Deichkind Albumcover ©SultanGüntherMusik

Die größte Angst der Deichkinder, als sie in dieser Woche erfuhren, dass sie mit diesem Album erstmals auf die Nummer 1 der deutschen Charts gegangen sind? „Hauptsache wir werden nicht mit irgend’ner Lebenswerkkacke genervt jetzt!“ Das wäre aber auch verfrüht, schließlich steht das Hamburger Powerkollektiv gerade auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Der sesamstraßige Albumtitel verheißt zwar Kindergeburtstag, doch wer Deichkind etwas besser kennt oder einfach nur in der Lage ist genauer auf die Texte zu achten, weiß, dass Porky, Kryptik Joe und Ferris Hilton (so die aktuelle Besetzung, dazu kommt hier und da noch das eine oder andere Helferlein) in der Lage sind, ganz genau und pointiert die Finger, ach was, die ganze Faust in die Wunden unserer Gesellschaft zu legen.

So befindet man sich nach der Eröffnung mit der klassischen und mit vollem Synthiebumms abgelieferten „Wir sind wieder da und haben die dicke Hose an“-Nummer „So’ne Musik“ schnell auf einem Trip durch die Abgründe der medialen Welten. Und während man mit Kopf, Beinen und anderen Körperteilen wippt, bekommt man so einige Wahrheiten eingetrichtert und jede Menge Slogans für die nächsten 20 T-Shirt-Bedruckungen dazu.

Also, lieber sozialer Netzwerkjunkie: „Like mich am Arsch“! Von vorne bis hinten (Beispiel? „Sascha Lobo my ass, Peter Lustig ich komme!“) unterschreibenswürdig. Wobei: „Über Meinung lässt sich generell streiten. Wie viel Petitionen soll ich denn noch unterschreiben?“ Deichkind schaffen es, innerhalb von drei Tracks eine Werbeweltsatire („Powered By Emotion“), ein fast kitschiges Synthie-Liebesliedchen („Porzellan und Elefanten“) und einen lässig wummernden Disstrack („Was habt ihr?“, spätestens damit ist nun auch das jüngste Bandmitglied Ferris doch noch richtig cool geworden) hinzuklotzen.

Und zwischendurch fällt immer wieder ein Ohrwurm ab. Wie das entspannte „Der Flohmarkt ruft“, dem als Kontrast der aggressive Süßkramdrogenkracher „Naschfuchs“ folgt, der den guten, alten inneren Schweinehund perfekt auf den Punkt bringt: „Ich könnte anders leben… [seufzt] Disziplin.“ Später gibt es erst den Titeltrack zur Saufparty und dann den Drang zur entschleunigten Gedrängeflucht („Hauptsache nichts mit Menschen“), bevor zum Finale nach zwei Minuten Holländerdisco der Oma die Handtasche fehlt und der Strom abgedreht wird.

Derbe gut, und zwar sehr wohl mit Niveau! Und auf der anstehenden Tour wird diese komische Band mit den leuchtenden Pyramiden wieder alles auf den Kopf stellen. Garantiert! Und immer beachten: „Denken Sie Groß“!

Die depechemode.de-Wertung: 8,5 von 10

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P.S. Die Tourdaten:
08.04.15 Lingen – EmslandArena
09.04.15 Münster – Halle Münsterland
10.04.15 Düsseldorf – Mitsubishi Electric Hall
11.04.15 Dortmund – Westfalenhalle
13.04.15 Saarbrücken – Saarlandhalle
14.04.15 Hannover – Swiss Life hall
15.04.15 Karlsruhe – Schwarzwaldhalle
16.04.15 Neu-Ulm – Ratiopharm Arena
18.04.15 Frankfurt – Jahrhunderthalle
19.04.15 Freiburg – Zäpfle Club in der Rothaus Arena
21.04.15 Augsburg – Kongress Park
25.04.15 Würzburg – S. Oliver Arena
26.04.15 München – Zenith
28.04.15 Berlin – Max-Schmeling-Halle
29.04.15 Flensburg – Flens-Arena
30.04.15 Aurich – Sparkassen-Arena
01.05.15 Hamburg – O2 World

P.P.S. Der gestern erschienen März-Ausgabe des Musikexpress liegt eine exklusive Deichkind-EP bei. Lohnt sich.

www.deichkind.de
www.facebook.com/Deichkind

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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