querbeatsEine breite Streuung ist das hier mal wieder. Vor allem stilistisch. Von unerwartetem Trip Hop aus Deutschland über lange benötigenden Experimentalkrautfolksonstwas aus Schweden bis zurück nach Germany, zu einer ganz und gar seltsamen Mixtur aus Rock, Electro und, äh, Country (?) geht die kunterbunte Reise heute.

Operation Mastermind – Too much Is Not Enough: Hier muss man wohl erst einmal das störende Getöse vom Wesentlichen trennen. Das scheußliche Plattencover nämlich, die falsch ausgewählte Single und die Promogeschichte um ein Topmodel namens Bunny Bonebreaker, das mit seinen Helferlein von einem mysteriösen Milliardär beauftragt wird (inklusive seltsamer Hörspiele, Rest bitte selbst recherchieren – oder besser: nicht) – all das wäre gar nicht nötig gewesen.

Denn die Musik selbst ist dann fast überraschend gut. Eine gut abgehangene Trip-Hop-Pop-Scheibe aus deutschen Landen, das hat man ja nicht so oft. Sauber produziert, mit cool schleppenden Rhythmen und einer hörenswerten Sängerin. Ja, man darf sogar sagen: Die könnten durchaus in der Morcheeba-Liga mithalten.

Es ergeht also diese Empfehlung: Bitte zukünftig auf feine Songs wie „Drunken“ (ohrenschmeichelnd), „Catch Of The Day“ (feiste Bläser), „Calling“ (fast wie Kosheen) oder „Secret Garden“ (mit orientalischen Elementen) konzentrieren und nicht zu viel Gedanken an die Pop-Maschinerie vergeuden!

Junip – Fields: Da hat sich jemand richtig lange Zeit gelassen. Über ein Jahrzehnt für ein Debütalbum! Aber so ist das manchmal, wenn Schulfreunde eine Band gründen und zwischendurch andere Wege gehen.

Hier kam den drei Herren aus Schweden die zwischenzeitliche Solokarriere ihres Sängers in den Weg. Die Stimme von José Gonzalez kannten plötzlich weltweit ganz viele, spätestens als seine zauberhafte Coverversion von The Knifes „Heartbeat“ Werbespotverwendung fand. Und Gonzalez‘ Stimme trägt auch hier durch die unaufdringlichen Indie-Songs.

Die Musik dazu ist mitunter schwer zu beschreiben. Sie wurzelt im Folk, hat aber jede Menge experimentelle ansätze zu bieten. Ein bisschen spacig klingt es auch mitunter und der gute alte Krautrock redet ebenfalls ein Wörtchen mit. Dazu der eine oder andere elektronische Effekt, fertig ist ein Werk, das man mit Sicherheit häufiger hören sollte.

Dann lernt man sie zu schätzen, Stücke wie das knorrige „In Every Direction“, das eingängige „Alright“, das klangvolle „It’s Alright“ oder das düster groovende „Sweet & Bitter“. Geduld! Es lohnt sich.


JUNIP – Always

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GoJa moon Rockah – Libido Cowboys: Klingt wie ein Jam von Die Ärzte, Joachim Witt und Depeche Mode??? Da war wohl einer besoffen, als er dies schrieb. Aber besoffen könnte eine gute Grundlage sein, denn eine seltsame und durchaus interessante Mixtur bieten diese Herren auf ihrem neuen Album tatsächlich.

Da wären die geradlinigen Gitarren, vermischt mit saftigen Synthiesounds. Dazu deutscher Gesang, oft mit grollend tiefer Stimme. Ein bisschen vom späten Witt mag drin sein, ein kleines bisschen Rammstein auch. Ein wenig Northern Lite („Erotik unter Eis“), DAF („Glatt“) oder Kontrast (wer die noch kennen sollte) kommen dazu. Und womöglich Boss Hoss, wenn man beim eröffnenden Titelsong mit seinem putzigen Gepfeife unwillkürlich an Westernparodien denken muss.

Aber selbst die Unheilig-Fraktion (mit denen goJa moon Rockah übrigens weit vor deren Durchbruch beim RTL2-Publikum auf Tour waren) mag etwas entdecken – z.B. die Electroballade „Geraldine“, die jedoch irgendwie Ohrwurmqualitäten hat. Zu alldem kommen eigenwillige Texte zum Thema Sex – von fleischfressenden Vaginen bis zu Sex im Eis oder der Wüste ist einiges dabei -, manchmal platt, aber mitunter auch durchaus witzig.

Insgesamt ein Album mit ein paar Peinlichkeitsmomenten, aber auch einigem Spaßcharakter.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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