Das ist jetzt gar keine so leichte Sache. Da ist dieser junge Mann aus einem Kaff in Minnesota. Vermutlich der klassische sympathische Außenseiter-Nerd, der jahrelang das leider bislang einzige Album von The Postal Service auswendig gelernt hat und irgendwann anfängt, in seinem Keller Musik zusammenzubasteln. So einem möchte man ja nichts Schlechtes. Aber…

Adam Young heißt der 23-jährige, der über die Jahre weltweit eine gigantische MySpace-Gemeinde hinter sich gesammelt hat und dessen Songs plötzlich diverse Formatradiomusikmanager und Fernsehunterhaltungshintergrundberieselungsexperten entdeckt haben. Schwupps tummelt sich der Single-Ohrwurm “Fireflies” seit Wochen in sämtlichen Charts-Top-10, sogar in den deutschen. Nun ist der Song zwischen all den Ke$has, Atzendoktoren, Gagas und Guettas ja durchaus ein Lichtblick, melodisch, elektronisch, kuschelig und so, aber er hat mit seinem Vocoder-/Autotune-Gesang auch die Tendenz zur Nervigkeit.

Und jetzt kommt’s: Wer die Single liebt und sie in elf ähnlichen Variationen hören möchte, für den ist “Ocean Eyes” das Himmelreich. Für diejenigen, die gehofft hatten, dass auf dem Album der Gesang etwas ungefilterter verwendet wird und ein paar weniger süßliche Synthie-Effekte die an sich hübschen Songs verkleistern, tja für diejenigen gibt es eine streckenweise ziemlich anstrengende Enttäuschung.

Es gibt sie ja, die lichten Momente. Der Duettgesang im entspannten “The Saltwater Room”, die schöne Nordwest-USA-Hymne “Hello Seattle” oder das schlicht wippende “Vanilla Twilight”. Auch “Cave In”, “On The Wing” und einige andere Stücke haben ihre gelungenen Momente, wo man tatsächlich fast den Vergleich mit The Postal Service gelten lassen kann. Viele kleine, niedliche Elektroniksprengsel können ebenfalls punkten.

Doch dann kleistert das Gesangseffektgerät und die übertrieben zuckerwattige Produktion wieder alles zu, und nach einer Weile sind die Gehörgänge einfach verklebt, so dass man beschließt, das Album künftig keineswegs am Stück hören zu wollen.

Adam Young ist songwriterisch sicher ein Talent, in Zukunft sollte aber weniger vielleicht auch mal etwas mehr sein. Doch die Charts geben ihm ja Recht, also wird er uns kaum erhören. Ach, die Welt ist manchmal ungerecht.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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