bluehawaii_untogether

Was war das für ein Monat, dieser März 2013! Kein Sonnenstrahl, stattdessen Game of Thrones („Winter is coming“) for real. Nur ohne Drachen und mit weniger Gewalt (hoffentlich). Aber (größtenteils) schöne Musik gab’s ja trotzdem reichlich – wir bieten an: Brandt Brauer Frick, Blue Hawaii, Night Works, Crime & The City Solution, Justin Timberlake, Lapalux, Betting On The Mouse, Soukie & Windish, On An On und Jeans Team.

Die drei Herren von Brandt Brauer Frick haben in den letzten Jahren ganz schön für (internationales) Aufsehen gesorgt. Verknüpfung von E- und U-Musik, Techno mit klassischen Instrumenten und/oder umgekehrt. Jetzt ist das neue Album namens „Miami“ da, und von starren Konzepten hat man sich mehr und mehr gelöst. Es ist eher ein Bandalbum geworden, songorientierter und mit diversen Gästen (u.a. Jamie Lidell, Nina Kraviz und Gudrun Gut), stilistisch in verschiedenste Richtungen, von Techno über moderne Bassmusik und Minimal bis hin zu experimentellem Frickeltum. Zwar fehlt nun mitunter das klassische Element (oder entsprechende Instrumente), dafür fließt das Ganze insgesamt bestens zusammen.

Als nächstes hätten wie mal wieder einen echten Geheimtipp in petto: Blue Hawaii. Nix mit Elvis hier, nein, Raphaelle Standell-Preston und Alexander Cowan kommen aus Montreal und debütieren mit „Untogether“ im umkämpften Bereich der verträumten Elektronik. Kein Wunder, dass die schon mit Grimes auf Tour waren. In ihrer Musik knabbern wunderbar außerirdische Sounds am Trommelfell, dazu erklingt die fremdartig-schöne Stimme der Sängerin. Die Songs sind eigenwillig, durchaus mal experimentell und doch eingängig (siehe „Follow“ oder „Yours To Keep“), packen aber auch gern ein paar flottere Beats aus („In Two“) und verbreiten durchweg knisternde Atmosphäre. Hundreds-Fans, reinhören – und generell: TIPP!

Weil wir gerade so freundlich Geheimtipps verteilen: Gabriel Stebbings neues Projekt ist unbedingt auch einer. Der Mann verließ ja Metronomy kurz vor deren Durchbruch. Dumm gelaufen. Doch für seine Night Works braucht er sich bestimmt nicht zu schämen. Auf „Urban Heat Island“ gesellt er sich nämlich zu den Künstlern, die es schaffen, den Pop der 80er aufleben zu lassen, ohne dass es eklig oder billig klänge. Durchaus mit einem Faible für cheesy Sounds am Rande der Käsegrenze, aber eben auch einem Händchen für warme, analoge Synthesizer. Unsere persönlichen Greatest Hits auf diesem Album: „Modern European“, „Share The Weather“ und „Arp“ (sic!). Reinhören!

Dass die Post-Punk-Legenden Crime & The City Solution zurück sind, hatten wir ja bereits zum Erscheinen der Werkschau ihrer Berlin-Jahre berichtet. Doch nun gibt es, natürlich auch auf Mute, ein neues Album und es führt ihren Stil konsequent fort, als sei nichts gewesen. „American Twilight“ ist düster, wie sich das gehört und lärmt – unterstützt u.a. von Neubauten-Mitglied Alexander Hacke oder David E. Edwards (16 Horsepower) – auf seinen acht Stücken mitunter ordentlich daher. Es kann aber auch mal wüstenstaubig getragen zugehen oder eine edle Geige erklingen, und der große Artverwandte Nick Cave ist oft nicht weit weg. Was aber als eindeutiges Qualitätsmerkmal zu werten ist.

Bei Justin Timberlake müssen wir unbedingt auf seinen „Gastauftritt“ beim göttlichen Ulkbär hinweisen. Und nun Scherz beiseite, der Mann hat einfach mal Talent, sowohl als Musiker als auch als Schauspieler. Sein letztes Album, das enorm erfolgreiche „Futuresex/Lovesound“ ist jedoch schon fast sieben Jahre her, Zeit für neues Material. Für „The 20/20 Experience“ hat er wieder mit seinem alten Buddy Timbaland (von dem ja auch lange nichts Spannendes kam) zusammengearbeitet und zwölf detailverliebte Songs auf fast 80 Minuten Spieldauer gebastelt. Hoffentlich überfordern Tracklängen von über acht Minuten dabei nicht die Kernzielgruppe. Wäre schade, denn darunter sind so einige Perlen zu finden. Gelungen.

