Olli_Schulz_FeelingAusDerAsche_Album_800Zeit für die erste Zusammenfassung. Was war da noch so los im Januar? Mit All We Are, Olli Schulz, Enter Shikari, Feine Sahne Fischfilet, Maximilian Hecker und H. Hawkline.

all_we_areEine Norwegerin, ein Ire und ein Brasilianer. Kennenlernen in Liverpool, Plattenaufnahmen in Norwegen, Wales und London. Viele schöne Fleckchen dieser Erde sind das, die sich da zu All We Are summieren. Das gleichnamige Debütalbum wird von der Band mal eben als Psychedelic Boogie bezeichnet. Whatever. In der Kategorie Dream Pop war es wohl schon zu voll, trotzdem gehören sie eher dazu. Entspannte Gitarren, lockere Synthies, abwechslungsreicher, gern zweistimmiger Frau-Mann-Gesang. Mal verträumt, mal groovy, gelegentlich mit Anklängen an die großen The XX und ab und zu auch mal mit sexy Disco. Sehr angenehm.

Olli_Schulz_FeelingAusDerAsche_Album_800Wer Olli Schulz bislang nur aus dem Fernsehen kennen sollte, hat etwas nachzuholen. Denn der sympathische Sprücheklopfer ist mit dem großartig betitelten „Feelings aus der Asche“ schon bei seinem sechsten Album angekommen. Und es könnte sein bislang bestes geworden sein, auf jeden Fall ist es das musikalisch ausformulierteste. Zum großen Teil sehr ernsthaft, mitunter gar düster und mit gewohnt starken Texten erzählt Schulz vom Verlieben, Sich-Trennen, von der Musik und vom Leben. Der Medienwahnsinn bekommt sein Fett nur kurz zwischendurch mit „Passt schon!“ weg. Dafür gibt es neben der klassischen Songwriterei auch Überraschungen wie den windschief durchs Piano spukenden „Boogieman“ oder das mit sattem Electrobeat pumpende „Das kann hässlich werden“. Feine Platte, man sieht sich im Frühjahr auf Tour (nunmehr in größeren Hallen)!

enter_mindApropos Künstler mit Haltung. Davon haben wir gleich noch zwei Fälle, aber mit mehr Krach. Die englischen Alles-durch-den-Wolf-Dreher von Enter Shikari haben ja schon bisher Hardcore, Trance, Dubstep und mehr verquirlt und sich dabei vor allem mit ihren energiegeladenen Liveshows zahlreiche Fans erspielt. Auf „The Mindsweep“ kommen nun noch Streicher dazu, aber auch erfreulich viele elektronische Parts sind weiterhin dabei. Und zwischen Gebrüll, Gerappe und Gesang – gerne mal im harmonischen Chor – blinzelt auch immer wieder der Pop durch. Wer dann noch auf die Texte achtet, stellt fest: Die haben was im Kopf und sind hellwache politische Geister. Mehr System Of A Down als Linkin Park also.

fsf_bleibenUnd jetzt mal (nur zu Abwechslung, nicht erschrecken!) richtiger Punkrock hier! Die lächerlicherweise verfassungsschutzbeobachteten Mecklenburger von Feine Sahne Fischfilet fragen sich – wie so viele Einwohner strukturschwacher Regionen – „Bleiben oder gehen“. Wofür sich die Band trotz aller in die Beine geworfenen Schlagstöcke entscheidet, dürfte klar sein. Inhaltlich wird weiter mutig gegen Borniertheit, Vorurteile, staatliche Beschränktheit und vor allem rechte Dummheit gekämpft. Musikalisch zeigt die Band sich auf ihrem vierten Album deutlich weiterentwickelt. Das rumpelt und bollert nicht nur, nein, hier stecken eine ganze Menge echte Ohrwürmer drin, die Gitarren- und Schlagzeugarbeit werden immer wieder durch elegant eingesetzte Bläser verfeinert. Ja, feine Sahne ist das!

hecker_cureZur Beruhigung etwas Maximilian Hecker. Der widmet sein achtes Album (und die dazugehörigen Kurzfilme) sogenannten Off-Broadway-Orten, also gänzlich unglamourösen Ecken wie Kastrup, vor den Toren Kopenhagens gelegen. Oder Hennigsdorf, post-industrielle Einsamkeit ein Stück weg von Berlin. Dazu ganz viel Asien – schließlich ist er dort seit Jahren am erfolgreichsten – und ein bisschen New York. Diese „Spellbound Scenes Of My Cure“ sind wieder typisch Hecker. Also einzelgängerisch, oft leidend, aber auch zerbrechlich schön. Je nach Ansicht und Tagesform darf man das dann eben langweilig oder herzerfreifend finden.

huw_pinkHuw Gwynfryn Evans. Mit so einem amtlichen Namen gibt es zwei klare Ansagen für einen Musiker. Erstens: Geil, ein Waliser! Zweitens: Ein Künstlername muss her! So nennt sich Huw also H. Hawkline und bezeichnet sein drittes Album „In The Pink Of Condition“ als sein eigentlich erstes. Mit Landsfrau und Freundin Cate Le Bon im sonnigen L.A. Aufgenommen, strahlt dem selbsternannten „Strange Pop“ die Sonne aus den psychedelischen Poren. Die Gitarren jangeln rostig durchs Studio, Huw singt mit leichter, aber charmanter Schräglage und wenn es mal droht zu altbacken in Richtung McCartney solo zu gehen, klimpert halt ein fröhliches Keyboard dazwischen.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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