melt09 Man hat uns ja wieder zappeln lassen. Doch nun sind sie da, die ersten Namen zur zwölften Auflage. Und Oasis, Bloc Party, Digitalism, Simian Mobile Disco, Klaxons, The Faint, Trentemøller oder James Yuill verheißen erneut Vielfalt. Zum Vergleich im Anschluss unser Bericht vom Vorjahr.

Man spricht 2009. Also zunächst in aller gebotenen Kürze die ersten Namen, Details folgen:

Aphex Twin + Hecker* | A Critical Mass (feat. Henrik Schwarz, Âme, Dixon Live) | Matias Aguayo | Baddies | Kasper Bjørke | Bloc Party | Bodi Bill | Bonaparte | Boy8Bit | Caribou* | Digitalism (live)* |

Diplo* | Jochen Distelmeyer* | DJ Phono | The Dodos | Ellen Allien | The Faint | Filthy Dukes | Foals | Sascha Funke | Jazzanova Live! | Paul Kalkbrenner | Markus Kavka | Kiki | Klaxons* |

Mediengruppe Telekommander | Mikroboy | Hudson Mohawke | MSTRKRFT | Mujava | The New Wine | Oasis* | Pilooski | Simian Mobile Disco (live)* | Luke Slater (live) | Super 700 | Tobias Thomas | Trentemøller (DJ-Set)* | The Whitest Boy Alive | WhoMadeWho | James Yuill | Zander VT

(* only festival appearance in Germany)

Karten kosten im VVK 70 € (2-Tages-Ticket), bzw. 90 € (3-Tages-Ticket).

Mehr Infos hier: www.meltfestival.de

Schließlich hier zur Einstimmung und Vorfreude noch einmal der Rückblick auf das Vorjahr:

Zwischen Kränen und Baggern, Sonne und Regen, Blitz und Donner, Masse und Klasse – Melt! Nr. 11, Extreme galore.

Freitag. Angekommen, aufgebaut, ausgetrunken. Also: auf dem Gelände, das Zelt, das erste Bier. Wetteraussichten so mittel. Vorfreude groß.

Während hinten an der Big Wheel Stage der ehrenwerte Markus Kavka mit einem seiner minimalistischen DJ-Sets das Festival eröffnet, schlendern wir gemächlich zum Einlass. Der verläuft für uns unproblematisch, später berichten jedoch einige von ziemlicher Enge und Gedränge zu Stoßzeiten aufgrund organisatorischer Mängel.

Zunächst wollen wir den neu gestalteten Melt!Klub besuchen, der in eine vorgelagerte Halle platziert wurde. Fazit hierzu: Idee gut, Umsetzung durchwachsen. Ein- und Ausgangsbereich sind zu eng und überschneiden sich, was später – bei von vielen gefragten Acts wie Rummelsnuff oder The Whitest Boy Alive – zu unangenehmen Situationen führt. Drinnen hat es den passenden Charme einer Industriehalle, allerdings ist der Sound kein Vergnügen. Trotzdem ist der Auftritt von Ladyhawke ein prima Auftakt. Die Neuseeländerin zitiert sich mit großer Detailfreude zwischen Cyndi Lauper und Gary Numan quer durch die 80er und hat einige Ohrwürmer dabei.

Wir wechseln zur zweitgrößten Bühne, der Gemini Stage. Auch diese wurde verlagert, aus dem Zentrum heraus, keine Lärmbeeinträchtigung von der Hauptbühne mehr. Nun unter einem Zeltdach fast direkt am Strand des Gremminer Sees. Sehr schön. Hier wird es oft sehr voll werden und dann bebt der (Holz-)Boden gewaltig (muss man halt den Rhythmus halten können). Late Of The Pier testen das gleich mal. Die jungen Briten rocken und raven eine Menge aus ihren Computern hervor. Oft erkennt man kaum, wann der eine Song aufhört und der andere anfängt. Wie ein knackiges Set eben. Etwas später (zwischenzeitlich haben wir uns gestärkt, in kulinarischer Hinsicht hebt sich das Melt! Mit seiner Qualität und Vielfalt weiterhin wohltuend vom Gros des Festivaleinheitsbreies ab) sind wir bei Klee vorn dabei. Die Alben sind nicht immer spannend, aber live sind Suzie & Co. Eine Bank und Melt!-Institution. Der Boden bebt tatsächlich, Suzie ext ihr Beck’s, alles gut. Und draußen geht ein gewaltiger Wolkenbruch hernieder, nicht der letzte leider.

Dadurch ist auf der Hauptbühne auch der Zeitplan völlig verrutscht und Teile von uns verpassen leider Kate Nash (die aber ihren niedlich-bissigen Pop angemessen herüberbringt), dafür gibt’s im Zelt Zoot Woman und die sind wider Erwarten großartig. Wider Erwarten, weil das, was Stuart Price als Produzent für andere leistet, zum Teil gruselige Auswüchse angenommen hat (Madonna, Killers). Doch hier ist man auf den Punkt. Glasklare Synthesizer, saubere Elektropophits, auch die neuen Stücke versprechen für 2009 ein Album-Highlight.

Im Anschluss ein grober organisatorischer Schnitzer und eine herbe Enttäuschung: Die heiß erwarteten Hercules And Love Affair lassen erst ewig auf sich warten und treten dann gar nicht auf (statt dessen ein eher mittelprächtiges Set von Alter Ego). Dazu gibt es keinerlei Durchsage des Veranstalters (die Band konnte aufgrund einer unglücklichen Verkettung von Umständen übrigens nichts für ihren Ausfall), die Fans werden buchstäblich im Regen stehen gelassen.

