Huh, spooky! In Runde Drei unserer Klopperrubrik geht es geisterhaft zu. Wo ist denn nun mehr Grusel zu holen – in den windumtosten Ecken der Faröer-Inseln jenseits von Dänemark, Schottland und dem Rest der Welt oder in den kampferprobten Häuserschluchten New Yorks? Oder ist – rein musikalisch betrachtet – etwa Etikettenschwindel zu beobachten?

Zunächst zur Vorstellung der Kontrahenten: The Ghost sind Urbanus Olsen und Filip Mortensen, beide Anfang 20 und große Fans von Bands wie The Flaming Lips, The Strokes, aber auch Massive Attack. Nach zwei schnell aufgenommenen Songs werden sie in der überschaubaren einheimischen Szene der Faröer-Inseln gefeiert, treten auf dem G! Festival und dem Iceland Airwaves Festival auf, wo sie Rob da Bank von BBC Radio 1 auffallen, der sie gleich mal unter Vertrag nimmt. Und nun haben wir hier das Debütalbum „War Kids“.

Holy Ghost sind auch ein Duo, das ist schon mal fair. Alex Frankel und Nick Millhiser kommen aus New York und sind schon ewig befreundet. Die beiden arbeiten für das DFA-Label und sind neben Studio-Mitarbeit im Umfeld von Juan MacLean und LCD Soundsystem bereits durch einige sehr gelungene Remixe (u.a. für Cut Copy, Moby, MGMT und Phoenix) und Singles aufgefallen. Das Debütalbum lässt noch auf sich warten, hier liegt aber eine feine EP namens „Static On The Wire“ vor.

Wie jetzt, ein Album gegen eine EP? Jahaa, aber die zehn Songs von The Ghost sind auch nur ein paar Minuten jenseits der halben Stunde, wovon die Vier-Track-EP von Holy Ghost mit reichlich 25 Minuten also gar nicht so weit weg ist (und in der Download-Version gibt’s noch zwei Remixe dazu).

Was machen die denn nun alle überhaupt für Musik? Das lässt sich leicht klären. The Ghost stehen auf den guten alten Elektro-Pop, vermischt mit eingängigem Indierock. Das Ganze wurde vom vielbeschäftigten dänischen Produzenten Oli Poulsen (u.a. für Grace Jones, Massive Attack und Prince tätig) saftig aufgenommen, allerdings auch mächtig glatt poliert.

Auch der Sound von Holy Ghost stellt keine gewaltige Überraschung dar, betrachtet man das Umfeld, sprich James Murphys DFA-Label. Tanzbar, elektronisch, 80er-verliebt, mit ordentlichen Percussions und einer ordentlichen Kante Funk.

Zurück zu The Ghost. Die Songs gehen gut ins Ohr – poppige Melodien, sanfter Gesang (von Filip übrigens, nicht von einer Frau, wie man streckenweise vermuten könnte). Gleich die ersten Stücke, „Something New“ und „Dream Of Subak“, die auch die ältesten sind, gehören zu den Highlights. Die Synthies klingeln, ein paar Gitarren dengeln drüber. Das Ganze wird dann noch acht Mal mehr oder weniger variiert. Manchmal fast schon zu heftig aufs Radio schielend, wie in der Single „City Lights“, aber oft auch angenehm fröhlich wie im Titelstück, dem Phoenix-artigen „Love Is Nothing“ oder dem melodiösen „Everything Can Explode“.

Bei Holy Ghost ist die Drei-Minuten-Radiosingle dagegen eher nicht zu bekommen, zumindest nicht hier. Die Stücke tänzeln alle auf der doppelten Länge herum. Apropos tänzeln: Zum Tanzen ist das alles, v.a. auch live, wo man letztens (mit Bandverstärkung) auf dem Melt! Festival sehr überzeugend auftrat. Die vier Stücke haben alle einen ähnlichen Groove, aber den haben sie echt drauf. Die 70er-Disco und der 80er-Pop harmonieren bestens, wie erwähnt mischen sich funky Basslines dazu, ein paar moderne Elektro-Sounds ergänzen das Bild. Dazu haben die vier Songs zumeist irgendeinen Kniff, der im Ohr bleibt – bei „Say My Name“ sind es der coole Gesang und ein Pet-Shop-Boys-Gedächtnis-Synthie, bei „I Will Come Back“ schicke Keyboard-Flächen und bei „I Know, I Hear“ freut sich der Daft-Punk-Fan.

Die abschließende Wertung der Punktrichter steht noch aus, denn k.o. geht hier wieder keiner. Was den kurzfristigen Erfolg im Radio angeht, liegen The Ghost mit ihrer flotten Sommerplatte sicher erst mal vorn, für längere Haltbarkeit sollten sie aber zukünftig noch ein paar Ecken und Kanten entwickeln. Holy Ghost müssen zwar noch beweisen, dass sie auf Albumlänge mehr Abwechslung zu bieten haben, aber substanziell, musikalisch und was die Halbwertzeit angeht, gelingt ihnen hier doch schon einiges – und somit auch der Punktsieg.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. 19.8.2010 - 10:43 Uhr

    Eine gewisse Ähnlichkeit besteht…

  2. testcase
    1
    18.8.2010 - 17:51 Uhr

    Ist die Dame in dem „Holy Ghost“ Video nicht neulich erst mit The Juan McLean unterwegs gewesen?