Berlin, Magnet Club, 18.06.2010: Die gute alte Konzertreihe namens Introducing ist wieder da. Das ist schön. Noch schöner ist nur die Besetzung des heutigen Abends. Gleich drei Acts dürfen nahezu gleichwertig den Magnet-Club ins Schwitzen bringen. Jener ist ja letztens aus dem Prenzlauer Berg weggezogen – wie so viele, jetzt, wo dort nur noch lärmempfindliche Familien Zugezogener wohnen…

Aber man hätte es schlimmer treffen können als hier, in der Falckensteinstraße unter der Warschauer Brücke, an der Grenze zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, da, wo das neue Zentrum des Clublebens der Hauptstadt tobt, mit Lido & Co. in der unmittelbaren Nachbarschaft. Außerdem ist der neue Magnet schick geworden. Verwinkelte Räume, drei Floors, nicht zu groß, nicht zu klein. Nun muss nur noch die passende Musik geboten werden.

Den Auftakt macht Roman Fischer. Der Songwriter, seit längerem aus Süddeutschland nach Berlin eingewandert, stellt heute Songs seines neuen (unbetitelten) Albums vor. Wer das feine Vorgängerwerk „Personare“ kennt (von dem es auch einige Stücke gibt), staunt ein wenig, wie druckvoll die neuen Sachen daherkommen. Mit Band im Rücken weicht der oft introspektive Pianopop des Vorgängers einem dynamischeren Sound mit oft – wie die aktuelle Single „Into Your Head“ beweist – sehr eingängigen Songs, rockig und elektronisch. Gelungener Auftritt.

Nachdem man sich ein wenig die Tanzbeine auf den beiden anderen Floors vertreten hat, kommt der Hauptact des heutigen Abends. Für uns jedenfalls. Der aktuelle Inhaber unseres „Album des Monats“-Titels, James Yuill, präsentiert sein just an diesem Tag in Deutschland erscheinendes (im Rest der Welt erst am Montag darauf, wie er dem stolzen Publikum versichert) „Movement In A Storm“. Das Album (und den nicht minder tollen Vorgänger) haben wir ja ausgiebig lobgepriesen. Aber wie steht es um die Livequalitäten?

Nun, die sind ausgezeichnet. Yuill schlendert zu Beginn entspannt auf die Bühne, schütteres Haar, Brille, Gitarre auf dem Rücken. Dann werden ein paar Knöpfe gedrückt – und plötzlich geht da ein ziemlich fetter Electrosound auf das Publikum hernieder. Yuill hüpft zwischen Laptop und diversen elektronischen Gerätschaften umher, die Gitarre wird nur gelegentlich nach vorn geschwungen und zur Grundierung der Songs verwendet. Ansonsten werden die Stücke live oft wie in einem DJ-Set ineinander gemischt und generell ein ganzes Stück druckvoller als auf Platte herausgedonnert. Dass im Publikum zu viele Schauläufer unterwegs sind (wenn man sich auf dem Jungsklo beim Händewaschen anstellen muss, weil sich ein Bursche nach dem anderen vor dem Spiegel erstmal die Frisur richten muss, läuft irgendetwas schief mit den Leuten), dafür kann Yuill ja nichts. Er gibt jedenfalls alles und erntet nach knapp 50 Minuten begeisterten Applaus.

Danach gibt es noch 1000 Robota, aber nach dem dritten (oder vierten) gleich schlicht klingenden Stück entschließen wir uns, lieber noch ein gutes Bier im Späti zu kaufen und uns mit den guten Eindrücken von Mr. Yuill auf den Heimweg zu machen.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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