mera lunaEinige Wochen sind seit dem 8. M’Era Luna ins Land gezogen. Zeit, eine kleine Rückschau zu halten und das Erlebte zu reflektieren. Wie schon in den Jahren zuvor gab es auch in diesem Jahr Altbewährtes auf einem der größten Gothic-Festivals Europas zu sehen. Schwarz war auch dieses Mal wieder der überwiegende Dress-Code, wobei es durchaus bunte „Exoten“ zu sehen gab.

Wie schon in den letzten Jahren gab es eine Einkaufsmeile, auf der es diverse Devotionalien, CDs, Goodies und natürlich Klamotten zu kaufen gab. Neu war hingegen die „Chill-Out Zone“, die man links von der (großen) Bühne auf dem Festivalgelände aufsuchen konnte und die sich offensichtlich großer Beliebtheit erfreute, jedenfalls waren die vorhandenen Sitzplätze irgendwie immer rattervoll, wenn wir dort aufgeschlagen sind.

Auch wenn das Programm im Vorfeld eher durchschnittlich wirkte und keinen großen Headliner bot, Tool war nun doch etwas deplatziert, was sich auch am Samstag zeigen sollte, sondern eher von den Co-Headlinern lebte, konnte man am Samstag einen Haufen guter Bands sehen.

lolaangstNach einer durchregneten Nacht glich zumindest der Zeltplatz am Samstagmorgen einem einzigen Schlachtfeld, gut dem, der in der Nähe wohnte oder ein Hotel bevorzugte, das ersparte einem dann doch die vollgematschte Kleidung.
Für uns begann der Samstag mit den Punk-Elektronikern von Lola Angst, die mit ihrer alten Kirchenorgel und zwei Ballerinas im schwarzen Tütü die Main Stage stürmten und ihren Synthie-Electro-Pop-Pogo den Massen präsentierten. Im Hangar sorgten Down Below mit ihrem Goth-Pop-Rock vor nahezu vollem Haus für die ersten rockigen Klänge des Morgens. Wie schon auf dem Amphi Festival konnten Neo.Scope und Kollegen schnell begeistern und lieferten einmal mehr eine beeindruckende Show ab. down below

Nach einer kleineren Pause für uns stand dann Tom Shear alias Assemblage 23 auf dem Programm, der mit seinem sechsten Album „Meta“ ein echtes elektronisches Highlight in diesem Jahr veröffentlicht hat. Doch zur Überraschung aller Anwesenden vor der Hauptbühne betraten zunächst CLIENT die Main Stage. client Die drei Ladies aus England sprangen kurzerhand für Tom ein, da dieser sich noch auf der Autobahn befand und daher dessen Auftritt etwas nach hinten verschoben werden musste. Zusammen mit ihrer neuen Bassistin und Nachfolgerin von Client E gaben Kate und Sarah einmal mehr Hits wie Radio, Pornography, Here and Now oder die aktuelle Single Drive zum Besten. Garniert wurde auch dieser Auftritt mit der gewohnten Prise „Sex“. Leider wirkten die drei sympathischen Damen trotz eines soliden Konzerts auf der großen Bühne etwas allein gelassen.

assemblage 23Nach einer weiteren Umbaupause stürmte dann Tom Shear mit einer komplett neuen Live-Crew, Daniel Myer (u.a. Haujobb) und Dr. T (Faderhead), die Bühne. Mit alten Hits wie Let The Wind Erase Me oder Opened, sowie neuen Krachern wie Raw und Madmans Dream konnte Assemblage 23 schnell die Gunst der Fans gewinnen und lieferte eine überzeugende Show ab.

covenant
Es folgte mit Covenant das erste große Highlight des Tages. Verstärkt durch Daniel Myer (der sich nur schnell umzog) an den Drums und dem Keyboard donnerten Eskil und Joakim mit einem der großen Klassiker los: „Der Leiermann“. Die Menge feierte schon bei den ersten Klängen mächtig ab. Es folgten weitere Hits wie Call The Ships To Port, Bullet, Ritual Noise und We Stand Alone. Bei „The Men“ und Ritual Noise legte sich Herr Myer an den Drums mächtig ins Zeug und bescherte den Fans ungewohnt dynamische Versionen der beiden Tracks, was auch einen fetten Extraapplaus für ihn zur Folge hatte.

