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Wenn der Noel neuerdings auf dem Cover der Spex mit dem Zitat „Techno ist geil“ erscheint, dann dürfen wohl auch wir uns seiner annehmen. Der talentiertere der Ex-Oasis-Raufbrüder zeigt mit seinem starken Solodebüt, wie es geht, überrascht sogar mit einer gewissen stilistischen Weiterentwicklung, und dann heißt auch noch ein Song „Dream On“.

Die Kurzfassung der Vorgeschichte: Oasis aus Manchester. Zwei der besten Alben der 90er – „Definitely Maybe“ und „(What’s The Story) Morning Glory?“ – danach aber zwischen immer wieder aufleuchtenden Geniestreichen auch einiges an Mittelmaß. Dazu ständige Streitereien zwischen Sänger und Großmaul Nr. 1 Liam Gallagher und Bandleader, Hauptsongwriter und Großmaul Nr. 2 Noel Gallagher. Irgendwann war dann eben Schluss (endgültig?), im letzten Jahr bewies das Album von Liam mit dem Rest der Band als Beady Eye trotz vereinzelter Highlights klar, wer im Songwriting der wichtigste Mann war.

Und ebenjener unterstreicht jetzt seine Klasse mit seinem Solodebüt. Wobei es solo eigentlich gar nicht trifft. Klar, Noel hat alle Songs alleine geschrieben, aber ansonsten fährt er hier durchaus wieder auf Bandschiene, nur eben zwangsläufig als alleiniger Frontmann (was ihm ja nach aktuellen Aussagen gar nicht so gefällt). Zu den begleitenden High Flying Birds gehören neben der üblichen Instrumentierung auch diverse Bläser, ein paar Streicher und sogar der ein oder andere maschinelle Beat.

Trotzdem bewegt die Musik sich in den Bereichen, in denen der Noel sich auskennt. Zwischen Beatles und Kinks hauptsächlich, mit dem Gewicht auf starkem Songwriting und Melodien für Millionen. Was schließlich zu Songs einer Güteklasse führt, die man bei der Hauptband in dieser Dichte lange nicht mehr gehört hat. Gleich das erste Songquartett trifft viermal voll ins Schwarze: „Everybody’s On The Run“ fährt opulente Streicher und Ohrwurmigkeit deluxe mit einer Prise Morricone-Feeling auf, dass es eine Freude ist.

Danach folgt das erwähnte „Dream On“. Okay, von uns eingangs als billiger Leserköder verwendet, ist das natürlich keine DM-Coverversion, dafür aber der nächste starke, nach vorn drängende Song. Hier zeigen erstmals die Bläser, dass sie eine echte Verstärkung im Klangraum sind. Mit der Single „If I Had A Gun“ gibt es anschließend eine jener feinen Balladen aus der „Wonderwall“-Schule, bevor die nächste Single „The Death Of You And Me“ die Bläser sogar jazzig-karnevalesk (New-Orleans-Style) marschieren lässt.

Zwei Stücke weiter kommt dann aber die eigentliche Sensation des Albums: „Aka… What A Life!“ tanzt mit seinem treibenden Beat doch tatsächlich geradewegs in die Disco. Ein Hit! Davon hätten wir gerne noch mehr! Wer weiß, vielleicht auf dem bereits angekündigten nächsten Album, das Noel Gallagher mit den Anarcho-Psychedelikern Amorphus Androgynous aufgenommen hat.

Zum Schluss hin wird es wieder herkömmlicher, wobei die Songs durchgehend stark bleiben, so dass man schließlich feststellt, dass man mit „Noel Gallagher’s High Flying Birds“ das wohl beste Oasis-artige Album der letzten Jahre in der Hand hält.

(Addison)

P.S. Hier die frischen Konzerttaermine dazu: 04.12.2011 Köln, 08.03.2012 Hamburg, 09.03.2012 Berlin, 11.03.2012 München. Und nun genießt das folgende Kunstwerk von einem Musikvideo:

Noel Gallagher’s High Flying Birds – AKA … What a Life! from verstaerker on Vimeo.

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www.noelgallagher.com
www.facebook.com/noelgallaghermusic

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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