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Auch im März riss die Menge an Veröffentlichungen nicht ab, hier kommt unser Kurzrundumservice: Mit Scuba, Ghostpoet, Grandbrothers, Balthazar, Hannah Cohen und We Are The City.

scuba_claustrophobiaPaul Rose, besser bekannt als Scuba, gehört(e) zur Speerspitze der Dubstep-Bewegung. Doch einzelne Stilrichtungen sind längst nicht mehr sein Ding, wie er mit „Claustrophobia“ bestens beweist. Da stehen House und Techno nebeneinander, und die Hauptsachen sind eine stimmige Atmosphäre und ein ordentlicher Rave, der prächtig stampft, aber zwischendurch auch mal fast ohne Beats funktioniert. Ein äußerst rundes Album, das naturgemäß gut in die Beine geht, dabei aber dank seiner durchdachten Tracks auch Kopf und Ohr zu beeindrucken vermag.

ghostpoet_skinVor knapp zwei Jahren veröffentlichte Obaro Ejimiwe sein zweites Album als Ghostpoet und war damit eher im Dubstep als im HipHop unterwegs. Mit „Shedding Skin“ tischt er uns nun erneut ein überraschendes und ganz anderes Menü auf, welches man nun gar nicht mehr einordnen kann. Ejimiwe sprechsingt mit seiner tiefen, brüchigen Stimme zu grundsätzlich recht düsteren Songs und einem Soundbild, das von TripHop (Tricky ist eine gute Referenz hier) über soulige Momente und elektronische Phasen bis hin zu eingängigem Pop reicht. Dazu ergänzen die zahlreichen Gäste (u.a. Maximo Parks Paul Smith, Nadine Shah oder Melanie de Biasio) die beeindruckende Vielfalt.

GB_MT_Neue Runde_4.inddUnd hier kommt mal wieder der Beweis, was man so alles Wundervolles mit einem Klavier anstellen kann. Die Düsseldorfer Erol Sarp und Lukas Vogel nennen sich Grandbrothers und haben auf „Dilation“, man glaubt es beim Hören kaum, alle Klänge aus einem Konzertflügel herausgeholt, der dafür mit elektromechanischen Hämmerchen präpariert wurde (deren Sounds dann ins Laptop flossen). Und wie schon bei anderen Kollegen (Brandt Brauer Frick oder Hauschka z.B.) gelingt hier ein richtig elektronisch klingendes Werk, das keineswegs klassisch/verkopft, sondern vielmehr locker/poppig/tanzbar wirkt.

balthazar_wallsBeim dritten Album der Belgier von Balthazar können wir mal wieder geschickt eine Depeche-Mode-Referenz unterbringen, wurde „Thin Walls“ doch von Ben Hillier (zusammen mit Jason Cox) produziert. Das war’s dann aber mit den Ähnlichkeiten (obwohl, der Anfang von „Nightclub“ klingt doch verdächtig nach…), denn Balthazar sind auf dem Gebiet des guten, alten Indierock unterwegs, dem aber auch ab und zu ein Beat und vor allem die eine oder andere Geige nicht fremd ist. Und da die Band, die sich auch schon als Vorband der Editors einen Namen gemacht hat, ein Talent für eingängige Melodien hat, ist das Ergebnis eine angenehm entspannte und sehr sonnige Kurz-vor-Sommer-Platte geworden.

cohen_boyHannah Cohen wurde schon in Zusammenhang mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums mit Lana Del Rey verglichen. Obwohl das dort verwendete Singer-/Songwritertum das nicht nahelegte. Nun, auf „Pleasure Boy“ hat die 27-Jährige ihren Sound erheblich verändert – es gibt eine Band und so einiges an Synthesizer-Klängen – und jetzt sind die Ähnlichkeiten unverkennbar, sowohl stimmlich, als auch, weil beide sich in einem ähnlich schicken Retrostil präsentieren. Nicht alle der nur acht Songs sind dabei so richtig überzeugend, aber einige dafür wirklich gut. Und als Nächstes will sie gerüchteweise „richtigen“ Electropop machen, da sind wir dann gespannt.

watc_violentDas war ja mal wieder ein langer Anlauf für „Violent“, das Debütalbum der drei Herren von We Are The City. Bandgründung im Jahr 2008, Proben, Aufnehmen, Touren – und Filmdrehen. Der Film zum Album hat der Band aus Vancouver bereits Preise eingebracht, bevor das Album überhaupt draußen ist. Jenes erscheint 2013, braucht aber nochmal eine (halbe) Ewigkeit, bis jetzt nämlich, um bis nach Europa zu springen. Und ähnlich verschlungen sind auch die Songs. Raffinierte Percussion, verträumte Elektronik, zwirbelnde Gitarren. Könnte hier und da unkomplizierter (oder auch mal zwingender) sein, ist aber durchweg interessant.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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