bandMinerve sind seit einigen Jahren als hoffnungsvoller Synthie- und Elektro-Pop Nachwuchs in aller Munde. Ihre Musik liegt irgendwo zwischen Pop und Elektro und bietet neben experimentellen Klängen auch viele eingängige Hymnen. Mit Love Traces haben die beiden Musiker eine Art Werkschau über ihr letztes Album „Sensefiction“ veröffentlicht. Wir haben die Jungs getroffen und ihnen ein paar Fragen zu „Love Traces“ gestellt. Was sie uns sonst noch zu sagen hatten, lest selbst!

Hallo Jungs, ich hoffe ihr habt eure Tournee in Kroatien/Bosnien gut überstanden? Wie war die Resonanz und wie sind eure Eindrücke?

Mathias: Ich bin noch ganz hin- und hergerissen, denn die Eindrücke waren schon sehr umfangreich. Ich meine du reist in ein Land in dem vor zehn Jahren noch Krieg herrschte und wo man trotz dieser langen Zeit bis heute immer noch zerschossene Autowracks oder zerbombte Häuserruinen finden kann. Und wenn man dann direkt vor so einem Haus steht mit all den unzählbaren Einschusslöchern, dann kommt man schon etwas ins Grübeln. Auch konnten wir durch interessante Gespräche mit den Veranstaltern aus erster Hand erfahren, was z.B. die damalige Belagerung Sarajevos wirklich für die Menschen dort bedeutete. Um es mit den Worten eines Einheimischen zu beschreiben: die Leute haben in dieser Zeit alles Schreckliche erlebt, was man an Schrecklichem nur erleben kann. Trotz alle dem waren die Konzerte wirklich klasse – auch wenn uns dort vermutlich kaum einer kannte – aber die Leute verstehen es ordentlich Party zu machen und zu feiern.

Daniel: Man muss auch sagen, dass sich trotz dieser miesen Umstände in Bosnien einiges getan hat. Kleine Bars und wunderbare Cafés glänzen in den Städten und vor allem von dem fantastisch angerichteten Essen kann man gar nicht genug bekommen. Natürlich war mein Highlight dann, als es an die Küste nach Kroatien ging. Da konnten wir tagsüber an der Adria richtig schön entspannen. So könnte für mich jede Tour zu Ende gehen.

Sind dieses Jahr noch weitere Auftritte – vor allem in Deutschland – geplant?

Mathias: Ja, auf jeden Fall. Wir machen gerade ein kleine Erholungs- bzw. Sommerpause und werden dann Ende September die „Love Traces“ – Tour fortsetzen. Hierfür sind sowohl Gigs im Ausland, vor allem in Russland, der Ukraine, Türkei, Mexiko, Weißrussland, Ungarn, aber auch in Deutschland in Planung und teilweise sogar schon bestätigt. Am besten man schaut ab und zu mal unter www.myspace.com/minerveband oder unter www.minerve.de vorbei.

Ihr habt vor allem in Osteuropa eine enorme Fan-Base. Wenn man eure Newsmeldungen verfolgt bekommt man schon den Eindruck, dass es jenseits der Oder besser für euch läuft!?

Mathias: Ich finde, dass wir gerade mit der Veröffentlichung unseres Albums “Sensefiction“ nicht nur in Osteuropa sondern auch in anderen Ländern sehr positive Resonanzen ernten konnten. Dies spiegelte sich auch in den umfangreicheren Konzertbookings wieder, wodurch wir z.B. erstmals in Russland, Frankreich und in der Slowakei spielen durften.

Daniel: Es ist auch so, dass sich die Konzertverhandlungen in Deutschland für mein Gefühl einfach schwieriger gestalten, da Deutschland sehr überspielt ist und die Veranstalter kaum mehr vernünftige Gagen für die Bands austüten, die diese auch zum Weiterspielen brauchen. Du bist im Ausland ein Exot, wirst gebucht und wenn du dir, so wie wir, eine gewisse Fan Base erspielt hast, ist es natürlich toll, wenn auch noch die Leute zu den Konzerte kommen, dich sehen wollen und voll abrocken. Wir haben im Ausland immer gute Erfahrungen gemacht. Das ist so in Deutschland z.Zt. kaum mehr möglich.

