melt08 Vom 18.-20. Juli geht in Ferropolis bei Gräfenhainichen das 11. Melt!-Festival über die Bühnen. Ein auserlesenes Line-Up (Björk, Franz Ferdinand, Hot Chip, Editors, Roisin Murphy, Booka shade, Zoot Woman und viele mehr) zwischen den Polen Electro und Indie wird die Fans im stimmungsvollen Ambiente begeistern. Wir sprachen mit dem für das Booking hauptverantwortlichen Stefan Lehmkuhl.

Gleich mal zum Thema musikalische Ausrichtung: Habt ihr euch dieses Jahr gezielt ein bestimmtes Konzept überlegt, das Line-Up sieht ja doch ein bisschen anders aus als letztes Jahr?

Inwiefern würdest du sagen, dass es anders aussieht?

Die (gelungene) Mischung aus Electro und (Indie-)Rock ist ja sicher grundsätzlich gegeben. Letztes Jahr gab es aber auch relativ viel Hip Hop, was dem einen oder anderen sicher nicht so gepasst hat. Davon ist dieses Jahr deutlich weniger dabei.

Im Prinzip, würde ich sagen, sind wir unserer Linie treu geblieben. Eine gute Mischung, bei der für jeden etwas dabei ist, ein inhaltlich anspruchsvolles Programm, Qualität vor Genre, sage ich immer. Das ist auch keine bewusste Entscheidung gegen Hip Hop. Zumindest im Bereich der „kleineren“ Namen haben wir sicher einige hip-hop-affine Stränge. Miss Platnum, die Mitchell Brothers, der Drum’n’Bass-Bereich, Dubstep, Baile Funk, der brasilianische Floor (u.a. mit Bonde de Role), das Metalheadz-Special usw.. Also gebrochene Beats in mehr Varianten als je zuvor.

Gravierend ist ja in diesem Jahr die Änderung im Ablauf. Der Sonntag kommt als voller (oder fast voller) Tag dazu. War das grundsätzlich geplant, oder ist man über Björk darauf gekommen?

Das war für uns immer schon eine Option, aber wir haben gesagt, dass wir das nur machen, wenn wir einen entsprechenden Act finden, für den wir dann sozusagen den dritten Tag öffnen. Björk hätten wir auch am Samstag haben können, aber es war eine bewusste Entscheidung, das auf den Sonntag zu verteilen. Erstens um nicht während des Festivals den Focus auf solch einen Mega-Headliner zu lenken, was vielleicht auch den anderen Bühnen nicht gut bekäme. Zweitens aus finanziellen und sozialverträglichen Aspekten. Wir wollten den Leuten die Wahl lassen, ob sie für einen Headliner wie Björk mitbezahlen wollen. Hätten wir Björk auf den Freitag oder Samstag gelegt, hätten wir auch den Preis für das Zweitages-Ticket massiv anheben müssen. So haben wir die faire Lösung, den Leuten das Melt! in alter Form zum fast gleichen Preis wie im letzten Jahr anzubieten. Und wer will, kann den Sonntag dazubuchen.

Das finde ich auch gut gelöst. Zu den Headlinern: Björk ist klar, Hot Chip sind Co-Headliner am Sonntag, dann Franz Ferdinand als Headliner am Samstag. Wer ist noch als Headliner gedacht, oder steht da noch etwas an?

In dieser Form steht nichts mehr an. Viele fragen nach dem Headliner für Freitag. Ich denke, wenn man sich das Programm der letzten Jahre anschaut, kann man auch nicht davon ausgehen, dass jetzt am Freitag noch ein Riesenname dazukommt. Mit Björk und Franz Ferdinand sind wir schon besser bestückt denn je, und am Freitag haben wir ein sehr starkes Programm, wo ich gar keinen klaren Headliner definieren kann. Eigentlich sind das alles potentielle Headliner, ob das die Editors, Kate Nash, dEUS oder vielleicht auch Adam Green sind, daher ist das Freitagsprogramm auf der Mainstage durchgängig stark besetzt. Vom momentanen Ablauf her sind es wohl die Editors.

Ihr habt ja so einen gewissen Spaßbereich dabei, der ein paar Acts beinhaltet, für die ihr sicher nicht nur freundliche Worte erntet. Wenn man da Technotronic sieht oder auch Alexander Marcus, der z.B. letztens als Support von And One ordentlich einstecken musste. Wie seid ihr auf so etwas gekommen?

Ach, so was machen wir traditionell sehr bewusst. Im Booking steht auch die Suche nach einem Spaßact immer ganz oben auf der Liste. Da waren Laid Back – obwohl das natürlich irgendwo auch alte Helden sind – oder letztes Jahr Snap. Viele dachten, Deichkind hätten die mitgebracht, aber die Initiative zu so etwas geht schon von uns aus. Dieses Jahr wird das noch etwas weiter gedacht. Technotronic spielen ja mit Uffie und Feadz. Das wird bestimmt sehr lustig. Wir haben keine Sorge, dass da jemand „Buh“ ruft. Wenn man sieht, dass Feadz in seinen DJ-Sets oft alte Technotronic-Sachen remixt oder „Pump Up The Jam“ derzeit in vielen Sets häufig gespielt wird. Feadz wird also auflegen, Uffie ist zwischendurch auf der Bühne, wie man das bei den beiden kennt, und irgendwann performen dann auch noch Technotronic dazu. Wird sicher eine einmalige, besondere Sache. Ansonsten kann ich mir bei Alexander Marcus durchaus vorstellen, dass er zu einer späteren Uhrzeit auch beim Melt! seine Anhängerschaft finden wird. Wir wären sogar aufgeschlossen, irgendwann mal Scooter beim Melt! zu haben.

