ohgr_devils Kevin Ogilvie aka Ogre, Frontmann von Skinny Puppy, ist mit seinem berühmten Hauptprojekt offensichtlich nicht ausgelastet. So veröffentlicht seine zweite Spielwiese ohGr – auf der er mit Kreativpartner Mark Walk auf Soundreise geht – ihr mittlerweile drittes Album. Und “Devils In My Details” ist mal wieder ein (gewohnt) vertrackter Brocken geworden.

Alben von Skinny Puppy und eben auch ohGr sind selten schnell zugängliche Werke. So ergeht es dem Hörer auch hier wieder. Der Opener “Shhh” klingt beim ersten Durchgang, als wäre der Klassiker “Jesus Built My Hotrod” als seltsame Demoversion wieder aufgetaucht. Irgendwie unfertig, auch unproduziert wirkt das. Es folgt eine knappe Dreiviertelstunde Chaos, in der man sich erst einmal zurechtfinden muss.

Doch wiederholtes Hören festigt den Charakter und lohnt sich mitunter sehr, so auch hier. “Devils In My Details” ist ein überraschend abwechslungsreiches Werk, das zwischen härterem und softerem Industrial, Electro und sogar chilligen, fast dubbigen Sounds unterwegs ist. Aufgenommen nahezu am Stück in einer längeren Session und eindeutig als Ganzes konzipiert, wirkt es, als wäre man in einem seltsamen, düsteren Experimentalfilm gefangen. Dabei sind nicht nur die mal polternden, mal hämmernden, mal sanft fließenden Sounds abwechslungsreich, sondern auch die Vocals. Es wird nicht nur gebrüllt oder verzerrt geshoutet, es gibt ebenso richtigen Gesang und Spoken Words, die teilweise von Horror-B-Movie-Star Bill Moseley beigetragen werden (der mit Ogre übrigens im schrägen Horror-Kino-Musical “Repo! The Genetic Opera“ spielt).

Da das Album so zusammenhängend ist, fällt es fast schwer, einzelne Stücke hervorzuheben (ursprünglich sollten die Tracks auch gar nicht einzeln genannt werden). Wenn man trotzdem gezielt hineinhören möchte, empfehlen sich das industriell scheppernde “Eyecandy”, das schräg-chillige “Feelin’ Chicken” (mit Tuba!), das klassisch-harte “Psychoreal” oder das erstaunlich melodische “Timebomb”.

Wie gesagt, kein oberflächliches Fast Food, kein Popvergnügen, sondern eine anspruchsvolle Platte. Nichts, was man nebenbei hört oder zum Latte Macchiato wegschlürft. Eher Kopfmusik für die Kopfhörer.

(Addison)

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www.ohgr.org

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. breitMEYER
    2
    14.11.2008 - 22:55 Uhr

    Ich möchte noch hinzufügen,daß SO eine kompromißlos-geniale Scheibe mal von Euch
    zur „CD des Monats“ gekürt werden sollte(ich
    möchte ja nicht wieder mal über „hot chip“ herziehen…Ihr wißt was ich meine ;-)!

    Nichts für ungut…..

  2. breitMEYER
    1
    14.11.2008 - 22:33 Uhr

    Bravo!!!
    Ein tiefschwarzes MEISTERWERK!!Von der ersten bis zur letzten Minute ein Hörgenuß
    fernab jedweden Kitschkrams!

    Aber Vorsicht:NUR für Erwachsene ;-)!