Ihr seid seit einiger Zeit nicht mehr bei Eurem ursprünglichen Label, wie kam es zu dem Bruch und wo werdet ihr die nächste CD veröffentlichen?

Mathias: * lacht * Gute Frage und ich denke eine diplomatische Antwort muss in diesem Falle ausreichen, daher kurz und knapp: Dephyte Records und Minerve haben vor einiger Zeit gemerkt, dass eine Zusammenarbeit auf keiner Ebene mehr möglich war und sich daher entschieden, wieder getrennte Wege zu gehen. Wo wir unser nächstes Album veröffentlichen werden, steht noch nicht fest. Anfragen von mehreren Labels gibt es bereits, aber wir möchten erst in Ruhe das neue Material aufnehmen und dann schauen, welches Label am Besten zu uns und dem neuen Album passen könnte.

Nächste CD ist ja auch gleich ein super Stichwort! Ihr habt vor kurzem in Russland mit „Love Traces“ eine Art „Werkschau“ über euer letztes Album ‚Senseficiton‘ veröffentlicht. Darauf findet man neben leicht überarbeiteten Versionen der originalen Songs auch Remixes, die so bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Wurden diese extra für diese „Compilation-CD“ angefertigt?

Mathias: Die überarbeiteten Songs vom “Sensfiction“ Album, lagen zum Teil schon fertig in der Schublade, da wir vom jeweiligen Song immer auch eins zwei alternative Versionen aufnehmen und dann erst kurz vor der Abgabe-Deadline entscheiden, welche Version letztendlich aufs Album kommt. Ähnlich war es bei den Remixen, welche ursprünglich mal für eine EP geplant waren, quasi als Nachbrenner für das „Sensefiction“ Album, die dann aber vom alten Label verworfen wurde. Extra für die Compilation haben wir dann noch die Leute von Altera Forma um einen Remix von „It’s quiet“ bzw. die Jungs von Warp Acht um einen Edit fürs neue Video zu „Take me higher“ gebeten.

Daniel: Wir pflegen eine enge Zusammenarbeit mit vielen Bands auf der ganzen Welt. Es ist für alle immer spannend zu sehen, was beim Produzieren von Remixen entstehen kann, Mathias produziert ja auch einige Remixe für andere Bands. Die besten Stücke wollen wir unseren Fans natürlich nicht vorenthalten und so beschlossen wir, wie auch schon auf der „Different Perspectives“, diese Remixe zusammen mit neuem Material zu veröffentlichen.

Ihr plant auf Grund der guten Resonanz ja auch die Veröffentlichung von „Love Traces“ in Deutschland – gibt es schon ein Datum für die Veröffentlichung?

Mathias: Ja genau. Einige Vertriebe sind an uns heran getreten und wollten das Album gerne auch hier in Deutschland in den Handel bringen. Da aktuell die Verhandlungen mit Q-Code Records noch laufen, kann ich hier keinen definitiven VÖ Termin für „Love Traces“ in Deutschland benennen, aber ich denke mit der Fortführung der Tour im September wird es dann auch bei uns in den Läden stehen. Zeitgleich ist Q-Code Records gerade dabei mit diversen ausländischen Labels Lizenzdeals auszuhandeln, sodass die “Love Traces“ CD demnächst bald großflächig, wenn nicht sogar weltweit erhältlich sein wird.

Mal abgesehen von Love Traces, wo es ja auch einen bisher unveröffentlichten Song drauf gibt – habt ihr schon mit den Arbeiten an neuen Songs begonnen? Werdet ihr dieses Mal etwas mehr organische Instrumente einfließen lassen?

