Lana Del Rey AlbumcoverViele Fans, viele Gegner. Wenn man so etwas von der ersten Veröffentlichung (jedenfalls unter diesem Künstlernamen) an schafft, hat man schon etwas erreicht. Lana Del Rey pflegt ihr Image auch weiterhin wirkungsvoll. Und das so konsequent, dass sie auf Album Nummer Zwei sogar die offensichtlichen Hits weglassen kann.

Nachdem die Künstlerin unter ihrem ursprünglichen Alter Ego als Elisabeth oder Lizzy Grant keinen hinter dem Ofen hervorlocken konnte, erfand sie sich mit der Kunstfigur Lana Del Rey komplett neu. Mit entsprechender Optik, markanten Video(Game)s und einer detailverliebten Mischung aus White Trash und 50er-Jahre-Noir.

Das alles zieht sie nun in „Ultraviolence“ (ein starker Albumtitel übrigens, der nicht nur DM-Fans zu begeistern weiß) weiter konsequent durch. Sie leidet an den falschen Entscheidungen, dem falschen Umfeld, dem falschen Sex mit den falschen Männern und an einer stets mitschwingenden Todessehnsucht. Also die Lana jetzt, wie echt das Ganze ist, wird nie ganz klar, man hofft ja stets, dass es zwischen der mitunter doch auch ein bisschen die Klischees strapazierenden Künstlerin und dem Menschen dahinter klare Trennwände gibt.

Mutig ist, dass sie diese ganze morbide Ästhetik nun gar keinen äußeren Zwängen mehr zu beugen scheint. Da sind keine chartsfreundlichen Beats mehr und keine flotten HipHop-Einsprengsel. Miss Del Rey hat sich von Dan Auerbach (dessen großartige und enorm erfolgreiche Band The Black Keys in diesem Atemzug auch gleich mal empfohlen sei) ein Klanggewand auf den Leib schneidern lassen, das wie angegossen passt, obwohl es den Zugang im ersten Moment gar nicht so einfach macht.

Denn die Songs ziehen sich vom einleitenden Sieben-Minuten-Die-Welt-ist-schlecht-Lamento „Cruel World“ bis zum finalen Cover „The Other Woman“ (im Original von der unsterblichen und stimmlich mehrere Ligen weiter oben spielenden Nina Simone) in ziemlich gleichbleibendem Tempo dahin. Das wirkt erst mal zäh wie Gummi, aber jenes Gummi verwandelt sich mit wiederholtem Hören in glänzenden Honig.

Dann merkt man nämlich, dass das Album viel besser harmoniert als der Vorgänger. Die Songs passen zueinander und zu der größtenteils von Gitarren, Streichern und einer Menge Hall geförderten düster-schwitzigen Atmosphäre. Mit einer Einschränkung: Der doofe und reichlich flache Radio Mix von „West Coast“ am Ende passt mal gar nicht. Wie wichtig der bereits erwähnte Produzent Dan Auerbach ist, merkt man an der ungleich stärkeren Albumversion dieser dann nämlich doch tollen Single.

Und, obwohl, wie gesagt, die offensichtlichen Singles fehlen mögen: Tolle Songs sind kein Widerspruch zu dieser Aussage und mit „Cruel World“, „Shades Of Cool“, „Brooklyn Baby“ oder „Old Money“ reichlich vorhanden. Ein wirklich gelungenes zweites Album einer weiterhin faszinierenden Künstlerin. Wenn diese Dame jetzt noch live (v.a. stimmlich) besser würde… nicht auszudenken!

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. Razor73
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    5.7.2014 - 9:54 Uhr

    Spitzen Platte! Schon die erste CD war sehr gut, nun der nächste Treffer. Ideal für laue Sommernächte oder triste Herbst/Winterabende. Herrlich düster und melancholisch wirkt jeder Song wie ein Filmsoundtrack. Mal was anderes im Einheitsbrei Musikbranche.