kosheen_solitude
Wir hätten da noch etwas aus 2013 nachzureichen. Das neue Kosheen-Album nämlich. Kurz vor den Feiertagen erschienen, aber gar nicht so feierlich unterwegs. Das Bristol-Wales-Trio hat den Sound zu seiner ganz eigenen Festung der Einsamkeit aufgenommen.

Hm, halb angekündigte und dann doch abgesagte Konzerte, dazu eine eigenwillige Veröffentlichungspolitik, insbesondere auf den Internetseiten der Band. Müssen wir uns Sorgen machen um Sian Evans, Markee Substance und Darren Decoder? Das lässt sich hier und heute nicht beantworten, musikalisch jedoch steht es eigentlich richtig gut um Kosheen.

Nachdem sie endlich dem einengenden Major-Label-Vertrag entkommen waren, nutzte die Band das erste Album danach („Independence“, 2012) als Befreiuungsschlag, auf dem sie sich in diversen Richtungen versuchte, zwischen alten Errungenschaften, eingängigem Pop und dunkleren Momenten. Der rote Faden fehlte ein wenig, man war trotzdem zufrieden.

Für „Solitude“ stand nun endlich einmal das Album als Gesamtkonzept im Mittelpunkt. Und auch wenn sich keine Hits der ersten Stunde finden, ist Kosheen das kohärenteste Werk ihrer Karriere gelungen. Die titelgebende Einsamkeit fand sich in der Arbeitsweise wieder – die drei Musiker leben in verschiedenen Städten und so entstanden die Stücke oft durch Hin- und Herschicken ihrer Elemente.

Darüber hinaus passt der Albumtitel aber auch zur Atmösphäre, denn die ist ziemlich düster, die Sounds haben mehr Tiefgang. Wobei Eingängigkeit schon allein dank Evans‘ markanter Stimme nicht ausgeschlossen ist, wie der Single-Vorbote „Harder They Fall“ oder das dynamische „Save Your Tears“ beweisen. Aber die Sängerin hält sich oft zurück, manchmal singt sie nur einzelne Worte oder taucht fast gar nicht auf. Stattdessen rücken die wuchtigen Sounds, nach wie vor tief im Drum’n’Bass verwurzelt, ins Zentrum.

Stimmungsvoll wabern Tracks wie „And Another“, Up In Flames“ oder „Poison“ durch die Dunkelheit, nur kurz darf die menschliche Stimme gegen „745“ oder das gewaltige „I“ ankämpfen, bis man mit dem Titelstück am Ende ganz bei sich selbst angekommen ist. Kosheen ist mit „Solitude“ ein überraschendes, den Hörer forderndes und ihn letztendlich belohnendes Album gelungen.

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www.soundcloud.com/kosheendjs
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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

  1. Alec Wilder
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    9.1.2014 - 17:10 Uhr

    Nach wie vor wow! Danke Sven ;)