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Heute versammeln sich an dieser Stelle gnadenlos 80er-orientierte Weltraum-Synthesizer aus New Jersey, partyerprobte isländische Liveereignisse, zarte Gefühle und Klänge aus ehemaliger Kölner Technoverwandtschaft sowie ein Altmeister, dem immer noch nicht die Lust am Experiment abhanden gekommen ist. Hereinspaziert!

Com Truise – Galactic Melt

Was hat Seth Haley nur für ein Problem mit seinem Namen, dass er sich ständig neue Pseudonyme ausdenken muss? Und dann noch solche wie dieses, wo der Witz, nun ja, nicht eben lange anhält (also vergessen wir lieber gleich seinen durchgeknallten Namenspatron). Doch dieser Com Truise soll eben eine Kunstfigur sein. C.T. Ist nämlich der erste synthetische Roboter-Astronaut, weit, weit weg unterwegs in fernen Galaxien, und dieses Album erzählt seine Geschichte, angeblich.

Genau so klingt das aber auch, in diesen zehn instrumentalen Maschinenhymnen. Wie in Filmen, TV-Serien und Computerspielen vor 25 – 30 Jahren. Com Truise durfte nicht umsonst Daft Punk für den Tron-Soundtrack remixen. Sollte Ridley Scott, wie sich gerade andeutet, nicht von einem Remake/Sequel/WTF von „Blade Runner“ abzuhalten sein – hier wäre ein ganz heißer Kandidat für die kühle musikalische Untermalung.

Ja, okay, Modernitätspreise gewinnt man damit vielleicht nicht, aber wenn Stücke wie „VHS Sex“, „Air Cal“ oder „Ether Drift“ (um mal die Highlights zu nennen) ein seliges Lächeln auf die Gesichter von Freunden so gut gemachter Retrosounds zaubern, ist das auch eine ganze Menge wert. Captain Future würde das zu schätzen wissen.

FM Belfast – Don’t Want To Sleep

Dass dieser wilde Haufen mitnichten aus Belfast, sondern aus Island kommt, haben wir ja schon bei unserer Kritik zum Debüt „How To Make Friends“ festgestellt. Auch sonst hat sich nicht so viel geändert. Live tanzen, springen und singen immer noch unterschiedliche Mengen wild feiernder Menschen über die Bühne, dass es eine Pracht ist, und auf Platte ist das nur schwer zu kanalisieren.

Die Musik ist weiterhin am ehesten als Elektropop zu bezeichnen, bewegt sich zwischen Pop mit 80er-Verweisen und Dance aus den 90ern, ergänzt durch ein paar ungewöhnliche Details. So bekommt der Eurodance-Groove von „We Fall“ erst durch eine Trompete den richtigen Drive. Ansonsten gibt es dieses Mal keine seltsamen Coverversionen, dafür ein paar mehr ernsthafte Ansätze von ruhigeren Stücken, die durchaus Ansätze zeigen, dass da zukünftig vielleicht mehr geht (Beispiel: „Mondays“).

Denn der Überhit fehlt so ein bisschen dieses Mal. Aber so lange heißt es halt „I Don’t Want To Go To Sleep Either“ und wir zappeln mit den Synthies zu „In Line“.

Ada – Meine zarten Pfoten

Nanu, hatten wir Ada nicht anders in Erinnerung? Wer sich an das erste Album „Blondie“ von 2004 (dieses ist tatsächlich erst ihr zweites) erinnert – da ging ganz schön der Techno-Beat ab, allerdings feinsinnig gepaart mit Melodien und Gesang.

Doch nun hat Michaela Dippel dem Pop und klassischem Songwriting sämtliche Türen geöffnet und verzichtet dafür oft freiwillig auf Tanzbarkeit. Instrumente und Elektronik werden gleichberechtigt behandelt. Die zarten Pfoten umschmeicheln das Ohr, was natürlich auch an Dippels warmer Stimme liegt, die die atmosphärischen Songs trägt.

So ist man bereits nach dem ersten Stück („Faith“) ganz hingerissen und lässt sich dann vom Rest davontragen – dem sommerlichen „Likely“, dem poppigen „The Jazz Singer“, dem fast dubsteppigen „Happy Birthday“. Und wer tanzen will, bekommt zumindest mit „At He Gates“ eine Möglichkeit sich auszutoben. Oder wartet auf eine echte Perle von Hidden Track. Liebe Ada, lass uns bitte nicht wieder sieben Jahre warten!

http://www.youtube.com/watch?v=t-_TkOYPX4I

Brian Eno – Drums Between The Bells

Über Brian Peter George St. John le Baptiste de la Salle Eno und seine musikalischen Verdienste von Roxy Music über die Erfrindung von Ambient bis hin zu prägenden Arbeiten mit den Talking Heads oder U2 muss man nicht mehr sprechen, man fände da kaum ein Ende.

Umso erstaunlicher und erfreulicher, dass der mittlerweile 63-jährige immer noch neue Ideen hat. So gibt es hier nun einen ziemlich spacigen Soundtrip zu den Worten des britischen Dichters Rick Holland, während dem Eno, unterstützt von zahlreichen Gaststimmen und jeder Menge schräger Soundeinfälle auf 15 Tracks ein ganz eigenes Universum bereist.

Es gibt Hörspielartiges, kurze Miniaturen und Collagen, Spoken-Word-Beiträge mit spärlichen Sounds, Ambientelemente, aber auch Melodiöses und sogar Ausflüge in den (Elektro-)Pop wie bei „Glitch“. Das ist insgesamt natürlich nichts zum Zwischendurchhören, auch keine Musik für Flughäfen, dafür aber ein sehr interessanter Ausflug in die Weiten der elektronischen Klangerzeugung.

Brian Eno – pour it out (taken from Drums Between The Bells) by Warp Records

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. ELEFOH
    1
    23.8.2011 - 15:45 Uhr

    Com Truise, Mord Fustang …. was kommt noch?