Mathias: Wir arbeiten mittlerweile an einigen ersten Ideen, wobei man sagen muss, dass der neue Song nicht wirklich den Sound wiederspiegelt, welchen man auf dem neuen Album erwarten kann. Für mich ist die Veröffentlichung der “Love Traces“ CD wie eine Art Schnitt. Mit dem neuen Album werden wir sicherlich mehr unserem Livesound gerecht und wir scheuen uns auch nicht neue Elemente wie etwa Gitarren oder echte Drums mit einfließen zu lassen. Versteh mich nicht falsch, es wird immer noch nach Minerve klingen und all unsere Stärken noch besser präsentieren, aber es wird auch mehr…mmmhhh…wie sagt man “right in the face“ sein. (lacht)

Daniel: Abgesehen davon will ich natürlich auch meine Melodiesongs dabei haben, die direkt ins Herz gehen – keine Frage!!!

Wie seid ihr eigentlich zum Musikmachen gekommen? Was war der Stein des Anstoßes?

Mathias: Der Stein des Anstoßes war eigentlich eine Internetanzeige, welche ich in einem Gästebuch oder Forum hinterlassen hatte. (grinst)

Daniel: Da muss ich wohl etwas mehr ausholen. Seit 1992 war ich ja Sänger einer anderen Band, die es leider nie in die hiesigen Charts schaffte. Das war meine Injektion fürs Musizieren. Dann arbeitete ich 2 Jahre im Ausland und musste meine geliebte Musik hinter mir lassen. Als ich dann wieder in Deutschland war und etwas mehr Zeit hatte, suchte ich wieder Anschluss an eine Band. Mathias frickelte zu diesem Zeitpunkt an wunderschönen Melodien und Songs, fand aber niemand Passenden für den Gesang und suchte eben mit dieser Anzeige im Netz gezielt nach etwas Brauchbarem. Ich las das und ein Jahr später veröffentlichten wir „Breathing Avenue“. Von dem Erfolg wurden wir dann überrannt, aber natürlich auch unheimlich für die nächsten Alben gepusht.

Habt ihr musikalische Vorbilder, die euch früher oder gar heute noch inspirieren?

Daniel: Mich inspiriert heute alles, was mich wirklich berührt. Ich kriege dann eine Art Gänsehaut und weiß genau, morgen muss ich dieses Album kaufen. Da kann dann auch alles dabei sein und ich lass mich auch von vielen Musikstilen gerne beeinflussen. Früher war ich z.B. ein absoluter The Cure-Fan und wollte nichts anderes hören, dann kam die Pop-Phase in den 80ern mit Depeche Mode oder Spandau Ballet und jetzt höre ich auch gern mal sehr alternative Musik. Mein letztes Album, was ich mir gekauft habe, ist von der Band „Blumfeld“.

Mathias: Mich kickt eigentlich jede Art von guter Musik, weshalb ich mir von Slipknot bis Bros und von Funkstörung bis Frontline Assembly so gut wie alles reinziehe. Am meisten geprägt haben mich aber immer Depeche Mode – die haben es einfach drauf. Punkt.

Die Musikindustrie klagt ja seit Jahren über Resignation und Stagnation, wie steht ihr zu diesem Thema? Denkt ihr, dass hier nicht teilweise stark übertrieben wird und wie sind eure Erfahrungen mit so genannten „Raubkopien“?

Mathias: Auch wenn ich mich selten damit befasse, so bin ich bei diesem Thema immer etwas hin- und hergerissen und will daher nur mal eins zwei Fragen in den Raum stellen: Wenn ich an all die schicken offiziellen aber leider unveröffentlichten Promo Remixe von z.B. Depeche Mode rankommen möchte, was bleibt mir anderes übrig als den “Sauger“ anzuwerfen? Ebay? Bei den Preisen? Oder warum bringen Bands wie z.B. 2Raumwohnung erst ihre aktuelle CD raus und veröffentlichen einige Wochen später dieselbe CD noch einmal – allerdings aufgepeppt mit ein paar unveröffentlichten Songs und Remixen? Welcher 2Raumwohnung Fan würde sich da nicht verarscht vorkommen?

