And now mal wieder zu something completely different. Die folgenden drei Scheiben entziehen sich zumindest streckenweise üblichen Beschreibungen. Da hätten wir eine wüste Mischung aus Rave, Electro und mehr, natürlich aus England. Dann haben auch die Finnen zwischen modernen Electrosounds die Rückkehr der 90er Jahre entdeckt. Und schließlich kommt noch eine verrückte Human Beatbox vorbei.

Does It Offend You, Yeah? – Don’t Say We Didn’t Warn You

Die muss man vielleicht einmal live gesehen haben, um den Wahnsinn, den diese seltsamen Briten entfesseln, zu kapieren. Auf der Bühne entwickelt sich das Ganze meist zu einem schweißtreibenden Rave, der keinen kalt lässt.

Aber auch auf ihrem zweiten Album bekommen sie das nun halbwegs passend herüber. Schon nach einer knappen Minute, in der der Opener „We Are The Dead“ sich von der melodischen Antäuschung zur Sirenenparty wandelt, ist klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Irgendwo zwischen The Prodigy, Justice und einem tanzenden Reißwolf scheppern die Tracks über den zunächst womöglich überforderten Hörer hinweg. Doch Geduld lohnt sich, dann macht das Album irgendwann richtig Spaß.

Ob es nun die Rave-Party-Kracher wie „Yeah“ oder „Wrestler“ sind, die gewagte halbe Massive-Attack-Coverversion „Wondering“ oder ob man sich von den etwas besinnlicheren Stücken wie „Wrong Time Wrong Planet“ und „Broken Arms“ überraschen lässt: Hier ist eine Menge zu entdecken.

Le Corps Mince De Francoise – Love And Nature

Erstmal durchatmen. Hiermit geht das ganz gut. Nee, das sind übrigens keine Franzosen. Sondern Finnen. Vielmehr zwei Finninnen (Klingt komisch, oder?) namens Emma und Mia Kemppainen. Diese beiden jungen Damen haben mit einiger Elektronik und weiterem Geklingel featuring a little bit of Eurodance eine Menge Spaß.

Ja, der Eurodance kommt auch wieder, das macht so einigen Menschen sicherlich nicht zu Unrecht Angst. So lange das aber so charmant wie hier in den Sound integriert wird, kann man sich das auch unterhalb von zwei Promille gut antun. Denn man schafft es, die alten Anspielungen mit modernen Sounds zwischen Robyn und M.I.A. zu verbinden. Dazu finden sie immer wieder einen Dreh, um den eingängigen Songs ein eigenes Merkmal zu verpassen.

Man höre also stets leicht angeschrägte Hitanwärter wie „Gandhi“, „Hard Smile“ oder „We Are Cannibals“, bilde sich sein eigenes Urteil und hole dann gefälligst die Knicklichter aus dem Partykeller.

Beardyman – I Done A Album

Eieiei, und nun wird es wirklich eigenartig. Da ist ein Typ, der in Großbritannien schon einige der größten Festivals (Reading, Leeds und natürlich Glastonbury) in unkontrolliert tobende Massen verwandelt hat. Beardyman (mittlerweile eher un-beardy) aus Brighton, eine Einmann-Beatbox, die live ein Drum’n’Bass-Rave-Gewitter mit bloßem Mund entfachen kann. Man suche einmal nach seiner unfassbaren Version von „Blue Monday“. Wow!

Wie funktioniert das denn nun auf Tonkonserve? Nun, das lässt sich vielleicht wie eine Art durchgeknalltes Radio-Hörspiel beschreiben. Soundschnipsel auf Soundschnipsel, irre Beats, bei denen man nie genau weiß, wo die nun wieder herkommen. Zwischen kurzen und lustigen Skits (Wer möchte nicht hören, wie Justin Bieber von wilden Hunden zerrissen wird?) und seltsamen Charakteren finden sich aber auch einige sehr hörbare Tracks, zwischen Breakbeats, tanzbarem Electro, tiefem Drum’n’Bass, doch sogar Zigeunermusik und andere Eigentümlichkeiten tauchen auf.

Beardyman ist insgesamt zwar definitiv eher live zu empfehlen (in Kürze hier: 18.05. Heidelberg, 19.05. Darmstadt, 21.05 Berlin), aber auch das Album ist eine recht erfreuliche Erfahrung.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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