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Gestern hatten wir die erste Hälfte der unbedingt noch erwähnenswerten Platten besprochen, gleich heute reichen wir das Finale nach und lassen es ganz silvestergerecht ordentlich krachen. Mit Johnny Marr, Kraftklub, Phillip Boa And The Voodooclub, Collapse Under The Empire, INVSN und Linkin Park.

marr_playJohnny Marr ist ja schon lange nicht mehr nur „der Gitarrist von The Smiths“, denn er hat nach der Karriere mit jener legendären Band schon in zahlreichen Projekten mitgespielt. So gut beschäftigt war er, dass es bis zum Jahr 2013 dauerte, bis er sein Solodebüt „The Messenger“ aufnahm. Jenes kam jedoch so gut bei den Fans an und bescherte ihm ausverkaufte Hallen, dass er in 2014 gleich Album Nummer 2 nachschob. Und mit „Playland“ legt Marr qualitativ noch eine ganze Schippe drauf. Man spürt bei diesem muskulösen Album in jeder Faser das Selbstbewusstsein und die Spielfreude seines Schöpfers. Wunderbar eingängiger Indiepoprock mit den besten Songs von Marr, seit er sich mit einem gewissen Morrissey verkracht hat.

kraftklub_schwarzMeine Güte, was haben Kraftklub mit ihrem Debüt „Mit K“ im Jahr 2012 abgeräumt! Zackige Mitsinghymnen zwischen Indierock und Rapanleihen, die sich wild und voller Freude durch tausend musikalische Zitate spielten und die Jungs aus Gorlmorgschd verdient ganz an die Spitze der hiesigen Charts spülten. Und auf „In Schwarz“ geht es eben einfach so weiter, mit ein paar leichten Variationen (etwas mehr Feinschliff, etwas mehr Dunkelheit hier und da). Die Songs werden wieder jedes der immer mitreißenden Konzerte zum Fest machen. Hit folgt auf Hit, und die gewitzten Texte bieten die richtige Mischung aus Alltagsbeobachtungen, Ironie und (durchaus auch politischer) Haltung. Die gehören zu den (wenigen) Guten in diesem Land und bleiben garantiert noch länger groß.

boa_bleachPhillip Boa & The Voodooclub – eine Indie-Institution. Der alte Knurrhahn veröffentlicht ein gutes Album nach dem anderen, und sein treu ergebener Anhängerkreis freut sich und füllt die Konzerte. Nach dem starken und vergleichsweise eingängigen Vorgänger „Loyalty“ stand dem Meister der Sinn offensichtlich wieder mehr nach Rabatz und Revolte. Also poltert „Bleach House“ vom eröffnenden und bezeichnend benannten „Kill The Future“ an krachig drauflos und holt nur hin und wieder (wie beim bezaubernden „Standing Blinded On The Rooftops“) mal Luft. Größter Wermutstropfen: Pia Lund ist (mal wieder) nicht mehr dabei. Größtes Plus: Boa bleibt Boa, noch in der schmutzigsten Ecke findet der zwischen scheppernden Gitarren einen guten Song.

collapse_sacrificeStreng genommen hätten wir Collapse Under The Empire auch unter Elektronik statt unter Rock einordnen können. Aber ist das nicht letztlich egal? Wichtiger ist, dass die Hamburger Postrocker mit „Sacrifice & Isolation“ (das wir zur Veröffentlichung ja auch verlosen durften) ihr Doppelkonzeptalbum (Teil 1: „Shoulders & Giants“, 2011) vollendet haben und ihnen dies würdig gelungen ist. Massiv schichten sie Gitarre auf Synthesizer auf Schlagzeug auf Gitarre auf Synthesizer und schaffen mit ihrem druckvollen und definitiv filmreifen Sound beeindruckende Instrumentalepen, die im Kopf des Hörers wunderbar düstere Bildwelten erschaffen.

invsn_dtoDennis Lyxzén kennt die Rockszene von seinen früheren Bands Refused und Int. Noise Conspiracy. Gibt es jetzt also Hardcore oder Politpunkrock? Nein, denn mit seiner aktuellen Band INVSN und deren gleichnamigen Album hat der Schwede andere musikalische Ziele. Hier dürfen nämlich vornehmlich Fans von Postpunk und New Wave, von The Cure, Joy Division oder auch The Mission aufhorchen. Perlende Gitarren, coole Bassläufe, flirrende Synthies, flehender Gesang, düstere Atmosphäre, verhallter Sound – alles da. Und dazu hymnische Songs wie „Down In The Shadows“, „God Has Left Us Stranded“ oder „Distorted Heartbeat“ – schön!

linkin_huntingZum Jahresabschluss noch ein echter Silvesterknaller mit einem großen Namen dran. Wir wüssten ja gerne mal, wie viele Fans von Linkin Park nach den ersten Tönen von „The Hunting Party“ schreiend aus dem Zimmer gerannt sind und sich erst mal das Blut aus den Ohren tupfen mussten. Ja, was die Herren Bennington, Shinoda & Co. hier aufgefahren haben, ist schon mutig und konsequent – im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ohne die Welt letztendlich völlig zu verschrecken. Nur noch ein paar Synthies, weniger Bombast als zuletzt, stattdessen Konzentration auf harte Riffs mit saftigen Lärmausbrüchen. P.S. Komm‘ ruhig wieder rein, Kind, irgendwann schälen sich doch wieder ein paar typische Hits aus dem Krach.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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