mutelogo2Zu unserem 100. Artikel aus der bunten, weiten Welt der Querbeats muss natürlich etwas Besonderes her. Also haben wir uns durch die Veröffentlichungen unseres Lieblingslabels gehört und alles, was in den letzten Monaten nicht bereits hier besprochen wurde, versammelt. Mit Ben Frost, Maps, Plastikman, Swans, Cold Specks und Arca.

frost_auroraDa gab es zum Beispiel gleich im Frühling ein neues Album von Ben Frost. Auf „A U R O R A“ lässt der gebürtige Australier sämtliche, auf vorangegangenen Platten verwendeten, organischen Instrumente weg und öffnet dem von irren Synthesizern und metallischen Drumsounds angetriebenen Wahnsinn Tür und Tor. Maschinenmusik, die mit Pop nicht viel am Hut hat. Es ist ein dauerndes Kratzen, Knistern, Schaben und Wummern. Bei den ersten drei bis acht Hördurchläufen eine echte Herausforderung. Wenn man sich dieser jedoch stellt, kann man erleben, wie man plötzlich doch das Schöne unter all dem Drohen sieht. P.S. Am 05.12. ist als Ergänzung die „Variant“-EP erschienen, die fünf neue Remixe von Künstlern wie Evian Christ oder Regis bietet.





maps_realignedJames Chapman alias Maps hat in diesem Jahr groß in die Remix- und Re-Release-Schatulle gegriffen. Da wäre vor allem „Realigned“ zu nennen, ein echtes Remix-Album, auf dem Maps-Stücke aus allen bisherigen Schaffensphasen neu interpretiert werden, was dank Künstlern wie M83, Oliver Huntemann oder Andy Stott zu einer angenehm abwechslungsreichen Sache gerät. Obendrein gibt es Neuauflagen aller Maps-Studioalben in digitaler Version, vollgepackt mit bisher unveröffentlichten Stücken, Demos und Remixen, dabei sind u.a. Bomb The Bass oder A Place To Bury Strangers vertreten.





Plastikman_-_EX_COVERVon Richie Hawtin gab es in diesem Jahr nach diversen Werkschauen endlich neues Material als Plastikman. Allerdings hat der Künstler wieder mal eigene Wege gewählt um sein neues Album „EX“ aufzunehmen. Das geschah nämlich im Rahmen einer Charity-Veranstaltung des New Yorker Guggenheim Museums ebendort und live. Also live in dem Sinne, dass Hawtin sich vorher intensiv im Studio eingesperrt und Tracks erarbeitet hat, die er dann vor Ort mit all seinen Gerätschaften und im Lichte eines speziellen LED-Obelisken aufführte. Heraus kam letztendlich ein recht typisches Plastikman-Werk, das die große Klasse des Künstlers mit federweich dahin und ineinander fließenden Sounds unterstreicht.





swans_kindEin Volltreffer gelang Mute mit der Verpflichtung der Postpunk-Legenden Swans. Die haben dann auch gleich zum 30-jährigen Bandbestehen ein zweistündiges Mammutwerk namens „To Be Kind“ auf die Menschheit losgelassen. Zwei Stunden für zehn Tracks, wohlgemerkt. Aber was da auch los ist! Mastermind Michael Gira und seine Mitstreiter wühlen sich, unterstützt von Gästen wie St. Vincent, Little Annie oder Cold Specks, durch die Eingeweide des Hörers. Da stehen virtuose Lärmausbrüche direkt neben urplötzlich auftauchenden Melodieschönheiten, man wird ständig – und gerne mehrfach innerhalb ein- und desselben Stückes – von neuen Songelementen überrascht. Ein Album, das mancher Kritiker am bevorstehenden Jahresende weit vorn einsortieren wird. P.S. Der Track „Oxygen“ wurde kürzlich für die gleichnamige EP von keinem Geringeren als Daniel Miller von den ursprünglichen acht auf knackige drei Minuten heiligen Lärms konzentriert.





specks_neuroWo wir gerade Cold Specks erwähnten: Auch hier gab es 2014 Neues, nämlich das zweite Album „Neuroplasticity“ (an dessen Abmischung übrigens Ben Hillier beteiligt war). Und man ist sofort wieder hingerissen von dieser großartigen Stimme, mit der Sängerin Al Spx den Songs jede Menge Soul verpasst. Außerdem lebt das Album von seinem warmen Klangbild, das wie selbstverständlich Gitarren, verschiedenste Bläser, Schlaggerätschaften, Orgeln und diverse Synthesizer integriert, ohne dass auch nur ein Song überladen wirkt. Ein gefühlvolles, intensives und wiederholtes Hören belohnendes Werk.





Arca_Xen_PackshotWir haben mit verstörender Elektronik begonnen, also schließen wir den Reigen auch mit solcher. Alejandro Ghersi aus Venezuela ist erst 24 Jahre alt und hat bereits für Kanye West und die in diesem Jahr durch die Decke gegangene FKA Twigs gearbeitet. Außerdem ist er aber auch als Arca unterwegs und nimmt den Hörer auf „Xen“ mit auf eine Reise durch ziemlich außerirdisch klingende Soundwelten. Man weiß hier bei den 15 Tracks in gerade mal knapp 40 Minuten nie, was als Nächstes geschehen wird. Bollern einem Industrial-Sounds um die Ohren, wirbeln zerhackte Synthies die Synapsen durcheinander, taumeln aufgescheuchte Streicher durch den Raum oder schält sich doch einmal fast eine Melodie aus dem Wahnsinn? Faszinierend, jedenfalls.






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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. mutebaby
    4
    9.1.2015 - 17:58 Uhr

    btw

    unsere lieben iNSPIRAL cARPETS haben auch noch etwas neues veröffentlicht.. weiß der geier, warum nicht auf mUTE

    frohes 2015

  2. 23.12.2014 - 18:02 Uhr

    kann es

    nicht lassen

    gesegnetes Fest!

  3. Babsi Bridgehouse
    2
    13.12.2014 - 10:13 Uhr

    Zola Jesus

    Danke für den Maps-Remix-Hinweis.
    Kleine Notitz dazu:
    Auch auf Mute und eine prima Sache, sich diese Stimme ins Boot geholt zu haben: Zola Jesus – Taiga, 03. Oktober 2014.
    Zweites Lied dieses Albums erschien als „Dangerous Days Remixes“ – und gemixt hat’s Maps.

  4. sdfhjkl
    1
    12.12.2014 - 9:36 Uhr