MWC_Maximum_Entropy_CoverOb es in Wales wie auf einem fernen Planeten aussieht? Keine Ahnung, der Autor kennt nur Wales und war noch nicht im Weltraum, und das Land ist jedenfalls wunderschön. Wo die beiden Waliser von Man Without Country also ihre außerirdisch schönen Sounds herzaubern, können wir daher nicht belegen. Sie verzückt genießen, das aber schon.

Bereits mit ihrem Debütalbum „Foe“ (2012) wussten Ryan James und Thomas Greenhalf zu überzeugen. Mächtig aufgeschichtete Synthesizerklänge, zarter Gesang, wolkige Traumwelten. Darüber hinaus erarbeiteten sie sich als Remixer einen gefragten Status, mit durchweg starken Arbeiten für Kollegen wie Archive, Miike Snow, Susanne Sundfør, Moby, M83 oder zuletzt Interpol. Sänger Ryan gastierte außerdem kürzlich auf dem tollen finalen (?) Röyksopp-Album.

Nun also maximale Entropie. Eine thermodynamische Zustandsgröße, veränderlich durch Wärmeabgabe oder- aufnahme. Was recht gut zur Musik von Man Without Country passt. Zunächst scheint sie dem Raum durch die kühlen Sounds aus den dichten Synthesizerwänden die Wärme zu entziehen. Doch dann fügt sie sie durch die luftig schwebenden Melodien und den watteweichen Gesang wieder hinzu.

Und wir müssen es mal wieder betonen: Diese Art Musik ist perfekt für kuschelige Stunden unter guten Kopfhörern geeignet. Von den ersten Tönen des Openers „Claymation“ an kann man sich mit geschlossenen Augen in andere Welten begeben. Vielschichtige Sounds, grundierende Drums und unaufdringliche Vocals bestimmen das Bild. Der Quasi-Titelsong „Entropy“ erhöht nach zurückhaltendem Start den Druck, bevor die eingängige Single „Laws Of Motion“ mit weiblicher Gaststimme (Morgan Kibby von White Sea) aufwartet. Und so hat man nach drei Stücken bereits einen guten Querschnitt des Albums bekommen.

Die beiden Herren hier könnten auch Pophits schreiben, das wird immer wieder angedeutet, nicht zuletzt durch ihre reizende und zeitgemäße Coverversion von „Sweet Harmony“ von The Beloved, die von deren Sänger selbst gelobt wurde und hier das Album beschließt. Oder auch im nun wirklich poppigen „Catfish“. Auch bei „Virga“ fehlt nur ein Abzweig in Richtung Refrain zum Synthiepophit.

Doch stattdessen bevorzugen die Südwaliser eben den vernebelt-atmosphärischen Weg. Da werden die eingängigen Elemente eben in einem Siebenminüter wie „Deadsea“ unter zahlreichen Soundschlieren versteckt. Man Without Country lassen gern den Maschinen den Vortritt, wie gegen Ende „Incubation“ und das dunkel funkelnde „Deliver Us From Evil“ beweisen. Rundum ein wunderbares Albumhighlight!

Die depechemode.de-Wertung: 8,5 von 10

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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