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Heute bei uns im Ring: Zwei deutsche Kämpfertruppen. Keiner hat schon vorab beim Wiegen oder vor der Presse herumgeprügelt, wir sind ja nicht bei Klitschkos und ihren ausgewählt schwachen Kontrahenten. Und wenn Deichkind schon selbst die Boxerdevise „Wenn wir unten sind, ist unten oben“ ausgeben, passt das bestens ins Konzept. Mutiger Herausforderer: Susanne Blech.

Deichkind – Befehl von ganz unten

Man hatte ja schon Zweifel, ob das noch so weitergeht mit den Deichkindern. Die von der ursprünglichen Hip-Hop-Combo spätestens mit „Aufstand im Schlaraffenland“ (2006) und dem Megahit „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“ zur Electropartyband und Livesensation mutiert waren. Denn als Bandmitglied Sebastian Hackert, der maßgeblich für den Sound zuständig war, überraschend verstarb, hieß es erst mal: Auszeit.

Doch das Kollektiv erholte sich und hat nun eine neue Scheibe am Start, mit der unter Garantie in den nächsten Monaten diverse Konzerthallen zu Brei gerockt werden. Mit neu konzipierter und gewohnt verrückter Liveshow im Rücken. Wobei man ja bei Deichkind länger schon ahnt, dass die Alben nur Beiwerk der Konzerte sind.

Doch dafür ist „Befehl von ganz unten“ ziemlich klasse geworden. Schon die beiden Vorabsongs zeigten, dass Deichkind sowohl textlich als auch soundtechnisch noch alles im Griff haben: „Illegale Fans“ ist streckenweise fast schon EBM und ein köstlicher Beitrag zum Thema Musikindustrie, und die Eurodance-Granate „Bück dich hoch“ passt zur ewigen Wirtschaftskrise wie die Faust aufs Auge.

Und weitere künftige Dauerbrenner stehen Schlange. „Leider geil (leider geil)“ wird in diesem Jahr irgendwann so ziemlich jeder in irgendeiner Situation vor sich hin murmeln, wetten?! „99 Bierkanister“ alarmsirent alles über den Haufen, während der Ohrwurm „Der Mond“ die Tradition der „Luftbahn“ fortsetzt und erneut beweist, dass Deichkind eingängige Electropop-Songs beherrschen. Wobei man auch keine Scheu hat, am Schluss mit den alten Rebellen von Slime eine klassische Unter-zwei-Minuten-Punkkeule rauszuhauen.

Massig Slogans zum Mitgrölen (und bei genauerer Betrachtung überhaupt gar nicht doof, ob das die Mehrheit der Fans erkennt, ist vielleicht eine andere Frage) und Hits für die Bierdusche also. Äußerst gelungen. Leider geil.

Susanne Blech – Triumph der Maschine

Nun der Herausforderer. Diese jungen Herren haben für ihr zweites Album einen schönen, womöglich nicht ganz ohne Absicht an gewisse Größen aus Düsseldorf erinnernden, Titel gewählt. Man denkt erstmal, ach, wieder was von Audiolith, denn in die Richtung geht das schon. Knalliger Electro mit deutschen, sloganhaften Texten. Aber labeltechnisch stimmt das gar nicht (obwohl Egotronic und Danja Atari hier sogar gastieren).

Der Vergleich mit den Deichkindern drängt sich ansonsten eben auf, da auch hier ähnliche Sounds mit mitgrölfähigen und doch cleveren Texten kombiniert werden. Wobei Frau Blech sogar die härteren Beats auffährt. Ein kleines Plus, den Minuspunkt gibt es für die gelegentlich etwas variationsarme Intonation.

Und die Texte? Mitgrölfähig schrieben wir eben zwar, aber so einfach ist das wohl gar nicht. Denn hier gibt es viel, sehr viel Text, und der Rezensent rätselt immer noch über die Inhalte. Toll formuliert in jedem Falle, aber ergibt das auch immer Sinn wie im starken „Robocop hätte geschossen“? Muss es das denn? Nö, oder? Also erfreuen wir uns lieber an feinen Electro-Perlen wie „Helmut Kohl“, „Die Maschinen laufen heiß“, „I Love Wagner“ oder „Bankangestellte erzählen von Mailand“.

Ach ja, der Boxkampf. Da haben uns die Blechjungs so vollgequatscht, dass wir die Punkte nicht addiert haben. Nun gut, wir bescheinigen beiden Kombattanten ein hohes Niveau bei einem Schlagabtausch mit vielen Treffern beiderseits. Die Altmeister vom Deich liegen am Ende durch die höhere Hitdichte vielleicht um einen Hauch vorne.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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