Etwas ganz anderes: Wisst ihr denn, in welcher Besetzung Hercules And Love Affair auftreten werden?

Du meinst sicher, ob Antony dabei ist. Leider nicht, der ist bei keinem der Auftritte dabei. Aber ich denke, man kann von der Hercules-Show Großes erwarten. Ich weiß, dass die mit 12 Leuten unterwegs sind, acht auf der Bühne, ein komplettes Live-Set also.

Eine andere Band, die sich mehr oder weniger selbst ins Gespräch gebracht haben soll, sind The Whip. Ist da was dran?

Das ist lustig, ich habe das auch gelesen. Weiß gar nicht, wie die drauf gekommen sind, aber die sind nicht dabei. Wobei sie natürlich schon sehr gut zu uns passen würden, aber in der Richtung sind wir mit Late Of The Pier oder Friendly Fires sicher auch gut besetzt.

Ein weiterer, größerer Name, den du vor zwei Jahren am Ende des Interviews als Wunschtraum bezeichnet hattest, sind Portishead, die ja nun gerade groß zurückgekehrt sind. Stehen die irgendwann noch im Plan?

Die sind natürlich jederzeit herzlich willkommen. Leider haben sie sich in diesem Jahr nahezu grundsätzlich gegen Festivalauftritte entschieden. Zu den einigen wenigen gehören wir leider nicht, das finden wir auch schade. Da hat das Künstlerumfeld uns wohl leider nicht als eines der speziellen Electro-Festivals realisiert, wobei sie sich mit dem Primavera sicher für ein gutes entschieden haben. Uns wurde leider sehr frühzeitig abgesagt, aber wir werden uns da sicher für die Zukunft weiter bemühen. Wie ich schon früher mal gesagt habe: Booking ist kein Wunschkonzert.

Wird es beim Festivalgelände wieder Veränderungen geben?

Da wird es einige Änderungen geben, ich verweise auf den Geländeplan, der demnächst auf unserer Homepage stehen wird. Z.B. ist das Coca-Cola-Soundwave-Zelt nicht mehr dabei, diese Bühne wird in eine bisher nicht genutzte Halle verlegt. Wir werden auf jeden Fall Flächen nutzen, die bislang nicht genutzt wurden. Ich glaube, wir haben da eine noch bessere Lösung als in den letzten Jahren gefunden, die alles auch noch ein bisschen entzerren wird. Das Gelände wird also etwas vergrößert und sich nicht so überlaufen anfühlen.

Einer der wenigen Kritikpunkte des Vorjahres: Auf dem Gelände, speziell rund um den Biergarten, lag doch arg viel Müll herum. Wie sieht es mit Verbesserungen aus?

Alles, was nicht optimal lief, wollen wir natürlich verbessern. Da wird an Müllkonzepten gearbeitet. Wobei wir da die Leute, speziell auf dem Campingplatz, auch zur aktiven Mithilfe auffordern.

Apropos Zeltplatz: Die Frage ist hier, warum man das nicht so löst, die Bändchenverteilung schon dort zu platzieren. Was evtl. den Vorteil hätte, dass auf dem Zeltplatz keine Leute mehr herumlaufen, die mit dem Festival gar nichts zu tun haben, Leute, die auch eher unangenehm aufgefallen sind.

Das Problem sehen wir auch mit Sorge und überlegen an besseren Lösungen. Dabei wäre die Bändchenverteilung aber nur eine Lösung, wenn man das Campingareal so einzäunen würde, dass man nur noch mit Bändchen drauf kommt (so hatten wir es mal zu Anfangszeiten). Das wäre aber einerseits der Atmosphäre nicht so zuträglich und bei der riesigen Fläche dort auch logistisch schwierig. Wir raten den Leuten dazu, hier auch selbst ein bisschen aufzupassen, Wertsachen nicht im Zelt liegen zu lassen. Wir arbeiten an einer besseren Möglichkeit der Wertsachenaufbewahrung. Dann sollten die Leute auch ein bisschen wachsam sein, auf den Nachbarn achten und notfalls der Security Bescheid geben, wobei man eben nie absolute Sicherheit garantieren kann.

Zurück zum Gelände. Ist hinsichtlich der Lichtshow wieder ähnlich Spektakuläres wie im letzten Jahr zu erwarten?

Absolut. Letztes Jahr war zwar das Zehnjährige und somit etwas Besonderes, aber das hat uns auch selbst so gut gefallen, dass wir da bestimmt wieder herumexperimentieren werden, ein paar neue Sachen ausprobieren wollen. Im Optimalfall wird das noch besser als im letzten Jahr aussehen. Man lernt ja immer dazu, die Technik (LED, Pyro, Laser…) entwickelt sich weiter. Also da wird es wieder einiges zu entdecken geben, wenn man sein Auge über das Gelände und die Bagger schweifen lässt.

Zum Schluss noch ein Lob für das wieder einmal großartige Line-Up! Wie läuft der Vorverkauf?

Danke, danke! Sehr gut. Wir raten den Leuten auch durchaus, sich die Tickets im Vorverkauf zu besorgen.

Mit wie vielen Besuchern rechnet ihr?

Es wird wohl noch einen Zuwachs geben, die Kapazität liegt bei 20.000. Wir wissen auch, dass immer danach gerufen wird, nicht zu groß zu werden, und achten darauf, dass die Geländeplanung dafür sorgt, dass es da nicht zu voll wird. Das hat bisher sehr gut geklappt.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für das diesjährige Melt!

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Das Interview führte Addison.

Tickets gibt es für 85 € (Fr-So), 65 € (Fr-Sa) oder 45 € (nur So).

www.meltfestival.de

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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