Daniel: Auch von uns findet man so ziemlich alles illegal im Netz, das hilft uns natürlich kein Stück weiter und wahrscheinlich müssen daher viele Musiker nebenher jobben gehen und haben das Musizieren seitdem zum Hobby erkoren. Ich habe mir beim Saugen einfach zu viele Viren eingefangen und verzichte weitestgehend darauf. Wie schon gesagt, ich kaufe mir das Album, wenn es mir gefällt. Außerdem ist die Qualität von Originalen einfach besser und sie fangen nicht nach dem dritten Hören an zu springen.

Wo denkst du, könnte man als Label bzw. Musiker ansetzen, um bestimmten Entwicklungen auf diesem Gebiet entgegen zu wirken? Der digitale Kopierschutz auf der CD war ja mal gelinde gesagt völliger Mist und eher geschäftsschädigend.

Mathias: Ich denke man kann es auf einen Nenner bringen: Man muss seine Fans und seine möglichen Käufer ernst nehmen. Die Leute sind nicht dumm und wollen auch nicht für dumm verkauft werden. Sinnlose Veröffentlichungen mit 10 Remixen eines Songs braucht kein Mensch. Und jeden Monat hunderte von“Clubhits“-Samplern auch nicht. So ein Quatsch sollte endlich aufhören, denn er lässt Musik zu einem belanglosen Gut verkommen.

Zum Schluss habe ich noch ein paar kleine Fragen an euch…

Welche CD habt ihr zuletzt gekauft?

Mathias: 4tune8 “We are 4tune8, you’re not“, Sono “rmxd”, Gary Numan “Hybrid”

Daniel: Blumfeld – die wo der Apfelmann drauf ist…

Welches Konzert habt ihr zuletzt besucht?

Mathias: Minerve in Sarajavo (lacht)

Daniel: Ich war jetzt am WE auf dem Melotron Konzert, weil es direkt vor der Haustür war.

Was esst ihr zur Zeit am liebsten?

Mathias: Thailändisch bzw. asiatisch.

Daniel: Da ich derzeit eine Diät mache und schon, das muss hier gesagt werden, 6,5kg abgenommen habe, esse ich im Moment am liebsten Vollkornprodukte und viel Salat.

In welchem Land würdet ihr lieber wohnen als in Deutschland?

Mathias: Gute Frage…müsste ich echt mal drüber nachdenken…vielleicht mal Japan oder was mit Sonne.

Daniel: Ich habe ja bereits in Spanien, England und Italien gelebt und kann mir deshalb Österreich sehr gut vorstellen…

Was würdet ihr ändern, wenn ihr die Möglichkeit(en) dazu hättet?

Mathias: Wenn ich könnte würde ich die Gewalt untereinander und gegeneinander einschränken oder gar unterbinden wollen.

Daniel: Wir haben es in Deutschland in den letzten Jahrzehnten versäumt einiges zu ändern und mit der Zeit zu gehen. Ein wichtiger Punkt ist hier das Rentensystem, Allerdings müsste ich die Zeit zurückdrehen, um es den Jüngsten im Alter noch erträglich zu machen, denn die Altersarmut wird in Deutschland in ein paar Jahren ein riesiges Thema sein.

Ich danke euch für die Beantwortung der Fragen und wünsche euch für die Zukunft alles Gute!

Wir danken Dir für dieses Interview und für den tollen Support, welchen wir jetzt schon seit einigen Jahren von Euch bekommen.

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Eine aktuelle Rezension zu „Love Traces“ findet ihr HIER.

Mehr Infos zu Band gibt es unter www.minerve.de

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Kommentare

  1. Raptor242
    1
    8.8.2007 - 13:11 Uhr

    Tolles Interview!
    Scheint sehr entspannt und lustig verlaufen zu sein =)

    Ich würde mich riesig freuen wenn die Jungs mal in NB nen Gig geben würde…auch wenn wahrscheinlich die Fanbase hier nicht der Bringer ist!