beton_awc-coverHände hoch und melden (aber nicht schnipsen!), wer diese Band noch auf dem Schirm hatte! Also nicht nur in guter Erinnerung, sondern in der Hinsicht, dass da noch mal was Neues kommen könnte. Und sogar ein Album, das Synthiepop-Fans wahrhaft begeistern dürfte.

Wir blenden noch einmal kurz zurück. Gegründet 1989 und seit fast dem allerersten Tag aus Stefan Netschio (Gesang und Texte), Stefan Tillmann (Musik und Elektronik) und Michael Wagner (noch mehr Elektronik) bestehend, erspielte man sich ab dem Debüt (vorherige Kassettenveröffentlichungen nicht eingerechnet) „Tybalt“ (1993) zunehmend Fans im Bereich dunklen, melodiösen, ab und zu auch mal EBM-verzierten Synthiepops und erreichte 1996 mit „Nightfall“ einen frühen Karrierehöhepunkt, den man anschließend durchaus noch bestätigen konnte, doch nach Auslauf des Plattenvertrages war 2000 erst mal Schluss (von einem Remixprojekt abgesehen).

Man orientierte sich schließlich neu und begann, über die Jahre am – aus Bandsicht – perfekten Album zu feilen. So etwas dauert bekanntlich, und Perfektionisten sind selten Schnellveröffentlicher. Doch als man sich dann irgendwann mit Szenelegende Olaf Wollschläger am Produzentenpult verstärkte, nahm das Gestalt an, was nun selbstbewusst die lange Pause wertig kompensieren soll.

Und das tut es. Der Rezensent, zwar alter Synthiepopper, aber den Sachen sehr kritisch gegenüber eingestellt, die in diesem Bereich so in den letzten 15 Jahren erschienen, konnte sich so manches erfreute Grinsen nicht verkneifen. Das hier ist ein gelungenes Wiedersehen mit guten Bekannten.

Schon nach kurzer Zeit und spätestens beim fast rockigen Refrain des Openers „Daisy Cutter“ oder dem darauf folgenden, hymnenhaften „I Believe“ fragt man sich: Klang der Stefan Netschio eigentlich schon immer wie Marcus Meyn? Hört man zur Überprüfung in die alten Sachen rein, muss man zugeben: Durchaus, aber die Ähnlichkeiten sind größer geworden. Hinzu kommt, dass auch das Soundbild vergleichbar ist. Das gibt ein paar Punktabzüge in der Originalitäts-Note, aber das große Plus im Jahr 2015 ist: Das neue Album von Beborn Beton ist besser als jenes von Camouflage (und das war ja auch gar nicht so übel, vom Heppnerbesuch mal abgesehen).

Das liegt daran, dass die Stücke hier mehr Zug zum Tor haben, wie wir Hobbilöws ja gerne phrasendreschen. Bei knackigen Stücken wie „24/7 Mystery“, „Anorexic World“ oder dem deutschsprachigen Beitrag „Was immer“ erkennt man zudem die Erfahrung und Klasse von Wollschlägers Produktion (und weitere Artverwandte wie Zynic oder Melotron minus deren jüngere Schlagerhaftigkeiten).

Neben Ohrwürmern wie „She Cried“ oder „Last Day On Earth“ bekommen die Betonköpfe auch die komplexeren oder atmosphärischeren Stücke hin, was in der Mitte der Titelsong oder der feine Abschluss „Who Watches The Watchmen“ beweisen. Und sie begnügen sich mit zehn auf den Punkt gebrachten Tracks (vom Bonusremixmaterial der Deluxe-Version mal abgesehen). All das macht dieses Comeback zu einer rundum gelungenen Sache (die sich auch ein bisschen bezahlt macht, wie man am hartnäckigen Verweilen an der Spitze der DAC-Charts sehen kann).

Die depechemode.de-Wertung:
8 / 10

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Letzte Aktualisierung: 19.10.2015 (c) depechemode.de

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. C.B.
    1
    19.10.2015 - 22:20 Uhr

    Hab das album jetzt paar mal durchgehört…
    es fehlen mir die Höhepunkte, keine wirklich neue kantige oder schön schmutzige außergewöhnliche Sounds,klingt mir alles zu harmlos und zu seicht , die songs plätschern so der Reihe nach vor sich hin und bei Deutsch sprachigen Gesang krieg ich die Krise – sodass ich jenen Song gleich weiter geskippt habe.
    Es ist perfekt produziert – aber das reicht mir in diesem Fall nicht – ich höre nicht wirklich neuen inspirierenden Synthpop – gibt es in dieser Form schon in zig Varianten. Mir fehlen ganz ein fach die düsteren Sound und Gesangselemente . Die breite Masse dürfte damit zufrieden sein, weil sich dieses Album einfach an bereits vorhandene Sachen anschliesst, die immer gut gehen…