querbeatsAuch heute haben wir wieder viel Buntes im Kessel. Angetäuschte Disco, verquere Spaßausländer und eine nordeuropäische Wiederdebütantin. Und es wird Entwarnung gegeben: Keine WM-Songs und keine Vuvuzelas weit und breit.

Die wollen uns wohl vergackeiern? Von wegen Disco! Hier wird ganz eindeutig der heiligen Breitwandgitarre gehuldigt. Na gut, einigen wir uns auf Rockdisco oder Discorock.

Es wird ganz ordentlich auf die Tube gedrückt, alles, was vielleicht unter Emo, New Rock und ähnlichem eingeordnet würde, in einen Topf geworfen, mit schrägen Synthies ergänzt und ordentllich aufgekocht. Alter Finne (da kommen die Jungs vom Disco Ensemble, deren bereits viertes Album dies ist, nämlich her)!

Die Songs bollern meist gleich zackig drauflos, das Moshpit kann sofort mit dem Hüpfen beginnen. Doch zum Glück schlagen die Stücke immer mal wieder unerwartete Haken, und durch ironische Texte umgeht man auch manche Klischeefalle.

Trotz der immer wieder geschickt eingestreuten Keyboards: Dies ist eine eindeutige Rockplatte! Billy-Talent-Fans, ihr seid gemeint! Euch könnte/sollte/müsste das gefallen.

Anspieltipps: “Pitch Black Cloud”, “White Flags For Peace”, “So Cold”

Es wird noch lustiger. Nicht nur Cover und Albumtitel, das ganze Werk des internationalen Multikulti-Chaotenkollektivs mit Zentrum in Berlin ist wohl ein einziges Augenzwinkern.

Man kennt sie in Amerika, in der Schweiz und in Japan, sie haben den Ruf einer enorm unterhaltsamen Liveband – und die Musik ist unbeschreiblich. Quatsch-Electro auf Englisch, Deutsch und Japanisch, verquere Beats, Trash-Hip-Hop, schräges Geschrammel, Dance-Party. Man höre nur “Ich bin Ausländer (leider zum Glück)” und versuche, sich ein Grinsen (oder auch schallendes Lachen) zu verkneifen.

Über den Spaß hinaus gibt es aber wirklich einige hübsche Stücke, poppig, eingängig, tanzbar. Und eine gelungene Kraftwerkreferenz dazu. Niedliches Album.

Anspieltipps: “Ich bin Ausländer…”, “Back To The Beatz”, “Maschinenwelt”

Gleich zur Erklärung: Dies ist eigentlich kein neues Album, sondern ein Re-Release des ersten Albums (von 2005) dieser begabten Schwedin. Jetzt, wo sie durch die Folgealben etwas mehr Bekanntschaft erreicht hat, und ergänzt durch drei Bonustracks (darunter ein sehr gelungener Remix von The Knife), ergibt das durchaus Sinn.

Apropos The Knife. Frau Wilson geht zwar etwas organischer instrumentiert zu Werke, aber auch hier wird so einige Elektronik verwendet, und eine gewisse Versponnenheit ist auch nicht zu verleugnen. Wenn man das jetzt mit Spuren von Kate Bush, PJ Harvey und Tori Amos vermischt, bekommt man eine ungefähre Ahnung. Die Stimme wird als zusätzliches Instrument verwendet und sehr vielseitig eingesetzt (auch mal dicht heran an die Schmerzgrenze).

Eine lohnende Wiederveröffentlichung, auch um sie mit dem aktullen Album, dem im Frühjahr erschienen, hochgelobten “Hardships!” vergleichen zu können.

Anspieltipps: “Let My Shoes Lead Me Forward”, “Would I Play With My Band”, “Love Ain’t Just A Four Letter Word”

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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