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Heute mal kein Soundcheck hier. Denn wir haben in diesem Special nur deutschsprachige Künstler am Start, da kann man die Überschrift auch gleich mal übersetzen, oder?

tocotronic_rotDer Rezensent ist ja kein Fan von Tocotronic, war er nie. Einzelne Songs ja, aber ganze Alben, nö. Zu viel Befindlichkeit in den Texten, zu viele gar nicht mal so starke Songs. Und live konnten die Hamburger auch nicht so richtig begeistern, das war irgendwie nicht spannend genug. Der Rezensent weiß aber, dass das erstens vielleicht sein persönliches Problem mit der Band ist und dass das zweitens viele Menschen anders sehen.

Darum wird „Tocotronic (Das rote Album)“ auch trotz aller Vorbehalte angehört und besprochen. Und siehe da, im Laufe der Beschäftigung mit der Band fallen einem dann doch ganz schön viele ganz schön gute Songs dieser Band ein, die einen in den letzten 20 Jahren mehr oder weniger begleitet haben. Doch nun wird bald der Platz hier knapp, darum also endlich zum aktuellen Album:

Dass es mehr oder weniger ein Konzeptwerk rund um das große Thema Liebe ist – geschenkt. Auch dass die Texte nach wie vor mal brillant und mal eher seltsam sind – macht nix (obwohl man hier einige Male scharf an der Kitschgrenze entlang schliddert). Das Schöne ist nämlich, dass Tocotronic hier ein wunderbares, aufgeräumtes Klangbild pflegen und ein paar neue Wege beschreiten. Mit einiger Elektronik, einer Menge (New) Wave und ganz viel Luft zum Atmen für die Songs, was diesen gut tut. – 7 von 10 Poesiealben





egotronic_etatFür hübsch-hässliche Plattencover waren Egotronic schon immer gut. Gar sonnenköniglich wird es dieses Mal, aber nur auf den ersten Blick. Denn zwischen die historischen Klamotten auf „Egotronic, c’est moi!“ haben sich Insignien der modernen Zeiten geschmuggelt. Und ein Anarchie-Eichhörnchen. Wie passend.

Ein „richtiges“ neues Album ist das hier auch gar nicht. Stattdessen hat die Band zwölf Stücke aus verschiedenen Schaffensphasen des letzten Jahrzehnts (mit Übergewicht auf den frühen Songs) komplett neu eingespielt. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass die Sachen auch einen anderen Sound bekommen, der Plan war offensichtlich, dem Ganzen mehr Druck zu verleihen.

Was auch gelungen ist. Die vorab gestreute Ankündigung, dass alles jetzt punkiger und rockiger klänge, trifft oftmals zu – aber es bleibt durchaus auch Raum für Synthiespielereien und eingängige Popmelodien. Und außerdem sind die Texte von „Raven gegen Deutschland“, „Toleranz“ oder „Die richtige Einstellung“ nach wie vor zutreffend und wichtig. Also: Reckt die Fäuste und klatscht in die Hände! – 7,5 von 10 Electropunks





Erfolg_Cover_300dpiSo, jetzt wird es seltsam, spaßig und clever. Peterlicht und Andreas Dorau, schnallt euch an! Denn der Johannes von Weizsäcker, der heißt jetzt auch Erfolg und hat „Erfolg“. Ja, so kann man Bands (oder vielmehr Soloprojekte, denn dieses ist eins) heutzutage noch nennen. Und den Erfolg würden wir ihm sehr gönnen.

Denn während von Weizsäckers Hauptband The Chap über den Status „ganz nett“ nie so ganz hinausgekommen ist, macht die Musik von Erfolg richtig was her. Bei den Aufnahmen half „Der Beste Damenchor Aller Zeiten“, so was kann ja nie schaden. Und die Songs sind nicht nur großartig und streckenweise echt aberwitzig getextet, sie sind auch richtig flotte Popmusik.

Ob der Titelsong sich von sanfter Akustik zum mächtigen Chor aufbaut oder das „Seelenfestival“ so richtig abräumt. Oder gleich fünf Songs in Folge verschiedene Arten von Mann behandeln, darunter der von Piano zu Techno springende „Klaviermann“, ein „Guter Mann“ (der Synthiepopfan sein muss), der „Mausmann“ (fast ein elektronisches Hörspiel) und der „Brillenmann“ (der immer schon da und obendrein extrem eingängig ist). Dieses Album ist so schön, da ist eigentlich kein Raum für „Negativität“. – 8 von 10 Erfolgsprognosen





exclusive_menschDicke Synthies und Stadionhymnen, damit kann man derzeit durchaus gute Chancen am Markt haben. Damit kann man auch bei uns punkten. Beziehungsweise könnte man – denn irgendetwas stimmt an „Neuer Mensch“ von Exclusive nicht. Nur was (okay, man kann das Problem recht schnell erkennen)?

Die Münchener Band, die sich zunächst an englischsprachigem Britpop versuchte, sattelte rechtzeitig zu ihrem Debütalbum auf deutsche Texte und einen von massivem Synthesizereinsatz geprägten Sound um. Dabei sind sie auch auf ihrem zweiten Album geblieben, doch nun soll dank (vermutlich) erhöhtem Produktionsbudget und Majorlabel im Rücken der große Durchbruch klappen.

Könnte funktionieren, denn auf der Habenseite lassen sich stadiontaugliche, eingängige Songs verbuchen, die fett und satt elektronisch rocken. Ein paar Hitanwärter (der Titelsong, „Bruder“, „Spieler“, „Herz“) sind ebenfalls am Start. Doch nun das Aber: Neben den zwischen pathetisch und belanglos schwankenden Texten sind das die Austauschbarkeit einiger Stücke und vor allem die Stimme von Fabian Bottler, der einen so lange gleichförmig anschreit, bis es nervt. Wer damit zurecht kommt, darf gerne einen Punkt auf die Wertung draufpacken. – 6 von 10 Schreihälsen





schluck_rave„Wie ein Fünf-Tage-Rave im Deichkindstil“, urteilten wir vor viereinhalb Jahren über das Debütalbum der beiden Verrückten von Schluck den Druck. Der Titel des zweiten Albums „Rave ist Karate“ verheißt da kaum Besserung, oder? Zumal die Band sich mittlerweile (ähnlich wie die Deichkinder, nur in kleinerem Rahmen) einen Ruf als echte Live-Abrissbirne erspielt hat.

Um so mehr staunt man, als es mit „Ich will“ erst einmal mit fast minimalem Electro losgeht. Auch die Ansage, dass es zu jedem Song eine künstlerische Visualierung geben wird, spricht für mehr Ernsthaftigkeit. Doch die Fans der fetzigen Abfahrt werden erst einmal mit „Schach zu dritt“ und „Schnick Schnack Schnuck“ ruhig gestellt. Und es gibt auch später immer wieder knallige Partytracks (z.B. „Adrenalin“), was ja auch nicht verkehrt ist.

Doch der erahnte gestiegene Anspruch bestätigt sich bald, mit entspanntem Pop wie „Im Rausch mit Freunden“ oder auch textlich mehr Tiefgang („Angst kotzt Schwarzweiß“). Letzteres lässt sich auch mit zackigen Sounds verbinden („Tausch den Fokus“). Und am Schluss gibt es sogar noch so etwas wie dynamischen Industrial mit Geige („Einatmen Ausatmen“). Klare Steigerung zum Debüt! – 7 von 10 Ravekantenschlägen





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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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