editors_dream

Von den ersten Klängen des neuen Editors-Albums an jubelt der Teil der Fans, die besonders das dritte Album der Band lieben: Sie haben es wieder einmal getan. Sich von einem zum nächsten Album stilistisch gewandelt. Eine (überwiegend) elektronische Platte aufgenommen. Wunderbar!

Nachdem sie vor dem letzten Album den Abgang von Gründungsmitglied Chris Urbanowicz verkraften und sich in der neuen Besetzung – seitdem bestehend aus Tom Smith, Russell Leetch, Ed Lay, Justin Lockey und Elliott Williams – erst wieder finden mussten (was man dem letzten Album in ein paar unsicheren Momenten auch anhören konnte), sind die Editors nun wieder ganz bei sich und haben erneut den Mut gefunden, nicht den leichten Weg über die Hymne ins Stadion zu den blinkenden Coldplay-Mainstream-Armbändchen zu nehmen.

Stattdessen zog man sich in die Schönheit und Einsamkeit Westschottlands zurück und nahm in Crear in Ruhe ein neues Album auf. Und nach ersten Hörproben stellte man fest, nein, ein externer Produzent wird nicht benötigt (erst für den finalen Mix durfte der auch unseren Lesern sicherlich bekannte Alan Moulder ran), wir machen das dieses Mal selbst. Dass die Band sich in Sound und Atmosphäre an ihrem düsteren Meisterwerk „In This Light And On This Evening“ und somit wohl auch an der Arbeit vom großen Flood orientierte – um so schöner.

Doch zurück zu den ersten Klängen. Repetitiver Synthie-Loop, trockene Percussions, mehr braucht es eben manchmal nicht, um eine Stimmung zu erzeugen. Perfekt arrangiert bei „No Harm“, wo auch gleich einer der größten Trümpfe der Editors ausgespielt wird – Tom Smiths Stimme. Vom tiefen Bariton ins Falsett und zurück, je nachdem, wie der Song es eben benötigt.

Ganz kurz droht übrigens doch noch die Coldplay-Falle: Bei den Piano-Sounds von „Ocean Of Night“ kann man am Anfang diese Sorge haben. Doch dann bewegen Smith und die auf diesem Album bei drei Songs als stimmliche Ergänzung bestens harmonierende Rachel Goswell (bei der Gelegenheit empfehlen wir mal ihre Hauptband, Slowdive) das Stück in eine ganz andere Richtung. Außerdem zerstreut das folgende Highlight „Forgiveness“ alle Bedenken. Was Smith wohl mit durchaus politisch interpretierbaren Zeilen wie „The land in the sand ain’t drawn for everyone, the flag in your hand don’t make you American“ meinen mag?

Von diesem Song und drei weiteren gibt es übrigens auf der Bonus-CD der Deluxe Version eine alternative Version. Sehr empfehlenswert, weil man so einen interessanten Einblick in die Arbeitsweise der Band erhält und erahnen mag, wie viele Gedanken auf die soundtechnische Ausgestaltung der Songs verwendet wurden. Mehr zur Gedankenwelt der Editors könnt ihr übrigens in wenigen Tagen in unserem Interview lesen!

Zurück zu den Highlights: Davon gibt es einige, nein, eigentlich hat sogar jeder Song ein Lob verdient. Die dramatischen Streicher und der erst kühle, dann flehende Gesang bei „Salvation“, der astreine Synthiepop der Single „Life Is A Fear“ natürlich. Das dunkel glühende „The Law“, das fast unverschämt an Bronski Beat/Jimmy Somerville erinnernde „Our Love“, das nach drei Minuten 80er-Jahre-Pop mit einem Break plötzlich noch an Intensität zulegt. Oder das zu saftigem Beat voran stampfende „All The Kings“ – und niemand kann ungestraft so schön „Loneliness Forever“ predigen wie Mr. Smith.

Schließlich werden nach dem pastoralen „At All Cost“ die „Marching Orders“ erteilt, und nach einem sich im Verlauf von knapp acht Minuten vom sanften Finalauftakt über ein episches Mittelstück zum eindrücklichen Synthesizer-Outro entwickelnden Opus hat man endgültig Gewissheit, eines der besten Alben des Jahres gehört zu haben.

Die depechemode.de-Wertung:
9 / 10

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P.S. Und hier nochmal die Tourdaten:
02.11.2015 – Köln , Palladium
08.11.2015 – Hamburg , Theater am Großmarkt
09.11.2015 – Berlin, Columbiahalle
10.11.2015 – Offenbach, Stadthalle
12.11.2015 – München, Tonhalle
13.11.2015 – Straßburg, La Laiterie
29.11.2015 – Wien, Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer
13.12.2015 – Zürich, X-Tra

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Letzte Aktualisierung: 19.10.2015 (c) depechemode.de

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. 2.11.2015 - 14:06 Uhr

    eine unverschämtheit

    würde man diese band nicht kennen, dann würde niemand das neue album kaufen. kein einzig guter song auf dieser platte! eine absolute frechheit diese 0815 kompositionen.

  2. Daniel
    4
    15.10.2015 - 13:28 Uhr

    bin noch am reinhören

    nach dem ersten Lauschen – nicht schlecht – allerdings fand ich das letzte Album grandios, was mich sicher von der Mehrheit hier unterscheidet ;-)

    Nun heißt es langsam fahren wenns nach Hause geht – die Deluxe ist nämlich ganz schön lang….

  3. Piano101-242//604
    3
    10.10.2015 - 18:40 Uhr

    Absolute Top Band mit einem einzigartigen Soundfeeling-Genial!!

  4. lilian
    2
    10.10.2015 - 17:02 Uhr

    GENIAL!!!

  5. Andre
    1
    8.10.2015 - 21:36 Uhr

    Also beim ersten mal hören war ich etwas skeptisch. Beim dritten mal ist der Funke übergesprungen. Die ruhigen Sachen sind mir leider doch etwas zu ruhig aber “Forgiveness“ ,“Salvation“, “ Life is a Fear“ und “Our Love “ sind definitiv meine Highlights! Der Kauf lohnt sich.