Das letzte Album von Flying Lotus wurde im vergangenen Jahr ja – trotz stark experimenteller Prägung – überall in höchsten Tönen gelobt. Auf dem gleichen Label erscheint nun ein britischer Bruder im Geiste, Stuart Howard alias Lapalux. Und dessen „Nostalchic“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. Ein wilder Ritt aus 1.000 Einflüssen. R’n’B, Hip Hop, sogar Jazz-Elemente, aber alles elektronisch grundiert und in einem eigentümlichen Flow. Avantgardistisch, hier und da anstrengend/fordernd und garantiert nichts für nebenher, aber in jedem Falle interessant.

Der Winter ist endlich weg (hoffen wir zumindest), aber wir schieben trotzdem schnell noch etwas Kühles nach: Betting On The Mouse, die Band um die Kopenhagenerin und neuerdings Wahl-Berlinerin Martha Marie Skou. Auf deren gleichnamigem internationalen Debüt schwelgt sich Skou mit warmer, einnehmender Stimme durch schlichte, oft melancholische Songs, organisch instrumentiert aber immer wieder durch elektronische Elemente ergänzt. Und mit „Paralyzed“, „One Lover“ oder „Hanging On“ gibt es wirklich schöne Songs. Einfach, aber gut. Trotzdem: Frühling! Jetzt!

Groovy. Nein, noch gibt es keinen neuen Austin-Powers-Film. Aber Groove, das ist es, was „A Forest“, das Debütalbum von Soukie & Windish hat. Das sind Nayan Soukie und Fritz „Windish“ Dyckerhoff aus Hamburg/Berlin, die schon länger als DJs auch gemeinsam aktiv sind. Auch auf Platte ist die Tanzfläche stets greif- und betanzbar, ihre Interpretation moderner Clubmusik hat (Deep) Techno und (Tech) House im Blut und immer einen Fuß auf dem Bass. Entspannt und locker, aber niemals einlullend und zudem erfreulicherweise noch recht melodiös. Man kann sich das gut einfach nur anhören. Man kann dazu aber auch tanzen gehen.

Noch etwas Dreampop gefällig? Geht doch eigentlich immer, oder? Dann hört doch bitte mal bei On An On aus Gotham, nee, Chicago rein! Das sind drei verbliebene Fünftel der Indie-Band Scattered Trees, die zwar immer noch Gitarren verwenden, sich nun aber auf „Give In“, ihrem ersten Album unter neuem Namen, verstärkt der Elektronik zuwenden. Mit „Ghosts“ spukt es auch gleich großartig los, generell punktet die Band vor allem mit markanten Percussions. Vielleicht trifft nicht jeder Song voll auf den Punkt, aber wenn, dann richtig – wie in „The Hunter“ oder „Panic“. Frisch und gut.

Zum Schluss ausnahmsweise mal eine Kaufwarnung. Aber was das Jeans Team, dem wir ja unter anderem herrliche Stücke wie „Keine Melodien“ oder „Berlin am Meer“ verdanken, sich auf „Das ist Alkomerz“ erlaubt, ist eine Frechheit. Wer das kauft, hat entweder den Witz verstanden und ist musikalisch schmerzbefreit (bzw. taub) oder er ist Ballermanndauerurlauber und hat ständig 3,8 Promille im Turm. Klar meinen die das bestimmt „irgendwie subversiv“, von wegen „das System unterwandern und von innen zerstören“ – und wenn ihnen Letzteres gelingt, hat diese Republik das mehr als verdient – aber trotzdem bleibt diese Platte im Kern nur eines: Unhörbare, nervtötende Folter für die Ohren und nicht wirklich lustig. Mahlzeit!

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. 17.4.2013 - 13:43 Uhr

    newcastle

    I am curious along with interested in what you will be talking about the following.

  2. alec
    1
    15.4.2013 - 20:03 Uhr

    Justin Timberlake

    H A L O !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! GEHT´S NOCH !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!