Heute mal wieder eine Labelvorstellung. Die positiv Bekloppten von Audiolith werden ja gern als Elektropunker bezeichnet. In diesem Frühjahr waren sie alle zusammen auf Dorfdisko-Geiselfahrt, einer Tour durch Dörfer und Kleinstädte dieses Landes. Wilde Fahrt. An Bord auch drei Bands mit drei – durchweg empfehlenswerten – neuen Alben, um die es nun gehen soll: Bratze, Egotronic und Frittenbude.

Das (Electro-)Duo Bratze setzt sich zusammen aus Beatbastler Norman Kolodziej (auch als Der Tante Renate unterwegs) und Songwriterpoet Kevin Hamann (bekannt als ClickClickDecker).

Was gibt es nun nach unten zu korrigieren auf dem zweiten Album? Und wozu der Untertitel “& die Notwendigkeit einer Übersetzung“? So viele Fragen bei einer Band, die schon aus Prinzip Antworten eher verweigert. Metaphernreiche Texte ohne Ende, die zum Nachdenken anregen, aber niemanden in diesen komplexen Zeiten zu etwas zwingen wollen. Man kann es der Krise zeigen, dem nervenden Wahn von Facebook & Co. entgegnen: „Vergiss all die Daten, die sind nicht wichtig! Hol dir dein Leben zurück!“ (Das einfache Fluten“).

Oder man kann auch einfach tanzen, schwitzen und abgehen zu den satten Electro-Beats der Großstadthymne „Trapez“ oder dem hintenheraus mächtig abtanzenden „Mnchn, schon wieder dunkel“. Ein Instrumentalknaller bringt es auf den Punkt: „Dazu kann man gut klatschen“. Und zum Ende freut man sich über eine melodische Synthieperle wie „Molfsee“.

Tolle Platte, die musikalisch eine Menge Spaß macht. Und wer will, kann auch inhaltlich noch ein bisschen seine Synapsen trainieren. Das ist doch mal ein Angebot, oder?

Das ist nun quasi das Album zur erwähnten Dorfdisko-Sause. Dazu passend das doch ziemlich siffige Artwork (wobei jenes ein bewusstes Hammerhead-Zitat ist). Aber andererseits: „Was soll’s“? Fragen sich und die Welt nicht nur Torsun, Endi und KT&F.

Exzessiver Partyrausch, ewiger Dauer-Rave auf dem Melt!-Parkplatz oder was? Doch schon der zweite Song „Ich kanns nicht sagen“ erfreut mit ungeahnt sauberer Produktion und Tendenz zur poppigen Melodie. Aber keine Angst, natürlich wird auch ausgiebig gebratzt.

Man kann eben sowohl punkigen Electro-Rave machen, zusammen mit den Saalschutz-Kollegen das eigene Label abfeiern („Das Leben ist tödlich“), alte C64-Sounds verbraten („Tonight“ – und alle so: „Ohohoh-ohoh“) und gleich darauf ernstgemeinte politische Haltung zeigen wie in „Toleranz“ (Die geniale Zeile „Eure Toleranz kotzt mich an“, sollte demnächst das eine oder andere T-Shirt zieren.). Und kurz danach entspannt man sich bei den Tanzhymnen „You“ oder „Volksküche“. Als Bonus gibt es die vergriffene CD „Die richtige Einstellung“ noch dazu.

Auch hier wird mächtig Gas gegeben, auch hier lässt sich gut feiern, auch hier darf man aber gern seinen Kopf benutzen.


EGOTRONIC – Was Solls

egotronic | MySpace Music Videos

Last, but not least, Frittenbude. Eine weitere Errungenschaft auf diesem Label der ulkigen Bandnamen. Auch hier ein zweites Album mit fetten Beats und deutschen Texten mit Botschaft.

Die Drei aus dem allertiefsten Bayern haben den vielleicht aggressivsten Electro-Sound hier. Klangliche Deichkind-Verwandtschaft inklusive. Das scheppert geradlinig, repetititiv und lässt die geschundenen Leiber ordentlich zucken. Die gerufenen Parolen sitzen und prägen sich gut ein (für Demos oder die nächste Studi-Party, je nachdem). Mindestens einen einprägsamen Hitkandidaten hat es auch: Die Single “Und täglich grüßt das Murmeltier” wiederholt sich eingängig ins Gedächtnis. Ins Gedächtnis. Ins Gedächtnis.

Wo waren wir? “Fetter als Gelb”? Bunte Pillen? Okay, jeder nach seinem Geschmack. “Jetzt ist der Moment” jedenfalls, dazu würde auch Flat Eric seinen Puppenkopf wippen lassen. Und am Ende steckt doch noch ein zweiter Hit: “Bilder mit Katze”, entspannt, poppig und eine niedliche Liebesgeschichte.

Auch diese feine Scheibe (als Bonus mit der Remix-CD “Plörre” – u.a. mit einer feisten Verwandlung von Kettcars “Graceland” in eine Raveorgie) hält das hohe Niveau eines der derzeit zu Recht angesagtesten Labels hierzulande. Electro, Power, Euphorie, Party mit Hirn.

Frittenbude – „Und Täglich Grüßt Das Murmeltier“ Official Music Video from Vincent Urban on Vimeo.

(Addison)

P.S. Der ganze Audiolith-Tourwahnsinn als Thema bei Arte-Tracks: Hier! Oder als Pferdemarkt am Vorabend des Melt! Festivals (also am 15.07.). Außerdem sind die Bands auch alle einzeln noch reichlich unterwegs.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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