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Image ist alles und der Hype frisst seine Kinder. Ist das wirklich so? Und sollte das wirklich das Wichtigste sein, wie so mancher Artikel über diese Künstlerin suggeriert? Wir finden: Nein, die Musik entscheidet. Und die ist nämlich in der Tat sehr hörenswert.

Kurz das Nötigste zum Hintergrund. Eine Kreuzung aus Lana Turner und einem Ford Del Rey. Natürlich nicht die Dame selbst, sondern ihr Künstlername. Unter ihrem eigenen – Elizabeth „Lizzy“ Grant – hatte sie es schon einmal versucht, ohne Erfolg. Vielleicht auch daher nun das ganze Brimborium rundherum. Die Optik, die Lippen, die Videos, der Hollywood-Look, die US-Flagge, das Kokettieren mit dem White Trash. Das muss nicht gefallen, das muss aber eben auch nicht weiter interssieren.

Viel spannender ist eben doch, sich auf diese wirklich außergewöhnliche Stimme einzulassen. Die und ein paar starke und sehr einprägsame Melodien machen das Album viel eher zum Erlebnis. Da ist natürlich erst einmal das Internet-Phänomen und der weltweite Megahit „Video Games“. Piano, Streicher, Harfe und dieser markante Gesang, das kriegt man nicht mehr aus dem Ohr.

In ähnliche Kerben schlägt auch das gleich zu Beginn platzierte „Born To Die“, bei dem durch den sachten Hip-Hop-Beat im Hintergrund angedeutet wird, welche Musik der Teenager Lizzy Grant so gehört haben mag. Im folgenden „Off To The Races“ wird sogar so etwas wie Sprechgesang daraus, während die Backgroundsängerinnen nach Marilyn-Monroe-Kino klingen. Dann das ebenfalls frühzeitig bekannte „Blue Jeans“ mit seiner an einen alten Hit von Chris Isaak erinnernden Melodieführung, dann der erwähnte Megahit. Vier Volltreffer am Anfang, so kann das kaum weitergehen.

Tut es auch nicht. Mit „Diet Mountain Dew“ folgt der erste eher mittelmäßige Song, den das zwar plakative, aber doch wieder sehr eingängige „National Anthem“ gleich wieder ausgleicht. Und so in etwa verläuft die zweite Albumhälfte auf mal eher mittlerem, mal wieder hohem Niveau, manchmal sogar innerhalb eines Songs („Dark Paradise“: mäßiger Sound, mittelprächtige zweieinhalb Minuten, dann plötzliche Steigerung). Doch mit dem sanften „Radio“, der schönen Ballade „Million Dollar Man“ und dem späten Hitkandidaten „Summertime Sadness“ findet sich hier immer noch genug Potential.

Ein Album, das dem Hype kaum gerecht werden konnte und das auch kaum neue musikalische Akzente setzt. Muss es aber auch nicht (wie schon erfolgreiche Ladys namens Winehouse oder Adele gezeigt haben), manchmal reicht uns eben auch gute bis sehr gute Popmusik.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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