SeinaboSey Albumcover ©Universal MusicBei uns zu Hause ging das letztens während des Ansehens der spannenden Fernsehserie „100 Code“ dauernd wie folgt: Sie so – „Dieser Titelsong, der ist dermaßen klasse, schreib‘ doch mal über diese Dame!“ Ich so – „Hast ja recht, ich schaue mal nach, wie die heißt, vielleicht kommt da bald was raus.“ Und plumps, fiel dieses Album vom Himmel, das so einige Stile vereint und ein intensives Hörerlebnis bietet.

Diese hochinteressante Künstlerin, Mutter Schwedin, Vater Gambier, war dem Rezensenten, wie er sich schließlich erinnerte, schon einmal vorgekommen. Als nämlich vor geraumer Zeit die Single „Younger“ durch die Blogs dieser Welt gelobt wurde. Mächtige Soulstimme, knackige Drums, elektronische Effekte, Drama – eine Hymne!

Doch noch besser und – das muss gesagt werden – definitiv aus dem Album herausragend ist der eingangs erwähnte Song namens, nein, nicht „100 Code“, sondern „Hard Time“. Hier fliegen einem die Power, die Eingängigkeit und die tollen Sounds nur so um die Ohren. Ein echtes Wow (übrigens gibt es von diesem Song auch ein paar feine Remixe, u.a. von den Fryars)! Hier hört man, wie auf dem ganzen Album, mit wie viel Detailverliebtheit Seinabo Sey und ihr Produzent Magnus Lidehäll an die Songs herangegangen sind.

Leider sind dann auf Albumlänge auch ein paar Stücke dabei, die zu sehr in Richtung von radiotauglichem R’n’B- und Soul-Pop produziert wurden, aber vielleicht hatte der Rezensent da nur zu hohe Erwartungen nach dem vorab Gehörten. Denn, wenn man dann intensiver hört, finden sich genug weitere Höhepunkte. Der mächtige Powerpop von „Pretend“ zum Beispiel, der marschierende Gospel von „Easy“ oder der Überfluss an Melodie in „Ruin“. Und na klar, auch die Balladen wie „Poetic“ oder „Sorry“ haben ihre Momente – gerade hier könnte es sein, dass diejenigen, die sehnsüchtig auf das anstehende Adele-Album warten, vorher einen neuen Liebling entdecken. Unbedingt empfehlenswert sind übrigens die als Bonustracks eher ungeschickt hinter dem dramatischen Albumabschluss „Burial“ platzierten Stücke, vor allem das elektronisch-mysteriöse „Pistols At Dawn“. Hätte man da vorher zwei, drei mittelprächtige Songs rausgelassen, wäre die Bewertung höher ausgefallen.

Was weiterhin als klarer Pluspunkt zu erwähnen ist, ist einmal die Dringlichkeit, die aus jeder gesungenen Zeile tropft. Und des weiteren die Qualität ebenjener Texte. Diese 25-jährige Künstlerin ist offensichtlich ein reflektierender und intelligenter Mensch. Darum hoffen und wünschen wir ihr auch, dass dieses Album nicht untergeht, sondern den Startpunkt einer großen Karriere markiert.

Die depechemode.de-Wertung:
7 / 10

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Letzte Aktualisierung: 12.11.2015 (c) depechemode.de

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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