“Und wenn du denkst, du kannst es besser, dann geh doch nahause. So sieht’s aus!” Das ist doch gleich mal ’ne Ansage zum Auftakt. Der Nachlader ist wieder da und balanciert auf seinem zweiten Album gekonnt zwischen Sozialkritik und “Ihr könnt mich mal”-Attitüde, zwischen Gitarre und Elektronik.

Daniel Baumann heißta, der Berliner, der vor fünf Jahren mit seinem Debüt “Bock auf Aphorismen” mit selbstgebasteltem Elektropop, dicken Beats und originellen sloganlastigen Texten einen schönen Achtungserfolg irgendwo zwischen Jeans Team, Christian Kreuz und PeterLicht landen konnte. Und Songs wie “An die Wand”, “Arbeitsgeld” oder “Kontrolle ist…”, die man auch heute noch gut nachpfeifen kann.

Doch dann dauerte es. Und dauerte. Krise der Plattenindustrie und so. Was macht man so in der Zwichenzeit? Na, “Hasch rauchen, Geld brauchen. Schwarzarbeit, viel Freizeit.” (sagt jedenfalls der Text zum fabelhaften Highlight “Hasch”). Irgendwann nahm Baumann alles selbst in die Hand, und nun ist das zweite Album da und ganz schick geworden.

Weiterhin sind die Stücke feinster Pop synthesizergesteuerter Bauart. Aber es hat neben den Maschinen verstärkt echtes Schlagzeug aufs Album gefunden. Und auch so manche Gitarrenspur, was manchen Stücken ein fast punkiges Feeling verpasst. Bei “Soll/Haben” bringt zum Beispiel ein knackiges Riff das wirklich witzige Stück vom Soll ins Haben. Mit “Allein” ist sogar ein fast klassischer Rocksong vertreten.

Ansonsten ist aber viel Pop hier, immer unterfüttert von repetitiven Texten mit viel Wortwitz, mal hintersinnig intelligent wie im Ohrwurm “Komm mit”, mal eher dadaistisch wie im (italo-)housigen “Air Italia”.

Musikalische Verwandtschaften lassen sich neben den bereits erwähnten auch zu Künstlern wie DAF – “Milch und Eier” ist absolut rechtschaffener Erbe des “Mussolini” – oder Deichkind finden, die die bekloppte (und doch recht schlaue) Geschichte vom “Trampolin” mit Sicherheit gleich in ihre legendären Liveshows integrieren würden.

Ein kunstvolles, cooles, witziges, intelligentes Album. Der Nachlader hat nachgeladen oder: “Es geht nicht immer nur Homer, manchmal muss man auch Marge.” Album des Monats!

(Addison)

P.S. Nachlader live: 07.05. Berlin (Acoustic), 13.05. Augsburg, 15.05. Paderborn, 21.05. Halle, 22.05. Rosenheim, 28.05. Münster, 29.05. Mainz


Pommes und Disco

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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