neneh_blankDas ist wohl eine der größten Überraschungen des bisherigen Musikjahres. Nämlich, dass eine Künstlerin, die soeben ihr 50. Lebensjahr vollendet hat, 18 Jahre nach ihrem letzten Soloalbum ein derart starkes Werk vorlegt. TripHop-Fans (und nicht nur die), öffnet die Sektflaschen!

Neneh Cherry kennen viele höchstwahrscheinlich noch von ihren Singlehits „Manchild“ und „Buffalo Stance“. Über 25 Jahre her und beim Wiederhören immer noch ziemlich knackig. Damit war die Stieftochter von Jazzlegende Don Cherry (die schon viel früher mit der Band Rip, Rig & Panic experimentelle Musik machte) plötzlich Popstar. Doch die Künstlerin ging ihre eigenen Wege, und so folgte nach dem Megahit „7 Seconds“ (1994, mit Youssou N’Dour) und ihrem dritten Album 1996 erst mal nicht mehr so viel, die Familie rückte ins Zentrum.

Doch mit Kollegen wie Massive Attack (die ja schon bei ihr wohnen und aufnehmen durften und ihr durchaus einen Teil der Karriere verdanken), Timo Maas oder den Gorillaz gab es immer wieder Kollaborationen, dazu die Mitarbeit am TripHop-Projekt ihres Mannes Cameron McVey (CirKus) und schließlich 2012 das Album „The Cherry Thing“ mit dem Jazztrio The Thing. Und nun, endlich, das „Blank Project“.

Wobei wir oben mit der Ansprache an die TripHop-Fans vielleicht ein wenig in die Irre geführt haben. Denn das, was Neneh Cherry da mit den Brüdern Tom und Ben Page, die sonst als RocketNumberNine eigenwillige elektronische Musik zwischen Kraut, Dance und Tribal-Sounds fabrizieren, sowie Produzent Kieran Hebden (als Four Tet einer der aktuell gefragtesten Elektronikbastler) ausgetüftelt hat, umfasst verschiedenste Genres.

Da fällt gleich zu Beginn der Wille zum Minimalismus auf. Nur Nenehs stets wiedererkennbare Stimme und ein paar sparsame Percussions, mehr braucht „Across The Water“ nicht, um die Aufmerksamkeit zu wecken. Beim Titelsong kommen dann neben deutlich wilderen Drumbeats ein paar Synthiesounds dazu und erweitern allmählich das Soundbild. Das Grundrezept heißt also: Stimme im Vordergrund + Breakbeats + gezielte Elektronikzauberei + x = Magie.

Und das funktioniert beeindruckend, bei ruckelnden Großtaten wie „Naked“ oder dann eben doch in TripHop-Rhythmus verfallenden Stücken wie dem hypnotischen „Spit Three Times“ oder dem aggressiven „Weightless“. Sogar ein waschechter Hit ist enthalten, denn plötzlich teilt sich Neneh Cherry das Mikrofon mit ihrer schwedischen Landsfrau Robyn und kommt mit „Out Of The Black“ heraus aus dem Dunkel (aus dem sie sich nach dem Tod ihrer Mutter vor ein paar Jahren kämpfen musste).

Bis hin zum flotten Fina-la-la-la-le „Everything“ ist Neneh Cherry ein rundum beeindruckendes Comeback gelungen. Da ziehen wir sämtliche Hüte und sagen: Davon hätten wir gerne mehr, und nicht erst in 18 Jahren!

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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