Laibach am 20.01.2016 in der Live Music Hall in Köln ( Foto: Frank Güthoff)
Laibach am 20.01.2016 in der Live Music Hall in Köln ( Foto: Frank Güthoff)

Das erste Konzert im neuen Jahr führte mich tatsächlich nach Köln zu Laibach. Eine schneeflockenerfüllte Reise von Leipzig in die westdeutschen Gefilde über die Autobahn, vorbei an defekten LKW, herumliegenden Teilen auf der Fahrbahn und die immer wiederkehrende Frage, ob es jetzt glatt sei oder das nur so aussehen würde, behinderten die Anreise ein wenig, sorgten aber auch für interessante Gespräche zu elektronischer Musik im neuen Fahrzeug meiner Reise- und Konzertbegleitung.

So ein Laibachkonzert ist ja prinzipiell nie vorhersehbar, irgendeine Überraschung gibt es immer und die Sache mit dem Ausflug der Band nach Nordkorea sollte auch noch einigen Lesern im Gedächtnis sein. So war es dann auch: Die Band kehrte nach Europa zurück mit einer Art Neuinterpretation von The Sound of Music, einem Musical von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein, das von Nordkoreas Oberhaupt Kim Jong Un wohl als äußerst hörbar befunden wurde. In der Live Music Hall herrschte reichlich viel Platz für jedermann und irgendwie beschlich mich der Gedanke, dass sich daran auch wenig ändern würde und ein wenig Bedauern darüber. Ich war noch nie in der Location und fing noch vor Konzertbeginn an die riesige Diskokugel an der Decke toll zu finden. Okay, die Leere an der Bar war auch ganz nett und weil das Konzert eben nicht pünktlich, sondern gut 45 Minuten später als angedacht beginnen sollte, blieb genug Zeit, um noch ein bisschen zu quatschen. Der Blick ging natürlich wieder durch die wenig gefüllte Halle, die Dialoge drehten sich um den Altersdurchschnitt und beim kurzen Spaziergang in den Innenhof, traf ich dann noch auf ein paar alte Bekannte: z.B. Ralf Dörper von Die Krupps.

Das Konzert selbst – im immer noch nur mittelvollen Konzertsaal- begann dann mit athmosphärisch-martialischen Ausschnitten aus Edvard Grieg. Entsprechend verwirrt war der Blick einiger Zuschauer, damit hatte nämlich keiner gerechnet. Aber wie schon zu Beginn erwähnt – Laibach sorgen für Überraschungen. Das ist auch gut so, denn sonst wären es ja auch nicht Laibach  und nur eine weitere Abklatsch-Krachkapelle. Wer sich ein bisschen an die Anfänge der Band zurückerinnert, weiß, dass sie auch gern Stücke aus dieser Zeit zum besten geben. Im Falle des Kölnkonzerts wurde mit Smrt Za Smrt aufgewartet. Wer jetzt dachte, dass es in dem Stil weitergehen würde, wurde eines besseren belehrt. Überraschung! Now You Will Pay und The Great Divide gab es zu hören und meine Blicke lagen spätestens ab The Great Divide für längere Phasen nur noch auf der wunderschönen und stimmlich einzigartigen Mina Spiler.

Dann zur kurzen Erholungspause, die es wohl auf vorherigen Touren ebenfalls schon gab (so wurde mir berichtet), hörte man aus vielen Ecken nur noch ein “ Was war das denn?“ murmeln. Verwirrt-entzückte Blicke wechselten sich mit angeregten Dialogen über das Gesehene, die Bandgeschichte und den Nordkorea-Besuch der Band ab, bis es dann mit Stücken aus The Sound of Music weiterging. Ich war verzückt von kleinen Ponies auf der Leinwand und Textfragmenten über Apfelstrudel und Glöckchen. Ich gebe zu, ich habe herzlich gelacht, denn es hat etwas urkomisches, wenn solche zuckersüßen Zeilen von Milan Fras mit tiefer Stimme wiedergegeben werden. Spätestens ab dem Punkt, wurde aus meiner Verwirrung und der Schwierigkeit dieses Konzert einordnen zu können dann ein einfaches “ Das war super“ in meinem Kopf.

Für Feierstimmung kurz vor Konzertende sorgte noch Opus Dei / Leben heißt Leben, wo dann teilweise grinsend mitgestampft wurde. Die letzte Überraschung des Abends war dann ein Kurzvideo von der Nordkoreareise, mit Szenen, die wirklich zu komisch waren. Lieblingsszene meinerseits: Ein Nordkoreaner, der sich bei der Musik Laibachs einfach die Ohren zuhielt.
Was gibt es abschließend zu sagen? Ein Konzert mit unsagbar vielen Überraschungen, einem Tontechniker, der seinen Job verstand und einem Lichttechniker, dem man noch sagen sollte, dass Licht im Publikum jetzt nicht so toll ist, wundervolle sphärische Klänge und dazu passende Hintergrundvideos in Kontrast zu bunten My Little Pony Figuren führten trotz nur mittelgroßer Beteiligung zu einem reichlich positiven Konzerterlebnis. Lasst euch diese Tour nicht entgehen!

Setlist:
01. Olav Trygvason
02. Smrt Za Smrt
03. Now You Will Pay
04. The Great Divide
05. Eurovision
Intermezzo
06. Do-Re-Mi
07. Edelweiss
08. The Sound Of Music
09. My Favourite Things
10. Mach dir nichts draus
11. The Whistleblowers
12. No History
13. Bossanova
14. Resistance Is Futile
15. B Mashina
16. Opus Dei / Leben heißt Leben

Weitere Deutschlandkonzerte:
06.04.2016 – Bochum, Christuskirche
07.04.2016 – Frankfurt, Batschkapp
15.04.2016 – Leipzig, Haus Auensee
16.04.2016 – Dresden, Alter Schlachthof
17.04.2016 – München, Muffathalle

Tickets bekommt ihr hier.

 Josie Leopold
Ich bin die kleine Schnatterschnute vom Dienst: bunt, glitzernd, voller verrückter Ideen. Wenn ich nicht gerade Interviews führe, Beiträge verfasse oder versuche Wordpress davon zu überzeugen doch bitte nett mit mir zu sein, versuche ich die Welt ein bisschen besser und bunter zu machen.

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Kommentare

  1. 1.2.2016 - 21:03 Uhr

    Der war aber auch echt gut, da sollte man das erwähnen :)
    So ein Konzert funktioniert ja nicht nur, weil ein paar Künstler auf einer Bühne stehen – Sound und Licht sind genauso wichtig! <3

  2. testcase
    1
    29.1.2016 - 7:48 Uhr

    Danke dass ihr den Tontechniker gelobt gabt! – Normalerweise merkt man ja nur dann dass es einen Tontechniker gibt wenn irgendwas schiefgeht :)