Hopp oder top?

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Endlich haben wir mal wieder Gelegenheit eine alte Rubrik auszugraben. Zum neuen Album von Róisín Murphy gehen aber die Redaktionsmeinungen auch dermaßen auseinander hier! Diskussionen erwünscht!

Henning: Stolze acht Jahre hat sich Róisín Murphy für ihren dritten Longplayer Zeit gelassen. Nachdem der Irin mit „Overpowered“ in 2007 ein kleines Hit-Album (Top 4 in Belgien und Top 20 in UK) gelungen ist, waren die Erwartungen an den Nachfolger nicht gerade gering. Für ganze acht neue Songs hat es gereicht.

Die ehemalige Moloko-Sängerin verlässt sich nicht auf das Erfolgsrezept des Vorgängeralbums, sondern schlägt andere, ruhigere, introspektive Töne an.

Der Tanzfläche ist die 42-Jährige entwachsen. Statt in die Disco geht’s für Róisín Murphy jetzt ins Jazz Café. Nur noch der zweite Track, das tolle „Evil Eyes“, zielt auf den Dancefloor.

Gediegen ist die Produktion der Platte, die Stimme noch immer eine Klasse für sich, aber die Kompositionen zünden leider zu selten, sind ein wenig zu verkopft. Gepflegte Langeweile. Und was will uns die Künstlerin mit dem Albumtitel „Hairless Toys“ sagen?

Thomas (Addison): Also das Jazz Café, in dem Tracks wie „Exploitation“ laufen, musst du mir mal zeigen, Henning, vielleicht fange ich dann an solche Locations zu schätzen. Nein, mal im Ernst, die Bandbreite, die das neue Album von Róisín Murphy auf seinen nur acht Tracks (aber auf über 50 Minuten Länge!) abdeckt, ist schon recht enorm. Und bis auf ein Stück, die zugegeben etwas eigenartige Countryballade „Exile“, ist das hier nach wie vor alles Dance-Pop, mit einer gehörigen Portion House.

Nur eben solcher mit einem ganz eigenen Dreh, aber das dürfte alle, die die Karriere der Irin verfolgt haben, nicht überraschen. Auch der Großteil der Moloko-Songs und ihrer bisherigen Soloarbeiten war eher selten geradlinig, nicht mal auf dem teuer mit diversen Starproduzenten aufgenommenen Vorgänger „Overpowered“, mit dem das neue Album deutlich weniger zu schaffen hat als mit dem Solodebüt „Ruby Blue“.

So sollte man sich für dieses Album definitiv ein paar Durchläufe Zeit gönnen, dann kann man neben dem wunderbaren (da sind wir uns einig) „Evil Eyes“ noch eine Menge mehr entdecken, das introspektiv plinkplonkende „Gone Fishing“, das knallig leiernde und zum Ende experimentell ausufernde „Exploitation“ und vor allem diverse Stücke, die ganz anders verlaufen als man erwartet – wie „Uninvited Guest“, zwischen lässigem Pfeifen und träumerischem Zwischenteil, oder das finale „Unputdownable“, das sich von balladeskem Beginn zu weltumarmendem Optimismus aufschwingt. Nur die Bedeutung der „Hairless Toys“, die bleibt (obwohl mir einige Ideen dazu kämen…) in der Tat rätselhaft, aber das macht einen guten Albumtitel ja auch manchmal aus, oder?

P.S. Róisín Murphy live: 24.05. Mannheim (Maifeld Derby), 29.05. Köln (Electronic Beats), 30.05. Hamburg, 31.05. Berlin (Berlin Festival), 09.07. München (Tollwood Festival)

CD:
Hairless Toys

LP+CD:
Hairless Toys (Lp+CD) [Vinyl LP] [Vinyl LP]

www.roisinmurphyofficial.com
www.facebook.com/roisinmurphy

 Henning Kleine
Henning (Jahrgang 1976) arbeitet als TV-Journalist in Hamburg. Er ist Synthie-Pop Liebhaber und großer Fan der Pet Shop Boys.

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