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Hiermit eröffnen wir die diesjährigen Hot-Chip-Festwochen! Und das, obwohl Hot Chip (deren neues Album im Juni erscheinen und natürlich hier auch ausgiebig Thema sein wird) selbst hier gar nicht dabei sind. Aber wenn drei der fünf Bandmitglieder mit ihren verschiedenen Nebenprojekten fast gleichzeitig Alben veröffentlichen, schicken wir sie doch gern in den Ring.

Fangen wir mit The 2 Bears an: Das sind nämlich zwei auch optisch echte Teddys – Joe Goddard, bei Hot Chip nicht unmaßgeblich an Songwriting und Gesang beteiligt, und Raphael Rundell, auch Raf Daddy genannt. Die beiden sind seit langen Jahren befreundet, legen zusammen Platten auf und teilen ganz besonders ihre Liebe zu amerikanischem House, die sie auf „Be Strong“ nun so richtig ausleben wollen.

Der Gegner heißt New Build und ist schon mal zu dritt. Mit Al Doyle und Felix Martin gibt es hier gleich zwei Mitglieder von Hot Chip, dazu kommt Tom Hopkins, sonst hauptsächlich als Komponist und Toningenieur tätig. Und auch hier hat man großes Interesse an House, aber der Schwerpunkt auf „Yesterday Was Lived And Lost“ liegt eher auf melodischem Pop elektronischer Machart, mit einer satten Prise New Romantic.

Zurück zu den zwei Bären. Die laufen nach dem Opener gleich zu Hochform auf und landen mit dem Titeltrack einen echten Tanzflächenfüller, dem mit „Bear Hug“ gleichwertiges und witziges Housematerial folgt, in dem sich die beiden auch mit ihren heruntergepitchten (Rundell) bzw. warm singenden (Goddard) Stimmen bestens ergänzen. Das melodische „Work“ macht die Troika starker Tanzbärenstücke komplett, bevor es im Anschluss erst mal etwas ruhiger wird.

Bei New Build staunt man erst einmal, dass Al Doyle nicht häufiger bei Hot Chip seine Stimme erhebt. Denn der Mann kann echt gut singen! Schon früh landet man mit „Medication“ eine tief in den 80ern verwurzelte Popschönheit, „Misery Loves Company“ zeigt eine leicht melancholische Ader, irgendwo zwischen den Talking Heads und anderen Wave-Heroen. Anschließend wird es richtig soft, aber noch auf der guten Seite von cheesy.

The 2 Bears stellen zu Beginn der zweiten Hälfte mit „Ghosts & Zombies“ nicht zum ersten Mal ihren Humor unter Beweis und landen mit „Time In Mind“ eine putzige Schnulze mit Country-Einschlag. Später zeigt aber das lässig hüpfende „Heart Of The Congos“, dass auch der aktuelle Dubstepwahnsinn zur Kenntnis genommen wurde, bevor man zum Schluss noch zwei richtig melodische Stücke auf Lager hat.

New Build platzieren in der Mitte zwei recht unterschiedliche Songs – „Schism Of The Mind“ getragen und melodisch, „Do You Not Feel Loved“ housig und – aha! – eben auch melodisch. Die Melodien sind überall dabei, egal, wie vielseitig die Songs sind, in denen auch immer wieder mal Doyles Gitarre mitmischt und wo auch verschiedenste Percussions Akzente setzen dürfen. Und bis zum Schluss bleibt das Niveau hoch.

Zur Punktwertung: New Build decken das größere Soundspektrum ab, sind sicherlich abwechslungsreicher und haben eine Spur mehr eingängigen Pop dabei. Dafür kontern The 2 Bears mit enorm hoher Spielfreude und sehr satten Beats. Tja, und damit hätten wir wohl ein Unentschieden – und einen großen Gewinn für uns, mehr als nur Überbrückungsmaterial vor dem kommenden Album von Hot Chip.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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