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Auch der April ist erst abgeschlossen, wenn wir (und der Wettergott) es sagen. Also haben wir mal eben ein bisschen aufgeräumt und siehe da, es fanden sich noch folgende Platten im Schrank: Phoenix, Dead Can Dance, Simian Mobile Disco, Clockwork, Ofrin, Cold War Kids, Mick Harvey und Mire Kay. Achtung, versteckter Depeche-Mode-Coverlink!

Die stets adretten Franzosen von Phoenix haben seit dem Jahr 2000 so manchen jungen Menschen zum Strahlen gebracht, so manches Mädchenherz geschmolzen. Indiepop (mit ein wenig Rock) oder French House, immer glänzend, immer mit einer eingängigen Single (und auf Albumlänge der einen oder anderen Belanglosigkeit) im Ärmel. Das ist auf „Bankrupt!“ nicht anders, wobei die Trefferquote hier sehr hoch geraten ist und die Synthesizer sich dieses Mal stark in den Vordergrund spielen und die guten 80er hochleben lassen. Uns soll’s recht sein, denn hier finden sich ausreichend Argumente, um einen cocktailseligen Abend im kommenden Sommer passend zu untermalen.

Dead Can Dance haben im vergangenen Jahr mit „Anastasis“ ein erfolgreiches Comeback gefeiert, noch erfolgreicher war jedoch ihre Tour mit ratzfatz ausverkauften Hallen. Dies hatte zwei Dinge zur Folge: Erstens kommt die Band im Juni erneut auf Tour (09.06. Wien, 16.06. Dresden, 17.06. Berlin, 19.06. Hamburg, 21.06. Gelsenkirchen, 25.06. Frankfurt), dieses Mal sind sogar Open Airs dabei. Und zweitens hat man sich entschlossen, erstmals ein Livealbum herauszubringen. Und „In Concert“ fängt auf über 90 Minuten (für die wahren Fans ist natürlich vor allem die schicke Triple-Vinyl-Box zu empfehlen) die Magie einer DCD-Live-Messe so angemessen, wie es einer Konserve möglich ist, ein. Gerrard und Perry bleiben ein magisches Duo.

Wo wir gerade bei ungewöhnlichen Livealben sind: Auch Simian Mobile Disco haben nun eine Scheibe namens „Live“ draußen. Ende 2012 ließen James Ford und Jas Shaw ihren Auftritt in Philadelphia mitschneiden und diese 15 Tracks kommen nun eher wie ein Mixalbum daher. Kein Wunder, man hat die Zuschauergeräusche (größtenteils) entfernt und dafür die nahtlosen Trackübergänge dringelassen, ansonsten gab es allerdings keinerlei Nachbearbeitungen. Was bei dieser Form der elektronischen Musik auch die bessere Wahl ist, so kommt das Ganze wie ein echtes Set an und kann auch gerne am Stück im Club aufgelegt werden. Eine gute Werkschau durch alle bisherigen Phasen der Band, von „It’s The Beat“ und „Hustler“ über „Cruel Intentions“ bis hin zu „Seraphim“.

Wir bleiben im Club. Da, wo Berghain & Co. die Bässe rollen, da fühlen sich Francesco Leali und Federico Maccherone wohl. Als Clockwork lassen sie nach einigen vielbeachteten EPs nun mit „B.O.A.T.S. (Based On A True Story)“ ihr Debütalbum auf die Technogemeinde los. Die Bässe und Drumbeats massieren eigentlich fast zurückhaltend, aber doch nachhaltig und mit effektiver Wirkung. Drumherum stolpern währenddessen Sounds und Beats zwischen düster und fast eingängig, dass sich vor allem unter Kopfhörern eine wahre Soundpracht entfaltet. Und vereinzelt, insbesondere in den mit Vocals ergänzten Stücken „Running Searching“ und „This World Is Not Designed For Us“ kommt sogar der frühe Trentemøller ins Gedächtnis.

Zurück zu eher sphärischer Musik. Ofrin wird immer wieder als israelische Künstlerin bezeichnet, als Halb-Polin, Viertel-Tunesierin und Viertel-Deutsche (so die Künstlerin) stecken da aber eine Menge verschiedenster Kulturen drin, doch „The Bringer“ ist keineswegs ein Multikulti-Durcheinander geworden. Sondern ein einflussoffenes, sehr hörenswert fließendes Album mit elektronischen Wurzeln und einer wandlungsfähigen Sängerin. Da klingt mal Kate Bush durch, oft aber auch die Trip-Hop-Schule aus Bristol. Zwischen dramatisch getragen, elegisch verträumt und eingängig bis tanzbar ist diese hochinteressante Stunde Musik immer wieder für Überraschungen gut und daher: Empfehlenswert!

Jetzt aber mal was Bodenständiges. Die Cold War Kids standen ja schon immer mit den Füßen im Blues, hatten aber auch stets ein Händchen für schrägen Klaviereinsatz und eigenwillige Percussions. Das ist auf ihrem vierten Studioalbum „Dear Miss Lonelyhearts“ nicht anders. Da finden sich direkt ins Ohr drängende Indie-Singles wie „Miracle Mile“ oder „Jailbirds“, von der markanten Stimme Nathan Willetts vorangetrieben. Aber auch von Synthesizern gestützte Stücke wie „Lost That Easy“ oder „Loner Phase“ gibt es und auch nicht ganz so Leichtgängiges. Insgesamt präsentieren sich die Nicht-mehr-Kinder in sehr guter Form – und wenn DM-Fans mal eine gelungene „Condemnation“-Coverversion hören wollen, die gibt es hier.

Mick Harvey, früheres Mitglied von Nick Caves Bad Seeds und von The Crime & The City Solution, zuletzt als Co-Produzent von PJ Harvey gefeiert, hat ein Soloalbum über die Liebe aufgenommen. Auf „Four (Acts Of Love)“ lässt er sich in drei Akten und 14 Songs (die trotzdem nur knapp 36 Minuten benötigen) über das ewige Thema aus. Dabei sind Ähnlichkeiten zu früheren Bands sowie zu den von ihm produzierten Künstlern zu erkennen, darüber hinaus gibt es einige Coverversionen (u.a. von Van Morrisson und Roy Orbison), insgesamt geht es hier eher folkig und melancholisch zu. Ein ruhiges, in der richtigen Stimmung (allerdings nicht in jeder) sehr angenehmes Album.

Und wo wir schon mit kammermusikalischer Melancholie enden wollen, beschließen wir den Reigen doch mit den Schwedinnen Emelie Molin und Victoria Skoglund, die unter dem Namen Mire Kay ihr Debütalbum „A Rising Tide Lifts All Boats“ herausgebracht haben. In elf zurückhaltenden und gelegentlich doch zupackenden Songs bauen die beiden hier eine dunkle Atmosphäre auf, in der die akustische Begleitung von Klavier bis Cello neben den Stimmen der Protagonistinnen steht, diese ergänzt und umspielt. Dank der klaren Produktion findet jede minimalistische Note ihren Platz und so kann man die mystische Stimmung richtig genießen.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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