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Ach ja, die gute alte Schwerkraft. Wenn es Musik gibt, die von ihr so gar nicht erreicht werden kann, dann ist dies womöglich gerade jene von Ladytron. Denn hierzu fällt einem immer wieder – und auf diesem, ihrem fünften Studioalbum ganz besonders – das Wort Schwerelosigkeit ein.

Seit dem Debüt „604“ (2001) haben es Ladytron stets geschafft, ihre Fans sowohl mit für die Band typischen Klängen zu erfreuen als auch sie mit Weiterentwicklungen zu überraschen. Wurde man anfangs noch unter dem damals aktuellen Electroclash einsortiert, gelang alsbald eine Öffnung des Sounds in vielschichtigere Bereiche. Insbesondere mit dem dritten und vielleicht oftmals unterschätzten Album „Witching Hour“ zeigte das Quartett (Helen Marnie, Mira Aroyo, Daniel Hunt und Reuben Wu) eine musikalische Weitsicht und Klasse, bei der viele Weggefährten nur staunen konnten.

Nach dem vor kurzem erschienenen Best Of des ersten Ladytron-Jahrzehnts konnte man gespannt sein, ob nun ein gänzlich neues Kapitel aufgeschlagen werden würde. Die Band ging dann auch mit der Absicht ins Studio, etwas ziemlich Abstraktes und Atmosphärisches aufzunehmen. Was schließlich in Zusammenarbeit mit dem bewährten Produzentenpartner Barny Barnycott herauskam, ist dann jedoch gar nicht so abstrakt geworden, sondern klingt wieder unverkennbar nach Ladytron.

Was allerdings die angestrebte Atmosphäre angeht, so darf man bestätigen: So kompakt atmosphärisch und filmisch klang die Band noch nie. Das ist sicher für die meisten Hörer kaum der „Barock’n’Roll“, als den Songwriter Hunt den aktuellen Sound bezeichnet. Eher schwebend-luftiger Elektropop, allerdings absichtlich ohne allzu große Popambitionen. Denn auf richtige Hitsingles zielt dieses Mal eher wenig ab, alles ordnet sich einem in sich kohärenten Album unter.

So ist die schon von der Best Of bekannte Single „Age Of Hz“ schon so ziemlich der eingängigste Song, neben der ebenfalls exquisiten aktuellen Single „White Elephant“ vielleicht. Auch die übrigen Stücke sind durchaus leicht zugänglich, keine Bange, es sind auch noch weitere Highlights wie das kühle „Ambulances“ darunter. Aber es wird doch weitaus mehr Wert auf Stimmungen gelegt. So werden Elemente aus früheren Stücken sowohl inhaltlich (wie bei „Mirage“ und „Melting Ice“, die von der Songreihenfolge her keineswegs dicht beieinander stehen, aber doch eine Einheit bilden) als auch musikalisch wieder aufgegriffen, Letzteres besonders deutlich, wenn bei instrumentalen Finale „Aces High“ erwähnte Best-Of-Single thematisch wiederkehrt.

Überhaupt scheut man sich nicht, gleich drei Instrumentale zwischen die übrigen neun Songs zu stellen (und mit „Ritual“ ist mindestens ein hervorragendes darunter). Dadurch freut man sich anschließend noch mehr, wieder die vertrauten weiblichen Stimmen zu hören. Wie überhaupt dieses ganze Album mal wieder eine einzige Freude ist, die mit jedem Hören größer wird. Versprochen!

(Addison)

P.S. Das schöne Video zu „White Elephant“ könnt Ihr u.a. hier bei den Kollegen von tape.tv sehen.

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. In Joy
    1
    1.10.2011 - 22:24 Uhr

    Die fünf Alben die Ladytron in den 10 Jahren rausgebracht haben sind vom Niveau genauso hoch wie die von Depeche Mode. Das Andy Fletcher der beste ein finger spezialist an den Tasten ist, das war mal. Reuben Wu oder Mira Ayo können das genauso gut. Aber auch das neue Album von der Band Vic Anselmo-In my Fragile- ist nicht von schlechten Eltern. Ausser Depeche Mode gibt es /Gott sei Dank/ noch absolute Ausnahmekünstler:)