Zum Glück gibt es die Editors. Die spielen auf der Hauptbühne ihren gewohnt gefühlvollen Düster-Rock-Pop (oder so) in gewohnt gefühlvoller Form, mit Tom Smith in Bestform und -stimme.

Wir sind nicht mehr die Jüngsten und vertragen auch nur noch flüssige Drogen, daher ist Drei-Tage-Wach-Sein (leider eine Losung, die vorher beworben wurde und die so einige Besucher mit exzessivem Druffsein umsetzen) kein Motto für uns und wir schlurfen daher im Anschluss schon weit vor Sonnenaufgang zum Zelt. Uns entgehen u.a. starke (Hörensagen!) Auftritte von Miss Kittin & The Hacker, Booka Shade und Ellen Allien.

Samstag. Aufstehen, Zähne neben dem Zelt putzen, Ekel. Nein, nicht Karius und Baktus, sondern eher Kacktus. Direkt neben (Glück im Unglück?) unserer Behausung, ein echter Fünfpfünder eines echten menschlichen Dreckschweins. Leute gibt es! Am folgenden Abend werden wir feststellen, dass die schlaue Idee, die eigentlich für ein Festival sehr guten und recht sauberen Toilettenhäuschen nachts abzusperren (und von einem dieser meist hirnbefreiten Security-Kurzhaarigen bewachen zu lassen), solchen traurigen Taten Vorschub leistet.

Egal, Schmutz entsorgt, Frühstück gemacht, erstes Bier vernichtet Laune wieder prima. Wetter weiter wechselhaft.

Am späten Nachmittag zaubert PeterLicht seine weisen Lieder über Melancholie und Gesellschaft auf die Bühne. Macht er wie immer prima. Ein kluger Texter ist das.

Noch mal in den Melt!Klub. Eine wilde Horde Norweger sollte man unbedingt mal gesehen haben und zukünftig im Auge behalten. Kakkmaddafakka (Was ein Name!) zünden eine spaßige Partygranate nach der anderen und sind Grund für viele grinsende Gesichter.

Die nicht schaden können bei diesem Mistwetter. Das sonst sonnenverwöhnte Melt! kriegt es dieses Jahr ordentlich ab. Ein weiterer dieser Regenstürme (nebst saftigem Gewitter) nässt uns ganz schön durch, so dass wir im Anschluss The Notwist nur aus der geschützten Überdachung des Festivalrestaurants erleben. Die Friendly Fires entdeckt der Autor erst nach dem Melt! und missachtet sie leider sträflich, zum Klub ist wie angedeutet kein Durchkommen mehr. Also etwas herum geschlendert, der „Österreichische-Powerbrause“-MusicAcademy Floor knallt sonst viel Drum’n’Bass und heute reichlich brasilianischen Baile Funk auf die Ohren, hochinteressant.

Doch der Regen legt sich und wir wollen auf der Mainstage die guten alten Stereo MC’s feiern. Und das ist angebracht. Rob Birch und Kollegen haben ein starkes neues Album dabei und donnern der Menge saftige (Break-)Beats um die Ohren. Dazu der Mann, der in der Kniekehle geht und zahlreiche alte und neue Hits – ein überraschendes Highlight.

Ein erwartetes Highlight erfüllt danach die Erwartungen – Franz Ferdinand sind da, rocken elegant und zackig wie gewohnt und deuten mit einigen Elektro-Sperenzchen leichte Soundveränderungen fürs kommende Album an.

Und danach geht es noch besser: Róisín Murphy war schon mal hier, hat mittlerweile zwei Soloalben und ist immer noch die beste Bühnenfrau weit und breit. Tanzend, singend (Hach, was für eine großartige Stimme!) und auch optisch, mit einer faszinierenden Temposhow nebst ca. einem Dutzend Kostümwechseln (gern auch während der Nummer). Der Höhepunkt des Melt!

Mehr geht nicht, also trollen wir uns , es geht ja auch auf Fünf Uhr zu. Heute entgeht uns v.a. ein wohl sagenhafter Auftritt von Boys Noize.

Sonntag. Früher hieß das, Chillen, Packen, Abreisen. Doch das Melt! Ist um einen Tag gewachsen, also heißt das Chillen, von netten Zeltnachbarinnen Bücher Probelesen (Feuchtgebiete, passend zum Wetter und lustig, wenn man es sich gegenseitig vorliest, sonst vergessenswert), Weitertrinken, endlich die Sonne begrüßen.

Heute wird (abgesehen vom Rund-um-die-Uhr Sleepless Floor und ein paar DJ-Sets) nur noch die Hauptbühne bespielt, alles ist etwas entspannter und der durch die Umbauten große Platz vor der großen Bühne wird zum Ende hin endlich mal richtig voll. Wir erfreuen uns an schamlos cheesigem 80er-Pop von Neon Neon, bewundern den deutschen Newcomer Get Well Soon und seine schiere musikalische Klasse und ärgern uns ein wenig, dass Hot Chip offensichtlich von einem Praktikanten soundtechnisch betreut werden, was die Band, die sonst phänomenale Live-Auftritte hinlegt, heute nur gut (und recht kurz) sein lässt.

Zum Schluss dann noch ein richtig großer Name – Björk. Die leicht verrückte Isländerin hat ein 15-köpfiges Ensemble dabei. Und eine beeindruckende Licht-, Laser- und Bühnen-Show, die trotz erwartet verschrobener Songauswahl zu begeistern vermag.

Ende, Aus, Schlafen, Abreisen. Dieses Melt! hatte so seine Tücken und gibt dem Veranstalter ein paar dringende Hausaufgaben für 2009 auf. Wenn die gut gelöst werden, bleibt das musikalisch wertvollste jedoch auch weiterhin Deutschlands bestes Festival.

(Addison)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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