querbeats Heute haben wir auf unserem bunten Wagen eine Ansammlung an Künstlern dabei, die allesamt über sehr markante und überhaupt recht fabelhafte Stimmen verfügen. Popchanteuse Tracey Thorn ist solo unterwegs, Soul-/Funk-/Groovemeister Jamie Lidell könnte sein eigener Chor sein, und die Schwestern von Coco Rosie zaubern sowieso in ihrer eigenen Märchenwelt herum.

Diese Stimme erkennt man immer noch sofort. Die Stimme von Everything But The Girl, welche bis zum Jahr 2000 immerhin eine 18-jährige Karriere (und einige Hits) hatten. Nach längerer Pause gab es vor drei Jahren die Solorückkehr, der nun ein weiteres, sehr reduziert-intimes Soloalbum folgt.

Obwohl Produzent Ewan Pearson sonst eher für Tanzbares und Elektronisches zuständig ist, hat er hier sehr zurückhaltend gearbeitet. Die Songs sind spärlich instrumentiert, Thorns herausragende Stimme kann in all ihren Facetten scheinen. Unterstützung gibt es von gelegentlichen Gästen wie Songwriter Jens Lekman (auf dem Lee Hazlewood-Cover “Come On Home To Me”), Al Doyle (Hot Chip), Cortney Tidwell oder Leo Tidwell (The Invisible).

Insgesamt ist Thorn ein überwiegend ruhiges Album gelungen, das vielleicht gelegentlich etwas unspannend ist, sonst aber eben von der Stimme lebt – und mit den kräftigeren Stücken “Why Does The Wind?” und “Swimming” doch mindestens zwei tolle Songs mitbringt.

Jetzt wird’s aber seelenvoll hier! Nicht nur Soul, sondern auch Funk hat er, der Herr Lidell, jede Menge sogar. Aber auf seinem vierten Album hat das englische Multitalent nicht nur James Brown und Prince gefrühstückt, sondern auch noch einen Haufen anderer Stile.

Als Danceproduzent gestartet und mit Super_Collider in den Clubs erfolgreich, entwickelte sich Lidell solo immer in neue Richtungen, stets sowohl mit seiner vielseitigen Stimme als auch mit vielschichtigen Sounds zwischen den Jahrzehnten jonglierend. Schmutziger Soul der 60er, Funk der 70er und elektronische Verästelungen von heute.

So ähnlich sieht es auf “Compass” aus, bei dem auch alte Bekannte wie Beck, Feist und Gonzales mithalfen. Es ist ein seltsames Album, das den Hörer im ersten Moment überfordern kann. Ständig springen neue Soundfetzen in neue Richtungen, manches sehr oldschool, manches von ganz weit draußen. Zappelig, flatternd, furztrocken. Und mitunter dann doch richtig fetzig wie bei “I Wanna Be Your Telephone”, “You Are Waking”, spannend schräg (“Coma Chameleon”, “Big Drift”) und beim ausufernden Titelsong schließlich schlicht und einfach genial.

Ein ziemlicher Trip, der aber einigen Spaß beim Erforschen und/oder Abgrooven bereiten kann.

Art-Pop, so nennt man das wohl, was die Schwestern Bianca und Sierra Casady fabrizieren. Dazu malen sie sich dann Bärte an und kleiden sich in Elfenkostüme. Und damit geht der Wahnsinn erst los.

Wobei das vierte Album der beiden dank Gael Rakotondrabe, einem professionellen Pianisten, geordneter daherkommt als die Vorgänger. Weniger Chaos-Hip-Hop, mehr Struktur und Melodie. Aber immer noch sehr schräg, das alles. Zwischen kindlichem Geplapper und opernreifen Tönen sind es bei den stimmgewaltigen Damen oft nur Sekunden. Neben dem feinen Piano hört man indianische Klänge, Harfen, Bläser und immer wieder auch ein paar Synthesizer. Einige Stücke strengen an, andere sind aber auch sehr schön. Das dramatische “Undertaker” z.B. oder das verwunschen-elektronische “R.I.P. Burn Face”. Die Single “Lemonade” ist sogar richtig poppig.

Wem Björk nicht seltsam genug ist, der ist hier womöglich genau richtig. Ansonsten kann man sich ja aus dem vielen Wirren die in der Tat vorhandenen Perlen herauspicken.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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