uhr

    Ein fantastisches Album und jetzt schon mein Album des Jahres! Freu mich rießig auf den 17.03. und Susanne endlich mal live zu erleben.

  3. Phazz
    2
    27.2.2015 - 12:57 Uhr

    Der Review ist nichts hinzuzufügen.
    Das wird das dritte Album von Sunsanne Sundfor in Folge sein, das es bei mir in der Jahresauswertung unter die TOP 3 schaffen wird.
    Verbeugung!

  4. inked_dwarf
    1
    27.2.2015 - 11:59 Uhr

    Auf den Punkt gebracht

    Dieser Kritik ist nix hinzuzufügen.
    Seit der Veröffentlichung läuft das Album in Dauerschleife. Ich glaube nicht, dass dieses Jahr noch ein Album erscheint, dass dieses Meisterwerk übertrifft.

    Das hier gibt’s übrigens bei Beatport:

    http://youtu.be/40z8TQDfnr4