paskal_luxDer November war wie gewohnt der letzte veröffentlichungsstarke Monat des Jahres. Danach trudeln ja nur noch die Geschichten fürs Weihnachtsgeschäft ein (Best Of, Re-Release etc.). Doch vorher ging es noch rund. Mit PET, Blood Orange, Pick A Piper, The Sounds, Sébastien Tellier, Paskal & Urban Absolutes, Vex Ruffin und Suns Of Thyme.

pet_lifeFangen wir gleich mal schön dynamisch an: Mit PET, dem in Berlin gegründeten Künstlerkollektiv um Andre Abshagen und Monika Martin. Seit 2004 aktiv, haben sie sich mit ihren ersten beiden Alben vor allem auf der britischen Insel einen Namen gemacht. Mit „Imitation Of Life“ sind sie nun zum Sextett angewachsen und vermischen weiterhin selbstbewusst Krautrock, Glam, Electropop und eine Spur Post Punk. Die Songs breiten sich in viele Richtungen aus, entwickeln sich mitunter recht überraschend und doch passt fast alles trotz der unterschiedlichen (und gar nicht mal so markanten) Stimmen und Sounds zueinander. Weiteres Plus: Ein paar wirklich herausragende Songs.

blood_cupidMit Künstlern wie Twin Shadow, Kindness oder Destroyer hat sich der Softpop der 80er Jahre ja in den letzten Jahren wieder nach vorne gespielt. In modernisierter Ausführung zwar, aber doch mit guten, alten Keyboards, sanft geschwungenen Melodielinien und mitunter sogar dem gemeinen Saxofon. Dev Hynes, der sich nach Test Icicles und Lightspeed Champion nun zum zweiten Mal Blood Orange nennt, kann so etwas auch und hat diesen Stil auf „Cupid Deluxe“ perfektioniert. Mit allem Pi, Pa und Po und noch stärkerem R’n’B-Einschlag als woanders. Inklusive eines Gastauftrittes von Solange, der talentierteren Schwester von Beyoncé. Und mit ein paar verdammt guten Hits!

pick_piperKeine Rezension des Albums von Pick A Piper (Albumtitel gleichlautend) kommt ohne Nennung der Hauptband von Brad Weber aus. Der Mann ist nämlich Schlagzeuger von Caribou. Doch zusammen mit Angus Fraser und Dan Roberts hat er seit 2008 auch noch diese Band, und die ist streckenweise gar nicht so weit vom mittlerweile großen Bruder oder auch vom artverwandten Yeasayer entfernt. Die Synthieflächen und elektronischen Bässe gehen zum Beispiel ganz ähnliche Wege, die Stücke wollen (und müssen) sich oft nicht zwischen Song und Track unterscheiden. Das heißt, vieles ist sehr angenehm tanzbar, manches richtig poppig und anderes wiederum eher experimentell, wo auch vor ausfransenden Abschweifungen und Flötentönen nicht angehalten wird. Beachtenswert.

sounds_weekendAch ja, The Sounds. Die Schwedenjungs um die vor allem bei Auftritten stets alle Aufmerksamkeit auf sich ziehende Maja Ivarsson sind jetzt auch schon über ein Jahrzehnt dabei und veröffentlichungstechnisch weiterhin fleißig. „Weekend“ ist Studioalbum Nummer Fünf – und darauf gibt es nicht viel Neues zu vermelden. Na gut, die Band redet von einem Schritt ‚back to the basics‘, aber machen wir uns mal nix vor: Auch wenn hier wieder ein paar weniger Synthies als zuletzt drauf sind, und die Songs den Anschein erwecken, direkter nach vorn zu gehen, The Sounds klingen letztlich wie sie immer klingen. Dynamischer Powerpop ohne viel Ecken und Kanten, leicht verdaulich, aber auch ohne große Tiefe. Live dafür wie immer eine Bank.

tellier_confectionEiner, bei dem man hingegen nie weiß, was man bekommt, ist Sébastien Tellier. Letztes Jahr rief er noch eine Religion um einen blauen Gott aus und tanzte mit dicken Synthiesounds durch die Disco. Für „Confection“ stand ihm der Sinn jedoch wieder ganz anders. Filmmusik zu einem Film, der noch gar nicht exisitiert, soll das sein. Was es durchaus trifft, aber einfacher macht es das Hören und Verstehen auch nicht. Viele der 14 Stücke sind instrumental und auch äußerst kurz an der Zweiminutengrenze gehalten. Streicher, Drums (Tony Allen!), etwas Elektronik. Französisches Kino der 70er. Mit Weichzeichner, einigem Leerlauf und (nur) gelegentlichen Höhepunkten. Gerne auch nackt.

paskal_luxNeues vom Sonar Kollektiv, also aus dem Alex Barck/Jazzanova-Umfeld. Hier nennen sich zwei Herren Paskal & Urban Absolutes (wo sie doch eigentlich Alexander Kastner und Adrian Hoffmann heißen, tsts) und fügen der Schublade ‚Für Couch und Club geeignet‘ mit „Lux“ einen überzeugenden Neueintrag hinzu. Entspannte Elektronik, bei der aber durchaus auch mal die Bässe Druck machen dürfen, eine gute Mischung aus House und Pop. Und, sicher auch dank der vielen Gaststimmen, an vielen Stellen einfach mitreißender als so manch andere Sonar-Platte (wo manchmal dann doch Stil über Substanz siegt).

vex_ruffinMan sollte sich nicht von dem putzigen Knetmassetierchen auf dem Cover des (nach dem Künstler benannten) Debüts von Vex Ruffin irritieren lassen. So fröhlich geht das hier nämlich längst nicht zur Sache. Zur Musik des Philippino-Amerikaners sei nur eine Koordinate genannt: Suicide. Also nicht die Tat, sondern die Band. Okay, Cabaret Voltaire passen auch ganz gut. Minimalistisches Soundgewand, ein Sampler knattert vor sich hin, ein junger Mann nörgelt seine Geschichten drüber. Doch die hoppelnden Beats und die karge Elektronik versprühen letzlich eben doch ihren leicht rostigen Reiz.

thyme_fortuneSchon das Albumcover von „Fortune, Shelter, Love And Cure“, dem Debütalbum der vier Berliner Suns Of Thyme, ist ein psychedelischer Hingucker. Und psychedelisch ist auch einiges am Sound, kaum zu glauben, dass die vier Burschen erst um die 20 sein sollen. Zum Glück gibt es hier kein zielloses Gejamme, sondern richtige Songs, die oft detailfreudig und auf den Punkt komponiert wirken. Da kommen einem auch hier und da (mal wieder) Joy Division und/oder Interpol in den Sinn, was auch am Gesang liegen dürfte. Dazu gesellen sich ein gehöriger Shoegaze-Einfluss und ein bisschen Krautrock. Noch nicht an allen Stellen durchschlagend gut, aber insgesamt schon ziemlich überzeugend.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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