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Die traurige Nachricht zuerst: Die Mediengruppe macht Schluss. Nach zehn Jahren des Rebellierens im Fach Elektro-Polit-Punk-Pop reicht es den beiden Herren. Die gute Nachricht: Mit ihrem letzten Album geben sie noch mal anständig Gas und zugleich den Startschuss für ein neues Label.

Am Anfang war das noch echt originell, was Gerald Mandl und Florian Zwietnig auf die Menschheit losließen. Vor allem das Debüt „Die ganze Kraft einer Kultur“ atmete ein bisschen die kulturelle Revolution. „Trend“, „Kommanda“ oder „Bis zum Erbrechen schreien“ lieferten Parolen zum Mitbrüllen zu knochentrockenen Beats und Sounds. Medien- und Gesellschaftskritik, direkt, geschickt umgesetzt und gerade noch verdaulich.

Doch mit den beiden Nachfolgealben zeigten sich bereits Ermüdungserscheinungen. Die im nahezu immergleichen (und auf Dauer dann eben durchaus anstrengenden) Sprechgesang vorgetragenen Texte waren zwar immer noch bissig, brachten aber keine völlig neuen Erkenntnisse. Und die Musik wiederholte sich auch zunehmend. Heutzutage bedient dieses musikalische Feld zudem die Truppe vom Audiolith-Label in all ihren Auswüchsen (von komplett nervig-prollig bis zu intellektuell feierwütig). Irgendwie passend, dass sich zum Schwanengebrüll, äh, -gesang der Mediengruppe ein neues Label aus der Kombination von Staatsakt und eben Audiolith bildet – dieses Album ist die Nummer 001 auf Audioakt, wir sind gespannt, wie es da weitergeht.

Auf „Die Elite der Nächstenliebe“ gibt es nun noch einmal das, was die Telekommander ausmacht: Giftige Texte, die man morgen schon auf dem Campus und anderswo zitieren kann, trockene Maschinendrums und (Retro-)Synthies. Das gewinnt keine Innovationspreise mehr, erreicht aber vor allem durch die gelungenen Sounds endlich wieder die Klasse des Debüts, zumindest streckenweise.

So überzeugen gleich bei „Auf der sicheren Seite“ die Oldschool-Synthies, während man die Texte hört/liest und „So isses“ murmelnd nickt. Mit „Billig“ gelingt sogar noch mal ein richtig herausragendes Stück mit Hitqualitäten (und einem herrlichen Trash-Zombievideo, s.u.). Auch beim Demonstranten-Soundtrack „Draufhalten“ gefallen insbesondere die klaren Synthesizer.

Später wird bei „Nehmen“ ein wenig Dub ins Spiel gebracht, der Titelsong fährt dicke Elektrowände auf und am Ende rennt man gegen ein „Stoppschild“, und das war’s mit der Mediengruppe Telekommander. Ein würdiger Abgang, mal sehen, wo der Audioakt zukünftig Akzente setzt.

(Addison)

P.S. Die CD gibt’s mit Bonusmaterial (nämlich den ersten beiden EPs der Band) und auf Tour sind sie auch (die Daten stehen auf der Homepage der Band).

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www.mediengruppe-telekommander.de
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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. Courtyr
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    12.10.2011 - 17:38 Uhr

    … die waren von Anfang an schlimm. Gott sei Dank ists vorbei ;-D

    Einmal Vorprogramm bei den Sportfreunden vor etlichen Jahren löst noch heute Gruseln aus…

    … jaja ich weiss, die Sportfreunde sind auch nicht die Elite der Indiekunst, machen aber einfach Spass…