placebo_loudDer September platzte in diesem Jahr (mal wieder) aus allen Veröffentlichungsnähten. Dementsprechend war es auch gar kein Problem, unsere Sammelrubrik voll zu bekommen. Mit Glasvegas, Summer Camp, The Field, Nightmares On Wax, Caged Animals, Mark Lanegan, Cloud Control und Placebo.

glasvegas_tvWir starten gleich mal so richtig schwermütig. Glasvegas, die schottischen Dramarocker um James Allan, diese am schwersten und akustisch unverständlichsten leidendste Stimme nördlich von, na sagen wir mal, Wuppertal, drücken auch auf ihrem dritten Album, „Later… When The TV Turns To Static“, mächtig auf die Tränendrüse. Inhaltlich (soweit nicht kryptisch oder vernuschelt), vor allem aber musikalisch. Diese Gitarrenwände, dieser Hall, diese Emotionssschwälle im Gesang! Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal mittlerweile. Dass ein wenig Abwechslung schon sein dürfte und die Songs die Klasse des Debüts erneut nicht erreichen, ist allerdings auch Tatsache. Trotzdem schön für neblige Tage.

summer_campBeim ersten Album von Summer Camp dachten wir noch, wir wären in einem Film von John Hughes gelandet. Doch Elizabeth Sankey und Jeremy Warmsley haben den Mut, sich für den schlicht „Summer Camp“ betitelten Nachfolger zu einem ordentlichen Teil neu zu erfinden. Da sind plötzlich saftige Beats statt sonniger Sommerpopmelodien. Man hat sich, unterstützt von Produzent Stephen Street, von den unbeschwerten 80ern zu den 90ern vorgearbeitet und den Songs mehr Vielseitigkeit verordnet. Das geht hier und da auf Kosten der Leichtigkeit, auch ist der Gesang vereinzelt etwas zu stark in den Vordergrund gerückt worden, aber in vielen anderen Fällen gelingen dem Duo dafür hervorragende (Immer-noch-Pop-)Songs. Diese Band hält sich interessant.

field_cupidAxel Willner hat es als The Field geschafft, seine ganz eigene Interpretation von Techno zu leisten. Das vierte Album „Cupid’s Head“ hat er wieder ganz allein aufgenommen und es gibt hier und da Veränderungen, beginnend beim Cover, das erstmals nicht schwarze Schrift auf beigem Grund bietet, sondern… Schwarz auf Schwarz. Düsternis überall? Nein, es ist immer noch diese gewisse Wärme vorhanden in den langen Tracks (sechs Stücke in 54 Minuten!) des Schweden. Aber seine anderen Projekte (Loops Of The Heart, Black Fog) haben Spuren im Sound hinterlassen. Viele repetitive Loops und hypnotisierende Soundschleifen. Man kann sich hier so richtig schön einlullen lassen und auf elektronischen Wolken davonschweben.

nightmares_goodGeorge Evelyn hat die letzten Jahre in der Sonne Ibizas verbracht. Man kann durchaus behaupten, dass das der Musik seiner Nightmares On Wax auch anzuhören ist. Schon der Albumtitel deutet ja wenig subtil darauf hin: „Feelin‘ Good“. Da sitzt der Mann also im schönen Wetter herum, zieht sich hin und wieder etwas Rauchware rein und entspannt vor sich hin. Zwischendurch wird immer mal wieder ein Track aufgenommen, dank der lebendigen Clubszene der Insel bleibt man auch am Puls der Zeit. Für mehr Tiefe im Sound sorgen zusätzlich Gäste an Drums, Percussions, Bass und Streichern. So einfach kann es manchmal sein, ein gelungen chilliges Album zu erschaffen.

caged_giantsJetzt will der Leser aber schon mal irgendwas mit Synthiepop! Na gut, das hier geht zumindest in die Richtung. Vincent Cacchione war früher mit Soft Black eher Folkrocker, hat sich aber mit seiner Folgeband Caged Animals der elektronischen Popmusik verschrieben. Auf deren neuem Album „In The Land Of Giants“ beschäftigt sich das Quartett mit wichtigen Themenkomplexen wie Familie und Hoffnung (sowie dem oft unvermeidlichen Glauben), die Sounds dazu sind allerdings täuschend leicht und fluffig. Klingelnde Elektronik, weicher Gesang, ab und an ein paar flottere Beats dazu. Das ist alles gefällig, wenn auch nicht völlig vom Baum schubsend.

lanegan_imitationsMark Lanegan dürfte hier einigen ein Begriff sein, schließlich hat er als damaliger Vorsänger der Soulsavers schon Depeche Mode supportet. Der Mann mit der großartigen Stimme ist auf vielen Hochzeiten (und Beerdigungen) unterwegs, dieses Mal hat er sich ausschließlich an Coverversionen gemacht und huldigt auf „Imitations“ den Helden der Zeit seines Aufwachsens. Dank minimaler akustischer Begleitung und natürlich dank dieser unvergleichlichen Stimme gelingt das perfekt, seien es nun Nancy (Bond-Song „You Only Live Twice“) oder Frank Sinatra, John Cale, Nick Cave oder gar Kurt Weill („Mack The Knife“ alias Mackie Messer), deren Originale in neuer Nacktheit zitternd erstrahlen.

cloud_dreamDann hätten wir noch eines jener Alben im Angebot, die man erst einmal nirgends so richtig einordnen kann und die im ersten Durchlauf eher unauffällig erscheinen. Das wäre bei „Dream Cave“, der zweiten Platte von Cloud Control, aber schade. Man würde etwas verpassen. Die Australier haben ihren psychedelischen Pop nach London verlegt und ihm so etwas europäischen Großstadtschmutz verpasst. Aber trotz der gelegentlich dazwischen kratzenden Elemente (hier eine etwas lautere Gitarre, da ein etwas schrägerer Soundeffekt) bleibt ihre Musik eher auf der euphorischen Seite und ist angenehm entspannt. Zwischen altmodischen Klängen der 50er und 60er, poppigen 80ern und modernen Anflügen gibt es viel zu entdecken.

placebo_loudUnd dann war da ja noch die neue Placebo-Platte. Mit dieser Band verbindet man viele schöne Momente, sie hat uns großartige Alben geschenkt und mit fantastischen Konzerten begeistert. Doch in den letzten sieben dieser 17 Jahre ist so ein wenig die kreative Luft dünn geworden bei Molko & Co.. Das ändert auch „Loud Like Love“ nicht wirklich. Die Songs sind beileibe nicht schlecht, manche sogar richtig gut, aber nur selten noch bereiten sie Gänsehaut wie einst. Außerdem wiederholt man sich mittlerweile echt zu oft – und der Anspruch ist bei so einer Band nun mal höher. Ist das noch mehr als nur Dienst nach Vorschrift? Schwer zu sagen, wir werden das im Herbst mal bei den Konzerten beobachten. Bis dahin bescheinigen wir immerhin einen leichten Aufwärtstrend im Vergleich zum Vorgänger.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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