Lana Del Rey geht nach San Francisco. Vielleicht. Aber nicht ohne einen Umweg über das schmutzige L.A. zu machen. Irgendwo draußen auf einem sommerlich kargen Hügel tippt sie lachend mit einem himmelblau lackierten Finger eine LSD-Pappe an und legt sie Father John Misty – vielleicht das männliche Pendant zu Lana Del Rey – sanft auf die Zunge. Willkommen im berauschten Kosmos der Lana Del Rey.

Lana Del Reys neueste Single „Freak“ ihrer Erfolgs-LP „Honeymoon“ ist ihr einen elfminütigen Kurzfilm wert – und dieser Trip hat es in sich. Im Stile der 60er-Jahre Hippies tauchen Lana Del Rey und Father John Misty in selige Lethargie. Allein diese Namen! Ein bisschen wie die amerikanische Ausgabe von Brigitte Bardot und Serge Gainsbourg, unnahbar in ihrer Welt. Niemand beherrscht die Farbpalette der schmerzhaft-schönen Nostalgie so perfekt wie Lana. Bestes Beispiel ist die Szene ab Minute 03:50: die Kamera fährt langsam den pudrig-weißen Sand entlang, hinauf an Lanas nackten Beinen, an denen Sandkörner haften. Neben ihr ein Plastikbecher kirschrotes Kool-Aid, nach dem ihre himmelblau manikürte Hand greift. Das Video ist ein einziger Instagram-Traum aus himmlischem Licht, dazu grobkörnige Filter und eine gleißende Überbeleuchtung, die das ganze wie einen Traum – oder eben einen sehr guten Trip – erscheinen lässt. Zum düsteren Beat und der verlockenden Aufforderung nach Kalifornien zu kommen (man beachte den Schriftzug „trust no one“ auf ihrer Handkante), nimmt das Erlebnis seinen Lauf. Frei nach dem Motto Timothy Learys, amerikanischer Psychologe und Fürsprecher psychedelischer Drogen: „Turn on, tune in, drop out“ sehen wir Father John Misty umringt von sinnlichen, engelhaften Wesen mit wehendem langen Haar in weiße Spitze gekleidet, sich dem Rausch hingeben. Lana sieht man zwischendurch kniend vor einem Plattenspieler, als wäre er ihr heiliger Gral. Sie singt von „easy riders“. Eines muss man ihr lassen: Sie kennt sich aus, streut sie doch immer wieder popkulturelle Referenzen in ihre Werke ein.

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Bei einem Konzert wurde übrigens bekannt, dass das Video zu „Freak“ von einem – man mag es nicht glauben – Taylor Swift-Konzert stammt. Father John Misty war unter den Zuschauern und hatte vorher Acid genommen. Doch zurück zu diesem Del Rey-Trip, in dem sich die Zeit aufzulösen scheint. Father John Misty hält Lana sanft im Arm, beide in einer Rauschwolke entschwunden. Dann löst sich alles in Nebel auf. Ein lagunenblauer Traum zu Claude Debussy’s „Claire de Lune“, es mag eigentlich kaum kitschiger gehen. Vielleicht macht es das wiederum so gut, denn Lana Del Rey verliert sich selten in Stillosigkeit. Es wirkt leicht und fragil wie ein Gemälde. Sonnenlicht funkelt durch das Wasser, die engelhaften Wesen schweben mit Lana Del Rey und Father John Misty durchs Wasser.

Letzte Aktualisierung: 20.2.2016 (c) depechemode.de

 Eleni Blum
"The only truth is music" (Jack Keruac) - mit diesem Satz ist alles gesagt. Eleni studiert zur Zeit im Master und begeistert sich für das Schreiben und Musik in all ihrer Vielfalt. Zusätzlich zur Uni arbeitet sie als freie Mitarbeiterin bei der Lokalzeitung sowie - besonders gern natürlich - bei depechemode.de und kümmert sich um die Kommunikation verschiedener Musiker (Künstlerprofile, Liner Notes, Social Media u.v.m).

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