Nach Covenant war dann erstmal Schluss mit elektronischen Klängen auf dem Festivalgelände. Etwas später vergnügte sich dann Emilie Autumn samt „Puppentheater“ auf der kleinen Bühne. Mit ihrer durchgestylten Band und einem Mix aus Electro-Rock-Pop versuchte sie die nach und nach schwindende Masse im Hangar zu halten, was ihr leider nur bedingt gelang. Sicherlich tat hier auch der teilweise miese und viel zu laute Sound sein Übriges. Fürs Auge bietet Frau Autumn jedenfalls mehr als genug.

steveMit And One stand dann der eigentliche Headliner des Abends an. Mit einer Depeche Mode Coverversion von FOOLS eröffneten And One eine 75-minütige Party, die sich gewaschen hatte. Neben diversen Hits aus der gesamten Schaffensphase gab es auch den so zelebrierten Bodypop auf die Lauscher. Größte Überraschung im Set war allerdings die Pitchfork „Coverversion“ von Timekiller. Steve gab sich redselig und scherzte mit dem Publikum. Mit diesem Auftritt dürfte sich die Band einmal mehr ein Denkmal gesetzt haben.

Im Hangar stand dann noch der dortige Headliner des Abends auf dem Programm: Suicide Commando. Leider haben die Verantwortlichen mit der Entscheidung, die Band dort spielen zu lassen, mächtig daneben gegriffen. Der Andrang war derartig groß, dass man geradezu erdrückt und auch wieder aus der Halle rausgedrückt wurde. Vom eigentlichen Auftritt bekamen wir daher rein gar nichts mit. Schade!

Derweil präparierte man die Hauptbühne mit diversen Leinwänden, damit der groß angekündigte, aber in meinen Augen völlig deplatzierte Headliner Tool loslegen konnte. War es vor der Hauptbühne bei And One noch brechend voll, konnte man ohne größere Probleme bei Tool durch die deutlich geschrumpfte Menge wandern. Hier hat man weder der Band noch den Fans einen echten Gefallen getan. Tool ist einfach zu untypisch für diese Art von Publikum und gehört daher auf ein Festival wie das Highfield o.ä. . Schade.

dioramaAuch am Sonntag blieb das sonnige Wetter dem Festival hold und Temperaturen jenseits der 25°C ließen die Festivalbesucher schwitzen. Der Sonntag stand auf der Hauptbühne überwiegend im Zeichen des (Goth-) Rocks. Mit Bands wie Krypteria, The 69 Eyes oder Lacrimas Profundere gab es auch ordentlich was auf die Ohren. Im Hangar gab es schon ab dem frühen Mittag mit Proceed, Implant, Angels of Agony und 32Crash (Nebenprojekt von Front 242) EBM bzw. Electro zu hören. Leider war auch an diesem Tag der Sound wieder ziemlich bescheiden und viel zu laut, was sich insbesondere bei dem sonst sehr genialen Auftritt von Diorama bemerkbar machte.

iamxMit IAMX gab es gen Abend dann einen weiteren, sehr speziellen Act zu sehen. Chris Corner überzeugte nicht nur mit seiner extravaganten Musik, sondern auch durch seine spezielle Show. Abgerundet wurde der Sonntag im Hangar dann durch die „alte Lady“ des Electro: Anne Clark.

Auf der Main Stage spielten parallel zu IAMX Deine Lakaien mit der Neuen Philharmonie Frankfurt. Wer dieses besondere Konzert bereits im Frühjahr auf der Hallentournee erleben konnte, war vom M’era Luna Auftritt wohl eher etwas enttäuscht. Ab einer gewissen Entfernung war teilweise gar nichts mehr zu verstehen. Seinen Unmut über die Überschneidung mit IAMX brachte Alexander Veljanov kurz nach Ende des Konzertes im Hangar ebenfalls zum Ausdruck. Auch hier hätte man seitens des Veranstalters eine andere Lösung finden müssen. Sei es bzgl. der viel zu leisen Lautstärke oder wegen der doch störenden Überschneidung.
Beschlossen wurde das M’era Luna 2007 durch eine Art Reunion Gig von „The Jesus And Mary Chain“. Für die Ü40 Generation war dies sicherlich ein denkwürdiger Moment, leider teilte der Großteil der jüngeren Besucher diese Meinung nicht ganz.

Im Vergleich zu den Vorjahren gab es lt. Pressemail einen Besucherrückgang, was seitens des Veranstalters mit dem Programm und der gesteigerten Konkurrenz (Amphi Festival + WGT etc.) begründet wurde. Tatsächlich dürfte der Hauptgrund wohl in dem Line-Up liegen. Es gab zwar interessante Bands zu sehen, dennoch fehlte irgendwo das gewisse Etwas – der große Headliner. Man darf auf das nächste Jahr gespannt sein, wenn zum 9. M’era Luna nach Hildesheim gebeten wird!

Alle Fotos C. by www.black-cat-net.de (Daniela Vorndran)

www.meraluna.de

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